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Mesh sind eine der wenigen Konstanten für hochwertigen Elektropop. Wie die Vorabsingle "Crash" schon erkennen ließ, muss man sich bei Mesh keine Sorgen machen, dass sie ihrem Stil untreu werden, dem kommerziellen Erfolg hinterher rennen, vielleicht auch noch mit Coverversionen die Charts zu erobern versuchen. Lieber verzichten sie auf den großen Erfolg und machen weiter die Musik, die sie lieben und für die sie von den Fans geliebt werden. "We Collide" heißt das neue Album und enthält elf Stücke plus einen ruhigen, kurzen Hidden Track auf knapp über 50 Minuten. Meshs Stil muss man immer wieder gleich beschreiben - spannender Indie-Elektropop wird geboten, progressiv, tanzbar treibend und melodisch zugleich, und immer stark ausproduziert und mit ansprechenden Sounds arbeitend, ab und an auch mal mit E-Gitarren, ohne in Crossover zu verfallen. Von gut gemachten Midtempo-Balladen wie "No Place Like Home" oder "Room With A View" bis zu fetzigen Knallern wie "Crash" oder "This Is What You Wanted" haben Mesh alles zu bieten, was man von ihnen kennt und erwarten konnte. Die Kompositionen sind wieder gut, und Mesh klingen inzwischen auch gereifter und nicht mehr so stürmisch suchend wie früher - man erinnere sich an die starken Alben "Fragmente" und "Fragile", welche vielleicht noch einen Zacken aufregender waren damals, einfach weil Mesh Ende der 90er aus der großen Menge der Synthiepopbands plötzlich heraus ragten. Inzwischen erwartet man von ihnen nur Gutes, und sie gehen den auf dem 2002er-Album "Who Watches Over Me" eingeschlagenen Weg konsequent weiter, bringen einfach gute Synthiepop-Kompositionen mit modernem Sound und trotzdem viel Charme der frühen 90er. Nach wie vor sind Mesh eine der besten Elektropop-Bands unserer Zeit. Per E-Mail beantwortete uns Sänger Mark einige Fragen.

 

MUM: Warum mussten eure Fans lange vier Jahre auf ein neues Album warten?

Mark: Wir haben schon kurz nach der Fertigstellung von "Who Watches Over Me" angefangen, an diesem Album zu schreiben, das war aber wahrscheinlich ein Fehler. Eine Pause von allem war längst überfällig, und das offenbarte sich bald schon in der Langsamheit, mit der wir arbeiteten, und in unserem generellen Enthusiasmus. Wir waren lange dabei und ich denke wir brauchten einfach etwas Zeit, um einen Schritt zurück zu gehen und zu würdigen, wo wir stehen und was wir erreicht hatten, bevor wir wieder loslegen konnten. Wir mussten etwas Zeit mit unseren Familien verbringen und unser Leben ordnen – das kann ein zerreißender Job sein und der passt nicht so recht zu einem ‚normalen' Leben. Wir hatten außerdem einige Probleme mit Veränderungen bei unserem Label, und diese traten gerade in der Zeit auf, als wir nach unserer Auszeit das neue Material beendeten. Es ging hier vor allem um Schwierigkeiten mit dem Vertrieb und Label-Partnern, nicht um Konflikte zwischen uns und dem Label. Trotzdem es eine Weile dauerte, die Probleme zu beseitigen, arbeiten wir im großen und ganzen noch mit den selben Leuten zusammen wie bei "Who Watches Over Me". Ich denke, im Endeffekt tat uns die Pause gut, aber uns taten die Fans natürlich leid und wir entschuldigen uns für das lange Warten. Mit dem nächsten Album werden wir schneller sein…

MUM: Verglichen mit eurem letzten Album "Who Watches Over Me", welche Unterschiede seht ihr?

