CTS-MUM
KOMA MOBB (05/00)


Mit Koma Mobb meldet sich im immer breiter werdenden Dschungel deutschsprachiger HipHop-Musik eine weitere Combo zu Wort, die aber irgendwie dann auch schon wieder etwas aus der Reihe fällt, ist ihre Musik doch mehr eine Mixtur aus Reggae, HipHop, Rock und Ethno, mit poppigen Elementen angereichert. Koma Mobb begannen 1994 mit fünf Mannen, bevor nach dem Ausstieg dreier Mitstreiter nur noch Whiteman und Atair übrig blieben, für die es aber keine Frage war, ihren Weg weiter zu gehen. Die Dortmunder landeten mit drei Tracks auf dem "Dortmunda Union"-Sampler und schließlich bei EastWest Records, bei denen nun mit "Für immer" das Debüt erscheint, erarbeitet mit Produzent Kai Kumpmann. Koma Mobb erzählen Geschichten aus dem Alltag, von Problemen im Leben, von der Liebe und anderen Erfahrungen. Mit "Traute Berber" widmen sie einem Dortmunder Original einen Song, ohne dass vergessen wird, darauf zu verweisen, dass auch Koma Mobb selbst das Leben auf der Straße schon durchgemacht haben, macht sich in der Rap-Szene ja immer gut. Einen ersten Erfolg konnten die Jungs damit verbuchen, Kid Rock live begleiten zu dürfen, für weitere Erfolge soll nun das Album sorgen, das abwechslungsreich und durchaus gut geworden ist. Wir sprachen mit Whiteman.


MUM: Sag mal, hat eure Scheibe kein Booklet mit Texten, oder ist das bei mir rausgefallen?

W: Nee, die Texte haben wir ins Internet gepackt, weil wir auch dachten, dass das Deutsch ist und deshalb ja sowieso jeder versteht.

MUM: Worum geht es euch hauptsächlich in den Texten?

W: Darum, alltägliche Probleme anzusprechen, aber auch darum, die Leute darauf hinzuweisen, dass sie sich oft selbst zu viele Probleme machen, die Leute aufzuwecken.

MUM: Du meinst, dass die Leute mehr leben sollten?

W: Ja, das kommt ja immer auf die Einstellung an. Man sollte zusehen, sich nicht zu viele Probleme machen, egal, wo sie herkommen, von der Arbeit, von der Freundin oder wo sonst. Man kann immer mit weniger Problemen auskommen.

MUM: Seid ihr mit vielen Problemen groß geworden?

W: Ich denke mal, es gibt Leute, die haben ohne Ende mehr Probleme gehabt wie wir, aber das ist der alte Hut: Eltern geschieden, tralala, Schule gerade mal so zuende gemacht, Lehre abgebrochen, Kiffen, Drogen - was da alles so ins Spiel kam, verrückte Leute und so, da kam alles aufeinander.

MUM: Ihr werdet ja gerne als die Jungs, die von der Straße kommen, dargestellt.

W: In einer Hinsicht ist das schon nicht verkehrt. Direkt "von der Straße" ist ein heftiger Begriff, das wäre dann schon der Berber, wie in unserem Lied. Den gibt es ja auch wirklich, wir haben also schon mit Leuten auf der Straße zu tun gehabt und eine Zeit lang da gehaust, weil wir nichts hatten irgendwie. Ich habe auch mal in einem Haus gewohnt, wo Strom, Wasser und alles abgedreht waren, und ich wusste nicht wohin. Wir haben schon ein bisschen was davon mitgekriegt, auf jeden Fall.

MUM: Und den Berber kennt ihr aus Dortmund. oder wie?

W: Das ist ein Kollege von ganz früher, wir kennen den schon lange. Der hat sich durch seine Eltern, die auch beide Alkoholika sind, ziemlich heftig entwickelt und lebt jetzt auch wirklich auf der Straße.

MUM: Wie findet er denn das Lied?

