CTS-MUM

Fünf Jahre nach seinem letzten Album "I'm Here" legt der Solokünstler Kuersche ein neues Album vor, "Chinese Firecrackers". Der Hannoveraner, den man aus dem Vorprogramm von Fury In The Slaughterhouse vor einigen Jahren kennen könnte, bleibt sich hierauf treu und präsentiert Liedermacher-Popsongs der netten Art, die man prima durchhören kann, mit einigen kleinen Ausflügen in rockigere Gefilde. Hierbei ist nicht, wie früher zumeist auf der Bühne, nur Akustikgitarre als Unterstützung der Stimme zu hören, nein, es erklingen komplette Arrangements mit allem, was dazu gehört. Mit "Welcome To Tomorrow" von ist eine gelungene Coverversion des Snap!-Dance-Hits enthalten - einer von vielen anständigen Songs, wobei aber kein Stück heraus zu ragen weiß oder sich spontan als Ohrwurm entpuppt. Wir führten per E-Mail ein Interview mit Kuersche.

MUM: Im Interview vor vier Jahren platzierten wir einen "Wo bist du?"-Suchruf a la "Nur die Liebe zählt", da du unbedingt eine kleine Blonde wieder sehen wolltest, die in Berlin in der ersten Reihe stand. Und, hat sie sich mal gemeldet?

K: Ja, sie hat sich gemeldet und wir sind seit dem verheiratet und haben drei Kinder. Nein, Quatsch, daran kann ich mich gar nicht erinnern. Wie das eben immer so ist...

MUM: Wenn ich das richtig sehe, hast du seit "I'm Here" kein Album mehr veröffentlicht. Warum hat das denn so lange gedauert, was hast du gemacht in der Zwischenzeit?

K: Ja, es gab seitdem kein Album mehr. Ich habe aber einige Veröffentlichungen gehabt, Singles, und einige Sachen, die im Radio liefen. Aber nix, was ein Hit wurde - leider. Die Trennung von meinem Ex-Label hat ein bisschen gedauert. So was geht dann immer nur mit Anwalt und hin und her. Danach ist auch (auch weil die große Kohle nicht mehr dahinter stand) einiges von meinem Umfeld weg gebrochen. Auf einmal steht man wieder alleine da und keiner kann was für einen tun - sagen sie. Es war eine schwere Zeit, keine Kohle mehr, keine Unterstützung. Ich war fast soweit, aufzuhören. Ich habe dann Oliver Mielke von der Entertainment Factory, eigentlich eine TV-Produktionsfirma, gefragt, ob er nicht mein neues Album finanzieren will. Eigentlich 'ne blöde, unrealistische Frage, dachte ich damals. Ich schickte ihm meine Demos und er fand sie super. Ich sollte sofort ins Studio gehen und die CD fertig machen. Er wollte sofort ein Label aufmachen. Das war alles total unglaublich.

MUM: Hast du noch Kontakt zu den Furys und gehst mal wieder mit ihnen auf Tour? Die aktuelle Platte von denen finde ich übrigens klasse.

K: Mit den Furys bin ich nach wie vor befreundet, hauptsächlich mit Reiner, Christof und Christian. Christian hat sogar einige Bass Takes auf meinem neuen Album eingespielt und hatte mich auch in der Vorproduktion unterstützt. Mit Reiner und seiner Frau machen wir ab und zu Badminton-Turniere, Kochduelle und so. Christof hat bei meinem letzten Special Birthday Concert in Hannover im März mitgespielt. Ich hatte sie gefragt, ob sie Lust hätten, mich auf ihrer letzten Tour mal wieder mitzunehmen, es hat sich aber nicht ergeben.

MUM: Dich interessiert sicher mehr die Meinung zu deinem Album - lässt sich locker flockig durchhören, finde ich wirklich nett, aber es ist nicht sonderlich innovativ - sollte es ja sicher auch nicht sein - und so einen richtigen Ohrwurm konnte ich bei zweimal Durchhören auch nicht entdecken. Bist du enttäuscht von dieser Einschätzung oder findest du sie okay?

K: Natürlich finde ich das nicht okay. Was ist schon innovativ, Ohrwurm und und und ... jeder versteht was anderes darunter. Also Leute, wenn ihr mir eine Chance geben wollt, überzeugt euch selbst, hört ins Album rein oder kommt auf ein Konzert!!! Mir kommt es bei Musik so vor, dass manche Leute einen gewissen Zugang zu einer Musik bekommen und manche eben nicht. Manchmal braucht man auch länger, um in so einen Kosmos einzudringen, und manche schaffen's eben nie. Die leben mit No Angels etc.. Es gibt Kritiken, bei denen ich sagen kann: 'Okay, an diese Schwachpunkte habe ich auch schon gedacht', 'Ich kann's nicht besser', 'Die Umstände waren eben so' oder sonst was. Ich sehe aber auch die Stärken meines Albums und wie es mich selbst immer wieder kickt, wo ich mir sage: 'Das wollte ich genau so und damit habe ich geschafft, meine Gefühle auszudrücken'. Jeder hat da andere Ansätze. Deine Meinung ist die Meinung eines Einzelnen. Ich habe mich daran gewöhnt, so etwas zu akzeptieren und mir nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen, genauso wie ich bei überschwänglichen Statements nicht alles so ernst nehme. Am meisten gefallen mir Äußerungen von Menschen, die sichtlich berührt von meiner Musik sind. Mit denen fühle ich mich emotional verbunden. Wir schweben dann auf der selben Wolke. Das rechne ich aber nicht mir persönlich an, sondern der Musik überhaupt, dass sie diese Verbindungen herstellen kann. Also hör du ruhig wieder Fury, weil die sind auch gut.