Mark: Das ist immer eine wirklich schwierige Frage. Wir haben mit allen Tracks lange zusammen gelebt und sehen alles als eine Fortsetzung dessen, was wir tun. "We Collide" enthält sicherlich unser stärkstes Material bislang, was das Songwriting und die Produktion betrifft. Es ist vielleicht generell ein aufregenderes Album als "Who Watches Over Me" durch die klarer ausdefinierten Sounds und die im Mix höher gesetzten Gitarren. Ich persönlich spüre mehr Emotion und mehr von uns selbst in diesen Songs als wir vorher in unsere Arbeit einbegracht haben, aber das liegt vielleicht auch daran, dass wir uns als Menschen verändern – es ist eine lange Zeit seit "Who Watches Over Me".

MUM: Was wollt ihr mit den Texten des Album ausdrücken?

Mark: Ich denke im Fokus der letzten CD stand das Unkontrollierbare, Dinge die uns passieren. Dieses Album handelt mehr von absichtlichen Beziehungen, Dingen die wir für uns oder anderen gegenüber tun. Diese Dinge, für die wir bewusst unseren Weg verlassen, um sie zu finden, oder die andere uns zufügen, ob wir wollen oder nicht. Diese Beziehungen sind explosiv oder brutal oder glücklich oder schmerzhaft. Dies ist eine Sammlung von Songs darüber, wie gemein Leute zueinander sind und wie weit sie gehen würden, um zusammen zu bleiben. Ich fühle mich mehr und mehr unfähig, zu verstehen, warum sich Leute gegenseitig das antun was sie tun, als Konsequenz davon, dass ich eine Familie habe und Menschen, die ich liebe. Aber diese Dinge kommen mir heutzutage immer mehr in den Kopf, und das wirkt sich auf die Texte aus. "We Collide" schien aus diesem Grund der perfekte Titel. "Some people meet. Some people collide."

MUM: Welches sind deine Favoriten auf "We Collide" und warum?

Mark: Meine persönlichen Favoriten sind "Can You Mend Hearts", "Step By Step" und "Petrified", obwohl wenn ich ehrlich bin keine Tracks auf der Scheibe sind, über die ich mich nicht freue. Ich liebe "Can You Mend Hearts" wegen des gefühlvollen Texts und seiner Einfachheit – das Stück löst in mir immer noch ein Gefühl aus, welches du bekommst, wenn du weißt dass ein Song für dich perfekt geworden ist, wenn er zu dem passt, was du bist. "Step By Step" macht wir wegen seiner Energie Spaß und weil ich es liebe, den Titel live zu spielen. Er funktioniert auch akustisch gut, man kann die Basis des Songs und seiner Struktur bestens auf der Gitarre spielen. "Petrified" ist einfach ein klassischer Mesh-Track und besitzt viel emotionale wie auch technische Tiefe. Das Stück klingt einfach toll und es ist auch persönlich, das funktioniert prima. Ich liebe alle die Songs, jeder von uns tut dies. Ich denke, dies ist ein Album, mit dem wir noch lange glücklich leben können.

MUM: Als ich euch im Konzert gesehen habe, habt ihr Klassiker wie "Trust You" und "You Didn't Want Me" ausgelassen, dafür mit B-Seiten wie "Soul" oder "Let Them Crush Us" in den Zugaben überrascht. Wie kam es dazu?

Mark: Auch hier denke ich, das Ganze hat was mit Weiterentwicklung zu tun und mit dem Versuch, etwas Neues zu tun, was sowohl uns als auch die Fans interessiert. Auf dieser Tour haben wir versucht, eine Mixtur aus neuem Material von "We Collide", einigen Tracks wie den B-Seiten, von denen wir wissen dass die Fans sie mögen, und einigen der Klassiker wie "Friends Like These", "Leave You Nothing", "People Like Me" oder "It Scares Me" zu spielen. Für eine gute Ausgewogenheit des Sets bringen wir auch ältere Songs wie "My Perfection", "Fragile" und "Is Nothing Sacred". Wir hatten viel Spaß mit diesem Set, das hat man sicher auch gesehen.

MUM: Es war für mich etwas überraschend, dass das Publikum in Köln die neuen Songs wie "Step By Step" und "Petrified" mehr feierte als Klassiker wie "Fragile" oder "Is Nothing Sacred?". Habt ihr Gleiches auch in anderen Städten erlebt, und glaubt ihr, dass die neue Scheibe euch viele neue Fans beschert hat?