W: Natürlich gut, sonst hätten wir das ja nicht gemacht. Uns war es wichtig, das zu machen, weil es zuerst mal einen spaßigen Effekt hat. Wenn man sich etwas genauer damit beschäftigt, dann sieht man aber auch die Skepsis, die uns dabei wichtig ist. Wir machen da auch noch einen zweiten Teil, weil der Junge jetzt ein bisschen aus der Scheiße raus ist, ihm geht es etwas besser, und das müssen wir natürlich auch verarbeiten.

MUM: Warum rappt er denn nicht mit?

W: Er ist nicht so der musikalisch begabte Mensch (lacht laut). Er freut sich aber, dass wir das Lied gemacht haben. Andere würden denken, er flippt aus, wenn er das hört, aber er lebt ja wirklich so, er ist uns da also auch nicht böse oder so.

MUM: Das Stück ist doch auch nicht bösartig.

W: Nein, gar nicht. Wir plädieren ja dafür, dass man nicht immer denkt, alle sind Penner und können immer was dafür, dass sie auf der Straße leben.

MUM: Im Platteninfo steht, ihr hättet das Thema Hanf mit Kid Rock ausgiebig diskutiert.

W: Na ja, so gut wie es ging. Wir sind der englischen Sprache nicht so mächtig, aber ich denke mal, wir sind auf einen Standpunkt gekommen, dass es affig ist, so etwas zu verbieten, wenn es viele Sachen auf dem Markt gibt, die viel schädlicher sind.

MUM: Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass ihr mit Kid Rock aufgetreten seid?

W: Ach, das war mehr Zufall. Irgendwie ist das durch die Plattenfirma so gekommen, dass die Gigs frei waren, kein Support da, und so konnte wir halt einspringen, weil wir das auch brauchten, etwas raus zu kommen, live ist immer gut.

MUM: Das hat ja bestimmt auch Spaß gemacht.

W: Ja, na klar, das ist ja auch eine andere Kultur, die man mal kennenlernt, wenn auch nur kurz. Es ist schon abgefahren, wie die leben.

MUM: Welche Bands haben euch denn eigentlich beeinflusst, ihr seid ja kein reiner HipHop?

W: Ach, ganz viele verschiedene. Die Gitarrensounds kommen vielleicht von Rage Against The Machine oder früheren Skatersachen, die sehr gitarrenlastig waren. Der Reggae kommt von Bounty Killer oder Bob Marley. Wir nehmen da vieles und versuchen, die beste Mischung zu finden, man kann natürlich auch nicht jeden Reggae-Beat mit einer Gitarre unterlegen.

MUM: Habt ihr eigentlich die ganze Musik selbst gemacht?

W: Wir haben die Musik mit jemandem zusammen produziert, der die Musik am Computer erstellt hat oder auch Sachen wie Bassgitarre live eingespielt hat. Das ist von uns Dreien produziert.

MUM: 1994 ging es mit euch los?

W: Ja. Es ging früher schon im kleinen Freundeskreis los, ich hatte da eine Reggaeband, die hat sich aber irgendwann zerschlagen, wie das so ist, wenn man jung ist. Dann kam der Koma Mobb, das waren am Anfang fünf Leute, die haben sich dann auch zerschlagen, ob es nun Probleme mit Frau oder Arbeit oder was so alles dazukommt waren. Wir sind halt der harte Kern, der übergeblieben ist.

MUM: Und das passiert so plötzlich, dass drei Leute aussteigen?

W: Ja, das ging wirklich schnell. Vielleicht ist der eine oder andere auch mit der Sprache nicht raus gekommen, so dass sich dann auf einmal alles zerschlagen hat. Ist aber besser, als hätte sich das eine ganze Zeit lang hingezogen.

MUM: Ihr wart aber gleich einig, weiter zu machen?

W: Ja, ich wollte das mit Atair durchziehen. Er war der einzige, der sich da auch wirklich reinknien wollte, und so ist es halt dabei geblieben. Die anderen wissen natürlich alle, was jetzt los ist und sind uns auch nicht böse oder so. Das hat sich alles freundschaftlich getrennt.

MUM: Wie seid ihr eigentlich auf eure Künstlernamen gekommen?

