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Ein neuer Stern am Elektro-Himmel ist in den vergangenen Monaten aufgegangen - der Schotte Myles MacInnes hat als Mylo eine der besten Dance-Scheiben der vielleicht sogar letzten Jahre vorgelegt. "Destroy Rock 'n' Roll" heißt sein Longplayer, doch wer will hier überhaupt den Rock 'n' Roll zerstören? Aufgewachsen in Skye, eines der entlegensten Ecken Nordeuropas, konnte MacInnes nicht sehr wählerisch mit seinen Musikeinflüssen sein. "Wir hatten hauptsächlich Atlantic 252. Es war diese Art von Soft-Rock-Radiosender. Wir glaubten alle, dass es von einem treibenden Boot auf dem Atlantik gesendet wurde. Das stimmt wahrscheinlich nicht. Ich weiß gar nicht wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat. Trotzdem ist es eine nette Vorstellung – ich hab mir immer diesen riesigen Öltanker vorgestellt der durch die Meere geschleudert wird, völlig leer, außer diesem einen DJ in stonewashed Jeans, oben, mit seinen Platten." Musik begleitete ihn auch noch weiter als er die Insel verließ und zur Oxford University ging. "Ich glaube ich hörte zu der Zeit hauptsächlich Speed Garage und second hand Platten" erinnert er sich. "Was sonst? Eine richtige Mischung: alles, von Sqarepusher bis Serge Gainsbourg und Daftpunk bis Kraftwerk." Einige Jahre später, nahm er ein Stipendium in Kalifornien an, um Philosophie zu studieren. "Das war eine tolle Zeit," sagt er wehmütig. "Ich hatte diesen alten VW Scirocco und eine Menge Zeit herum zu fahren und Radio zu hören. Da ist dieser Vibe von West Cost Music, sie leben wirklich im Paradies aber sie sind immer noch völlig durch, und das kann man aus allem heraushören, von Randy Newman bis Dr. Dre." Nach einem Jahr entschied er sich eine Pause zu machen, nach Hause zu fahren und selbst Platten zu produzieren. Bei Einflüssen vom siebziger Jahre Produzenten Steely Dan und achtziger Softrocker Toto bis hin zu denen aktueller Produzenten wie Akufen und Chicken Lips, verwundert es nicht, dass die Ergebnisse so überwältigend sind. "Ich weiß nicht viel über Genres" gesteht er. "Für mich ist eine gute Platte eine gute Platte, und das war's" 2001 zog er nach Glasgow. "Die Dinge kamen ziemlich schnell ins Rollen. Ich verschickte meine ersten Demos und bekam sofort ein paar Angebote." Nachdem er sich die Deals genau angeschaut hatte, entschied er sich für einen Alleingang, und mit der Unterstützung von ein paar Freunden entstand Breakfast Music. Seither gab es eine überwältigende Resonanz. The Face beschrieb ihn als die "schottische Antwort auf Royksopp", NME erklärte ihn zu jemanden, auf den man 2004 achten müsse. Die Singles, die der aufrührerischen Debütsingle "Destroy Rock'n Roll" folgten, landeten auf den Playlisten und bekamen Unterstützung vom Radio (von Pete Tong bis Mary Hobbs), genau wie eine gewaltige Clubaufnahme (Erol Alkan, Tiga, Laurent Garnier, X-Press 2, Freeform Five um nur einige zu nennen). X-Press 2 und Freeform Five mochten "Muscle Cars" sogar so sehr, dass sie einen Remix davon machen wollten. For free! Hier noch einmal unsere Rezension des Debütalbums:

 