MUM: Haben sich die Inhalte deiner Songs verändert in den letzten Jahren, oder sind die Themen gleich geblieben?

K: Ich weiß immer mehr, was ich will und wie ich das umsetzen kann, deshalb wird meine persönliche Note auch immer stärker und ausgeprägter. Was ich auch immer musikalisch umsetze, wer mich kennt, wird diese Note raus hören, meine Persönlichkeit. Wer diese Vorlieben mag, wird auch immer meine Musik mögen. Das geht mir bei Musikern, die ich schon selber lange höre, genauso. Die Stimme von Sting z.B., und wie er Melodien formt, höre ich sofort heraus, und es gefällt mir schon lange, auch wenn andere Aspekte in seiner Musik mir heutzutage nicht mehr gefallen. Die Themen verändern sich genauso, wie sich mein Leben verändert.

MUM: Wo ist eigentlich deine Wollmütze abgeblieben, du bist ja oben ohne abgebildet?

K: Die Wollmütze ist in den ewigen Jagdgründen verschwunden. Dieses Image nervte irgendwann. Es war 'ne lustige Zeit, aber irgendwann ist es ja auch mal gut.

MUM: Du hast mit "Welcome To Tomorrow" einen Song von Snap gecovert, was ich gelungen finde. Warum gerade diesen? Gib's zu, du hoffst auf ein Duett mit Turbo B.

K: Ich hatte angefangen, für "Hit Radio Antenne" Coverversionen zu produzieren. Ich hatte die Idee, Danceversionen, Remixe von Danceversionen oder alles, was man darunter versteht, mal als Akustikversion zu bringen, einfach mal die Geschichte umzudrehen. Sonst werden immer alte Gitarrenstücke tanzbar gemacht (Red Hot Chilli Peppers, The Police, ...). Ich habe mir dann Songs raus gesucht, die zwar in diese Dancesparte gehören, aber dennoch für mich Substanz haben. "Horny" von Mousse T., "History" von Michael Jackson, "Together Again" von Janet Jackson und "Surburbia" von den Pet Shop Boys sind dabei als Akustikversionen entstanden. Mal was anderes, wie ich finde, und dabei hat es "Welcome To Tomorrow" bis auf mein Album geschafft, obwohl ich mich damit schwer getan habe. Es ist aber auch ein Tribut an Oliver Mielke, der das Album möglich gemacht hat.

MUM: Du gehst in Zukunft mit Band auf Tour, nicht mehr alleine. Warum? Nur weil sich ein Künstler jetzt "Der Junge mit der Gitarre" nennt und du Verwechslungen ausschließen willst?

K: Nach über 250 Sologigs hatte ich Lust auf einen Drummer, der Beat hat mir solo irgendwann gefehlt. Wir sind also nur zu zweit, werden aber klingen wie eine Band. Ich arbeite gerade daran, mit meinem PC auf der Bühne zu stehen. Dass das aber nicht nur sterile Computermucke wird, darauf kann man sich verlassen. Dafür habe ich auch zuviel Liveerfahrung und weiß, worum es mir live geht. Es ist aber mal wieder ein neuer Weg für mich und eine Herausforderung.

MUM: Was spielst du live noch so für Coverversionen?

K: "Suburbia" von den Pet Shop Boys. Da fragen viele Leute nach einer Aufnahme, die es leider noch nicht gibt. "Rearviewmirror" von Pearl Jam, das hat Power. "Under The Milkyway" von The Church, "Bring On The Night" von The Police, in der Kuersche-eigenen Version. Ich spiele aber höchstens zwei bis drei Coverversionen in meinem Liveset.

MUM: Momentan gibt es ja eigentlich in Deutschland nur ein Lied: "Es gibt nur einen Rudi Völler". Wie fandest du die WM?

K: Die WM war super. Es hat mir echt Spaß gemacht und ich freue mich auf die nächste EM und WM. Aber vorher gehe ich noch zu Hannover 96, die jetzt in der Bundesliga sind.

MUM: Welches sind deine Lieblingsstücke auf dem neuen Album, und warum?

K: Die Lieblingsstücke auf dem Album sind für mich immer andere. Ich mag natürlich alle. Was ich am meisten mag, ist dieses warme wohlige Gefühl, das ich bekomme, wenn ich das Album durchhöre. Viele sagen, es ist ein schönes album, und das finde ich auch.

MUM: Welche Platten anderer Künstler haben dich in letzter Zeit begeistert?

K: Notwist, Josh Rouse, Red Hot Chilli Peppers, Ezio.

MUM: Hey, da du ja von den gleichen Leuten betreut wirst - wie wäre es mal mit ein paar Konzerten von dir und Kieran Goss im Bündel? Das wäre doch was Feines, der kleine Ire ist doch echt der Hammer.

K: Ja, mal sehen, was sich da ergibt. Mit Julian Dawson habe ich schon zusammen gespielt.

MUM: Okay, das war's auch schon. Was möchtest du unseren Lesern noch mitteilen?

K: Hört in mein Album rein! Geht auf meine Homepage www.kuersche.de. Kommt mal zu meinen Konzerten! Vielleicht sind wir auf der selben Wellenlänge, dann können wir gemeinsam tolle Stunden verbringen.

MUM: Mucke & Mehr
K: Kuersche

(Tobi)