CTS-MUM
KILLER BARBIES (03/00)


The Killer Barbies - ein Name, unter dem sich die meisten hierzulande sicher noch nicht allzu viel vorstellen können. Ein Horrorfilm in Puppenmilieu? Nein, hinter den Killer Barbies steckt eine von Spaniens bekanntesten Glamour-Punk-Bands, die mit dem Album "Bad Taste" nun auch im restlichen Europa für Furore sorgen wollen. Hierfür haben Frontfrau Silvia Superstar, Doctor Muerte (Gitarre), Jeyper Man (Bass) und Billy King (Drums) zur Vorabsingle "Mars" in Berlin ein Video gedreht, das man bereits im Fernsehen begutachten konnte und bei dem mit Rod Gonzales von den Ärzten auch ein allseits bekanntes Gesicht mitwirkt. Nicht die ersten Filmerfahrungen für die Truppe, hatte doch B-Movie-Kultregisseur Jess Franco schon mit der Band einen Streifen abgedreht, Titel natürlich: "The Killer Barbies". Bei weitem nicht alles. Der flippig rassige Blickfang Silvia ist nicht nur auf Musik spezialisiert, kennt man sie in Spanien doch auch als Model für eine Jeans-Marke, als TV-Moderatorin oder als Barbesitzerin in Vigo.
Mit "Bad Taste" beweisen uns die Killer Barbies nun, dass es an gutem Punk in Spanien noch mehr als nur Dover gibt - Partymusik pur. Wir sprachen mit Silvia und Billy über ihren Status in der Heimat und viele andere Dinge.


MUM: Habt ihr in Spanien schon mehrere Alben veröffentlicht?

KB: Ja, schon vier Stück.

MUM: Wann ging es denn los?

KB: 1994 haben wir angefangen und erst einmal drei Vinyl-Maxis heraus gebracht, danach dann die Alben.

MUM: Wurden die Alben nur in Spanien veröffentlicht oder auch in Südamerika, irgendwelchen Spanisch sprechenden Ländern?

KB: Die Alben gab es nur in Spanien regulär.

MUM: Wie habt ihr euch kennengelernt?

KB: Über Bekannte haben wir uns getroffen und festgestellt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge liegen. Wir haben dann noch etwas rumgefragt, wer mitmachen will, und so wurden wir komplettiert.

MUM: Ihr seid in Spanien richtig erfolgreich?

KB: In Untergrundkreisen sind wir schon angesagt, beim Mainstream-Publikum aber nicht.

MUM: Also so die Größe von Dover?

KB: Nicht ganz, die verkaufen mehr Platten als wir.

MUM: Welche Bands haben euch beeinflusst?

KB: Elvis Presley, Ramones, Sex Pistols und die ganze 77er-Punkszene.

MUM: Wie alt seid ihr denn?

KB: Mann kann diese Bands ja auch gut finden, wenn man nicht so alt ist. Ich (Silvia) bin 26.

MUM: Was passiert in dem Videoclip zu "Mars", den ihr in Berlin gedreht habt?

KB: Wir spielen da live in einem Club, während es eine Invasion vom Mars gibt.

MUM: Wie kam es dazu, dass Rod von den Ärzten da mitgespielt hat?

KB: Rod kennt uns seit etwa vier Jahren, also unsere Musik, und fand sie immer gut. Das Video wollten wir in Berlin drehen und waren vorher schon da. Von unserem Label hatte man dann bei Rod angerufen und er wollte uns gerne kennen lernen. Wir haben dann zusammen gegessen und uns gut verstanden. Auch der musikalische Geschmack war sehr ähnlich, und so wurde Rod spontan gefragt, ob er nicht beim Dreh mitwirken wolle. Er war gleich begeistert und hat zugesagt.

MUM: Habt ihr schon irgendwelche bekannteren Bands supportet in Spanien?

KB: Wir haben auf allen großen, wichtigen Festivals in Spanien gespielt, mit Garbage, Iggy Pop und vielen anderen. Wir supporten inzwischen nicht mehr, weil man uns schon gut kennt in Spanien.

MUM: Wen würdet ihr euch wünschen, ihn in Europa zu supporten, wenn ihr die Wahl hättet?

KB: Schwere Frage. Da gibt es einige. Kiss, Foo Fighters, Ramones oder Elvis Presley. Letztes dürfte aber schwierig sein.

MUM: Die Ramones dürften auch schwierig sein.

KB: Wir glauben, dass sie wieder zusammenkommen.

MUM: Wäre ja schön. Was wollt ihr mit eurer Musik ausdrücken?

KB: Unser Hauptanliegen ist, dass die Leute Spaß haben. Die Texte handeln von den Sachen, die uns auch privat interessieren, Comics, Trash-Filme, Splatter-Geschichten. Wir haben Spaß an der Musik, den soll das Publikum auch haben.

MUM: Passiert denn etwas splattermäßiges auf der Bühne?

KB: Das wird, wenn überhaupt, spontan gemacht. Wir haben schon Feuer gespuckt oder sind mit der Kettensäge rumgerannt und haben sie ans Mikro gehalten. Geplant wird da aber eigentlich nichts.

MUM: Worum ging es denn in dem Film "Killer Barbies"?

KB: Der handelt von einer Rockband, die unterwegs ist zu einem Auftritt, dann aber eine Autopanne hat. Sie müssen dann in einem komischen Haus zu übernachten, wo ein weiblicher Vampir lebt. Die Idee zum Film existierte schon, bevor die Filmemacher die Band kennengelernt hat. Es wurde dann alles noch etwas umgeschrieben und der Film nach der Band benannt.

MUM: Der Film lief auch richtig im Kino?

KB: In Spanien, ja, und in den USA sogar auch.

MUM: Wer schreibt von euch die Texte?

KB: Silvia schreibt die Musik und ich (Billy) schreibe die Texte.

MUM: Waren denn die bisherigen Alben auch alle in englischer Sprache?

KB: Hauptsächlich ja, aber wir hatten auch immer wieder spanische Titel dazwischen?

MUM: Silvia, ist dir die Musik eigentlich das Wichtigste, oder nur eine Facette von all dem, was du so tust?

KB: Die Musik ist das Allerwichtigste. Die anderen Sachen mache ich zwar auch, aber nur, wenn ich die Zeit dazu habe und es Spaß bringt.

MUM: Wie sieht es mit Liveterminen aus?

KB: Festivals werden noch geplant, aber in jedem Fall wird es eine Clubtour geben im April und Mai.

MUM: Seid ihr eigentlich aus Vigo oder ist nur die Bar dort?

KB: Eigentlich kommen wir vom Mars und sind nur notgelandet. Nein, wir sind dort geboren. Wir haben unsere Geschäfte dort, die Kneipen, die Freunde und sehr schöne Strände.

MUM: Und, wird Celta de Vigo dieses Jahr noch Meister?

KB: Auf jeden Fall, kein Zweifel.

MUM: Mucke & Mehr
KB: Silvia und Billy von The Killer Barbies

(Tobi)