Der Schotte Myles MacInnes alias Mylo veröffentlicht mit "Destroy Rock & Roll" zwar sein Debütalbum, hat sich aber unter DJs und Elektro-Fans schon längst als Geheimtipp herum gesprochen und mit "Drop The Pressure" die Clubs gerockt. Wobei gerockt das komplett falsche Wort ist, denn dem Albumtitel getreu geht es nicht rockig, sondern elektronisch zu. Mylo verbindet sphärische Flächensounds und virtuos angerichtete Basslinien mit abwechslunsgreichen Beats und guten Melodien sowie kleinen Songsamples zu zumeist instrumentalen, manchmal mit Sprachsamples oder Spoken Words aufgerüsteten Perlen. Diese sind mal chillig, mal tanzbar, zumeist beides gleichzeitig. Lediglich beim Titeltrack des Albums scheiden sich sicherlich die Geister - hier liest ein Fundamentalist eine Liste von seiner Meinung nach eher unwichtigen Musicacts vor, dazu gesellt sich nach und nach Musik - die einen finden das Stück großartig, auf andere wirkt er sicher nervig. Hiermit ist er aber eine große Ausnahme, denn der Rest des Albums begeistert sicherlich alle Freunde elektronischer Tanzmusik. Hierbei kann man gar nicht mal Songs heraus heben, ohne anderen Unrecht zu tun - ein durchweg tolles Album!
(9 von 10 Punkten)

Grund genug, ein eigenes Interview mit Mylo zu führen, während die Zitate oben aus dem Info des Labels stammen:

MUM: Wie begann deine Songwriter Karriere?

Mylo: Als ich jünger war, gab es bei uns zu Hause immer ein Klavier und eine Gitarre, so hatte ich die Möglichkeit mir selber einiges beizubringen. Mit dem Songschreiben habe ich erst 2001 begonnen, kurz nachdem ich aus den USA wieder nach Schottland gezogen bin. Aber ich sehe die Tracks auf dem Album nicht wirklich als Songs, eher als….Tracks.

MUM: Welche Instrumente spielst / beherrschst du?

Mylo: Klavier (& Synthesizer, etc.), Gitarre, Bass, Schlagzeug, Akkordeon, Trompete, Dudelsack.

MUM: Hast du vorher eigentlich als DJ gearbeitet?

Mylo: Eigentlich wollte ich nie ein DJ sein, bis ich vor einem Jahr damit anfing – mittlerweile liebe ich das Plattenauflegen.

MUM: Wie geht bei dir das Songschreiben vonstatten – startest du einfach mit einem Sample, einer Textzeile oder einem Gefühl?

Mylo: Viele Tracks auf diesen Album begannen mit einem Sample oder durch Kombination verschiedener Samples. Es ist eigentlich ein sehr guter Weg, eine Produktion zu starten. Neuerdings setze ich mich allerdings mit viel viel Kaffee und einem Instrument hin und schreibe Tracks.

MUM: Vorausgesetzt, dass ich sorgfältig dein Album angehört habe: du hast einige Samples älterer Songs benutzt (Prince / Kim Carnes) – bevorzugst du ältere Songs einfach oder warum hast Du sie ausgewählt? Die meisten jüngeren Fans kennen weder die Songs noch die Interpreten!

Mylo: Die meisten Samples habe ich auf Platten gefunden, dich ich auf Wohltätigkeitsbasaren rund um Glasgow erstanden habe. Viel Easy Listening und Soft Rock. Ich wollte einige Dinge nutzen, die gerade nur so bekannt sind, dass sie den Zuhörer immer ein bisschen am Rande des Erkennens zappeln lassen. Ich wollte aber nie die Hooks anderer Interpreten als eigene ausgeben. Ich habe mir meine Zuhörer zumindest gleichaltrig vorgestellt…

MUM: Wie wählst du deine Samples aus?

Mylo: Hauptsächlich "trial and error", außer bei den Samples im Track "In my arms", die ich tatsächlich im Voraus geplant habe.

MUM: Wie kommt es, dass du diese älteren Songs überhaupt kennst? Soviel ich weiß, bist du 24!