Mark: Um ehrlich zu sein war dies eine Überraschung. Bei jedem Konzert war es das Gleiche, das Publikum war zahlreicher und die Leute kannten das neue Material von "We Collide". Ich glaube, wir haben bemerkt, dass mehr Leute die Texte mitsangen als wir zu dem Zeitpunkt Alben verkauft hatten, das ist der einzige Nachteil (lacht). Wir haben immer gespürt, dass es für uns mit jedem Album weiter voran geht und natürlich gehofft, dass es auch diesmal wieder so sein würde. Die Tour brachte uns in jeder Hinsicht mehr Erfolg als die zu "Who Watches Over Me" und hat uns genau den benötigten Auftrieb gegeben. Vier Jahre Abwesenheit ist eine lange Zeit, so kann es nur ein positives Signal für die Zukunft sein, wenn du zurück kommen kannst nach all der Zeit und merkst, dass sich die Leute immer noch für dich interessieren.

MUM: Ich bin schon seit euren Anfängen ein Fan eurer Musik und froh, dass ihr konstant gute Musik in eurem eigenen Stil erschaffen habt, im Independent Progressive Elektropop. Andere Bands wie De/Vision hatten einige dürftige Veröffentlichungen im Laufe der Jahre, was eine Achterbahnfahrt für die Fans war, und eine Band wie Apoptygma Berzerk, die ich auch stets mochte, enttäuschte mich jetzt sehr mit ihrem neuen Material und dem kommerziellen Weg mit einer Cover-Version und Stiländerungen für mehr Erfolg. Kann ich als Fan weiter an Mesh glauben, dass ihr also euren Stil nicht nur für mehr Charterfolg ändern werdet in der Zukunft und auch nicht mit armen Coverversionen kommt?

Mark: Es ist schwierig, die Gründe anderer Bands zu kommentieren, warum sie die Songs schreiben, die sie machen. Manchmal ist es nicht so schwer nachzuvollziehen, warum Bands sich verändern, wenn sie in einer Sackgasse angekommen sind oder nicht das tun, was sie eigentlich wollen. Manchmal ist es Veränderung oder Tod – das was man liebt komplett zu verlieren oder es den Wünschen des Labels entsprechend zu verdrehen – auf diese Art und Weise klammert man sich zumindest an etwas, was man gerne tut. Ich finde wirklich, dass das Apoptygma Album das beste ist, welches ich seit langem gehört habe, aber ich kann verstehen warum einige Fans es wahrscheinlich nicht mögen. Mich hat es umso mehr zum Fan gemacht – das neue Album klingt so, wie sie schon immer live geklungen haben. Ich denke, wir werden weiter das tun, was wir immer getan haben. Wir haben dieses Mark'Oh-Ding mit "Waves" gemacht und es war eine Lehrstunde für uns. Wir hatten zwar Spaß an dem Erlebten, aber es war irgendwie ungemütlich an einen Punkt zu gelangen, bei dem du gefühlt hast, dass du nicht durch deinen Glauben in Musik hierher gekommen bist. Dorthin wollen wir nicht nochmal kommen.

MUM: Ihr hattet schon für "Who Watches Over Me" darüber diskutiert, mit Gareth Jones zu arbeiten, aber vor ein paar Jahren hat sich dies nicht ergeben. Nun habt ihr mit ihm aufgenommen. Seid ihr komplett zufrieden mit dem Ergebnis, und was unterscheidet Gareth im Vergleich mit anderen Produzenten?

Mark: Gareth war eine Inspiration und es war eine Freude, mit ihm zu arbeiten. Wir hatten einige Berührungsängste, vor allem auf Grund seiner engen Verbindung zu Depeche Mode, aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und solche Vorurteile reflektieren nicht wirklich seine Arbeit. Ich denke, dass unsere Entscheidung, für die letzte Scheibe mit Peter Schmidt zu arbeiten, genauso richtig war wie die, jetzt mit Gareth für "We Collide" zu arbeiten. Peter hatte an einem sehr elektronischen Album zu arbeiten, während Gareth viel mit Indie-Gitarrenbands in diesen Tagen gearbeitet hatte, und das war die Mischung, die uns für dieses Album interessiert hat, etwas mehr zu experimentieren und einen aufregenderen Sound zu bieten. Er steht immer noch an der vordersten Front der Technologie und hat eine Fülle an Erfahrungen, nach denen die meisten Produzenten nur streben können.