W: Also meiner ist darauf bezogen, dass ich der weiße Mann bin, da mein Vorbild Yellowman ist, ein Jamaikaner. Ich fand den immer so cool und dachte, wenn der sich Yellowman nennt, dann bin ich eben Whiteman. Atair ist Griechisch oder Französisch und ist ein Stern, und den Namen hat er sich auch als Graffitimaler gegeben.

MUM: Was habt ihr für Ziele mit dem Album, das ja schließlich bei einem Major erscheint?

W: Die Erwartungen sind natürlich groß. Wir wollen so viele Leute wie möglich damit erreichen und so viele Resonanzen wie möglich einholen, um zu sehen, wie die Leute drauf reagieren. Als Musiker ist man natürlich eingespannt, hat die Platte sehr lange gehört. Jetzt müssen wir schauen, abwarten.

MUM: Ihr geht ja eher die härtere Schiene, nicht unbedingt von R&B geprägt oder so.

W: Unser Lebensstil ist auch nicht gerade so lustig. Die Musik ist in einer Zeit entstanden, wo alles etwas krass war. Wir haben früher auch gerne krasse Musik gehört, das wollten wir auch mit einbringen. Nicht alles ist rosarot.

MUM: Wenn ihr nun Erfolg haben solltet und in eigenen Jets um die Welt fliegt, dann wird das nächste Album vielleicht rosarot?

W: Natürlich nicht. Der Stil wird so bleiben, wie er ist, und es wird auch nichts rosarot werden in der nächsten Zeit. Wir haben versucht, für jeden was drauf zu haben. "Traute Berber" ist natürlich ein rosaroter Song, oberflächlich betrachtet, zum Abgehen und Party feiern.

MUM: Ist bei euch eine zweite Single geplant?

W: Ja, da drehen wir gerade das Video zu, das wird "Ich und du".

MUM: Spielt ihr Festivals im Sommer?

W: Ja, aber ich habe da jetzt keine konkreten Termine. "Rock am Ring" ist geplant, soweit ich weiß, und in Dortmund das "Spring Jam"-Festival mit Massive Töne und so, und in Frankfurt noch was.

MUM: Wie ist denn die Dortmunder Rap-Szene?

W: Sehr relaxt, da gibt es keine Feindschaften, wir verstehen uns alle sehr gut.

MUM: Habt ihr denn Connections zu anderen Bands?

W: Ja, zu Massive Töne haben wir Verbindung, und zu den Bands aus unserem Gebiet natürlich. Das entsteht aber jetzt auch alles erst so richtig, mit jedem Gig lernt man neue Leute kennen.

MUM: Ihr habt auch Verbindungen zum Wolf?

W: Er ist halt ein Kollege, er kommt aus Dortmund und man kennt sich, musikalisch hat das aber natürlich gar nichts miteinander zu tun.

MUM: Gäste habt ihr gar nicht auf der CD, oder?

W: Nein, Gäste wollen wir erst auf der zweiten LP drauf haben. Wir wollten jetzt erst einmal ein fettes Album mit den Tracks machen, die wir zur Auswahl hatten. Das waren so viele, da hatten wir, so doof sich das anhören mag, für Gäste gar keinen Platz mehr. Wir kamen mit unseren Liedern schon kaum zurecht, welche wir nun mit auf die Platte nehmen und welche nicht.

MUM: Packt ihr denn welche von den Songs, die nicht mit auf das Album gekommen sind, auf die Maxi-CDs?

W: Ja, wir haben zwei, drei Songs, die auf Maxis erscheinen werden.

MUM: Was hört ihr eigentlich so privat?

W: Ich bin mehr der Super-Reggae-Hörer. Atair hört auch Reggae, ist aber mehr an HipHop interessiert. Wir machen da keine Ausnahmen, HipHop und Reggae sind bei uns angesagt. Wir hören ansonsten aber auch alles, sind da sehr offen.

MUM: Vielen Dank für das Interview.

MUM: Mucke & Mehr
W: Whiteman von Koma Mobb

(Tobi)