Mylo: Sorry – die PR Biografie ist nicht wirklich aktuell – mittlerweile bin ich 26. Ich habe als Kind und Jugendlicher rund um die Uhr Radio gehört, daher kenne ich natürlich auch die eingeflossenen Songs.


MUM: Wie wichtig war für dich die Zeit in Übersee?

Mylo: Schwer zu sagen, wirklich…. nun ich glaube nicht, dass ich in Oxford viel über Musik gelernt habe. Aber dann in Kalifornien hatte ich viel Zeit mich treiben zu lassen, ich bin viel herumgefahren und habe dabei die guten alten Radiosender gehört. So habe ich zu vielen Bands gefunden wie z.B. Blue Oyster Cult und andere.

MUM: Welche Musik hörst du dir denn privat so an?

Mylo: Alles – von Bob Dylan über Steely Dan bis hin zu neuer elektronischer Musik auf Vinyl, z.B. Dominik Eulberg, Get Physical Records. Die beste neue Tanzmusik kommt übrigens echt aus Frankreich und Deutschland.

MUM: Es ging mal das Gerücht, du seist von Label zu Label gezogen, um mit Deinem Album unterzukommen. Allerdings war keines der Label interessiert bzw. wollte dir genügend künstlerische Freiheit garantieren oder aber genügend zahlen. So hast du dich angeblich kurzerhand entschlossen, ein eigenes Label aufzubauen. Ist das richtig und wie hast du das hinbekommen?

Mylo: Richtig, aber nur halb: Anfang 2002 habe ich einige Demos versendet und bekam auch prompt interessierte Rückmeldungen einiger Londoner Labels. Sie hielten mich allerdings einige Monate hin, zudem gab es Probleme mit der Freigabe eines Samples. Ich wurde ungeduldig und nahm das Angebot von zwei Bekannten aus Glasgow an, das Album stattdessen auf einem neugegründeten Label zu veröffentlichen. Es ging nicht wirklich um künstlerische Freiheit oder die Höhe der Bezahlung für das Album.

MUM: Werdet ihr weitere Künstler auf diesem Label veröffentlichen und wenn ja, welche?

Mylo: Wir haben bereits sagenhafte Alben von Linus Loves - er ist einer der Partner beim Label. Aber wir wollen sicherlich das Portfolio schnellstmöglich erweitern. Sendet uns Eure Demos!

MUM: Wirst du Songs / Tracks für andere Künstler produzieren oder schreiben?

Mylo: Das würde ich sehr gerne machen. Leute wie Richard X und Jacques lu Cont befinden sich in einer sehr angenehmen Position, sie arbeiten weitestgehend freischaffend und unabhängig und sind so in der Lage, zwischen ihren eigenen Projekten (Produktion / Re-Mixe erstellen / Platten auflegen als DJ) zu springen und sich auch als Produzenten / Schreiber von anderen Künstlern anwerben lassen.

MUM: Wusstest du, dass der Vertrieb deiner CD außerhalb UK sehr dürftig war? Als ich versucht habe, eine CD zu kaufen, musste ich mehr als drei Monate darauf warten.

Mylo: Tut mir leid, das zu hören! Wenn ein Album auf einem sehr kleinen unabhängigen Label zunächst nur lokal erscheint, ist es meist sehr schwer, es in einem anderen Land zu bekomme Du hättest es stattdessen auch über das Internet versuchen können? Egal – wir haben jetzt einen Vertrag mit Superstar für Deutschland – so wird es für jedermann verfügbar sein.

MUM: Wirst du dein Album live aufführen – und wenn, wie wird das aussehen - mit Band?

Mylo: Ich habe eine angemessene Liveshow für das Album arrangiert – es werden insgesamt drei Personen auf der Bühne performen – ein Bassist, ein Gitarrist natürlich viel Synthesizer und einige Samplemaschinen.

MUM: Interview von Kai, Intro und Rezension von Tobi


Mehr über Mylo gibt es auf seiner Website.