MUM: Was sind eure nächsten Pläne mit Mesh? Beginnt ihr schon mit Arbeiten an neuem Material um die Fans nicht wieder vier Jahre warten zu lassen?

Mark: Wir haben bereits damit begonnen, neue Demos aufzunehmen, also wird es diesmal keine lange Wartezeit, da bin ich sicher. Es gibt einen neuen Enthusiasmus in der Mesh-Zentrale der glaube ich weiter anhalten wird. Wir hatten unsere Auszeit vor diesem Album und als Konsequenz haben wir eine neue Balance in unser Leben gebracht, welche gut zum Bandleben passt und uns erlaubt, in angemessenem Tempo zu arbeiten. Wir haben nichts, was wir abgesehen von Mesh tun müssen, keine Kollaborationen oder Seitenprojekte im Moment. Vielleicht machen wir ein paar Remixe, aber weil es uns Freude bereitet, nicht wegen des Geldes. Wir würden gerne nach Amerika gehen, aber wir werden abwarten, was sich dort ergibt – es ist eine große Verpflichtung und du brauchst gute Leute, die für dich arbeiten, wenn du vermeiden willst, einen großen Teil deines Lebens zu verschwenden.

MUM: Welches sind die drei besten Alben der letzten zwölf Monate für dich, welches die enttäuschendsten?

Mark: Die besten sind "Apoptygma Berserk: You And Me Against The World", "Hard-Fi: Stars Of CCTV", "Madonna: Confessions On A Dance Floor", "Morrissey: Ringleader Of The Tormentors" und "Kaiser Chiefs: Employment" – oh, sorry, das waren fünf. Enttäuschungen … keine Ahnung, ich habe lange nichts gekauft, was ich nicht auch haben wollte.

Neil: Meine Favoriten sind "Madonna: Confessions On A Dance Floor", "Apoptygma Berserk: You And Me Against The World" und "Keane: Under The Iron Sea". Dank der Power von iTunes höre ich immer erst in Alben rein, wenn ich Zweifel habe, daher habe auch ich nichts Enttäuschendes gekauft. Aber wenn ich das Gnarls Barkley Album gekauft hätte, wäre ich enttäuscht gewesen.

MUM: Mark, ist es während der Konzerte nicht irre heiß unter deiner Wollmütze? Trägst du sie eigentlich auch im Alltag?

Mark: In der Tat ist es heiß, aber hey, no pain no gain (kein Schmerz kein Gewinn) wie Beavis und Butthead immer gesagt haben. Ich bin nicht so sicher, was der Gewinn ist in diesem Fall, aber ich denke die Mütze ist eine Art Markenzeichen von mir geworden. Ich rasiere meinen Kopf inzwischen völlig kahl, daher sehe ich im normalen Leben also anders aus – meistens ist mir kalt. Ich erinnere mich, wie Moby mal gesagt hat, dass die Welt voll von unscheinbaren kleinen Männern mit kahlrasierten Köpfen ist, die alle gleich aussehen. Das ist es vermutlich, was ich daran mag.

MUM: Interessierst du dich für Fußball und freust dich auf die WM in Deutschland? Was meinst du, wer wird Weltmeister?

Mark: Nun, da wir so lange gebraucht haben, dieses Interview zu beantworten, ist die WM schon in vollem Gange. Ich würde England gerne eine gute Chance zusprechen, aber unser Starspieler Rooney ist immer noch verletzt, daher sieht es nicht so gut aus. Die Brasilianer machen wieder einen guten Eindruck, mein Geld würde ich auf sie wetten. Und es ist gut, Amerika wieder dabei zu haben – sie müssen sich meines Erachtens noch mehr in diese Weltsportart rein finden.

Mehr Informationen zu Mesh findet man auf www.mesh.co.uk.

MUM: Tobi