CTS-MUM

P.O.D. sorgen derzeit für Furore. Mit ihrem neuen und zweiten Album "Satellite" waren P.O.D. nicht nur sechs Wochen in den Top 10 der US-Charts, sondern verkauften ausserdem mehr als eine Million Alben (Platin) innerhalb von vier Wochen - jetzt stehen sie kurz vor Doppelplatin (also zwei Millionen verkauften Alben). Bei uns erscheint das Album dieser Tage, früher als eigentlich geplant, nachdem die Single "Alive" richtig gut läuft. Kein Zweifel, mit "Satellite" werden sich P.O.D. auch bei uns bekannt rocken, stimmt die Mixtur auf der Scheibe doch richtig gut. Bei Stücken wie "Youth Of The Nation" kann man hymnenhaft mitsingen, kurze Zwischenparts wie "Celestial" sorgen für chillige Entspannung, "Boom" fetzt genau so, wie es der Titel erwarten lässt, "Alive" hat eine Ohrwurmmllodie, "Ridiculous" greift Reggae auf (kein Wunder, ist er doch zusammen mit Eek-A-Mouse aufgenommen worden), "Without Jah, Nothin'" ist brachialer Punk (mit H.R. von den Bad Brains) mit einem Schuss Reggae... Fazit: Abwechslung und Power pur. Auch wenn P.O.D. wie Korn oder Limp Bizkit ebenfalls im Nu Rock angesiedelt sind, gibt es die Jungs schon etwas länger, und was sie vor allem unterscheidet, sind durchweg positive Texte, die ihren Ursprung zum Teil im christlichen Background der Band haben. Dieser Background war der Band aber nicht von Natur aus gegeben. Vielmehr waren ihre Eltern bekannte Drogenbarone. Erst durch ein Massaker im engeren Umfeld wurden P.O.D. bekehrt und bringen ihre Message jetzt stimmig und straight, aber ohne Zwang und Mief an den Mann. Das folgende Interview mit Frontmann Sonny (und ganz zum Schluss auch Marcos und Tara) beleuchtet die für Rocker ungewöhnliche Aura der Jungs näher.


FRAGE: Von der Homepage über den Titel der CD bis zum Artwork scheint hinter "Satellite" ein Gesamtkonzept zu stecken. Wie kamt ihr darauf?

S: Nun, wir hatten eine Art Konzept zum CD-Cover, bevor wir den Titel zum Album überlegten, und "Satellite" ist einer der Songs auf der Scheibe. Weil das letzte Album so ein Zungenbrecher war, dachten wir uns, mir halten das diesmal simpel mit einem Wort nur als Titel. Wir hatten einige Fotos für das Album gemacht und waren der Meinung, dass einige der Songs, die wir schrieben, so eine gewissen Atmosphäre hatten, also haben wir es einfach "Satellite" genannt.

FRAGE: Auf dem letzten Album sah alles ein wenig surrealer und spaciger aus, oder?

S: Richtig, für die letzte Scheibe hatten wir einen Künstler draußen am Venice Beach, der das für uns gemalt hat, und wir wollten keine Fotos verwenden, daher haben wir uns diesmal überlegt, wir machen das genaue Gegenteil und nehmen ein Foto, nur um was anderes zu machen.

FRAGE: Wie sieht denn der Planet P.O.D. nun aus, ist es ein besserer Ort als die Erde?

S: Ich möchte das hoffen, definitiv. ich würde sagen, unser Planet ist voller Liebe und positiven Leuten, die sich gegenseitig lieb haben - das ist die Welt, in der wir leben wollen.

FRAGE: Ein idealer Zustand für euch?

S: Ideal? Ich denke schon. All der Musik, die wir geschrieben haben, ist für uns ideal, wir wollten sie so schreiben, für uns, um uns gut zu fühlen, ob nun hart oder soft. Wir wollten alles raus lassen, was wir im Kopf haben, und in den letzten zehn Jahren hören uns die Leute auch mehr zu, weil die Texte positiv sind, ehrliche Texte über Liebe und Hoffnung. Dort kommen wir her, so sind wir aufgewachsen, sowas haben wir gesehen, also bringen wir das straight rüber, wir heulen nicht rum oder beklagen uns.

FRAGE: In der Vergangenheit waren eure Texte sehr therapeutisch, jetzt scheinen sie noch viel positiver. warum?

S: Unsere Musik-Genre ist immer noch das gleiche Chaos, es ist immer das Gleiche, besondern mit harter Musik, da geht es immer um Sex, Drogen und Rock 'n' Roll. Wie ich aber schon ansprach, es steckt mehr im Rock 'n' Roll als Pathos und Beklagen, was die Leute aber anscheinend hören wollen in diesen Zeiten. Für uns ist dies aber nicht das, was wir erlebt haben, wir flennen nicht rum, wir machen das anders. Wir wollen nicht stehen bleiben, sondern immer voran gehen, weiter machen. FRAGE: Und das verkauft ihr nicht nur so, als Maske?

S: nein, wir sind so ehrlich wie nur möglich. Wir sind auf der Bühne genau so wie privat. Wir schauspielern nicht, wir gehen einfach raus, spielen die Musik, die uns am Herzen liegt, und danach hängen wir mit den Kids rum und reden über das, was im Leben so passiert. Wir reden dann nicht mal über Musik oder das neue Album, sondern über das Leben, normale Dinge, alltägliche Sachen. Ich bin zu Leuten lieber natürlich, als dass sie sagen: "Oh, das ist Sonny, der ist bei P.O.D., ein Rockstar". Nein, so bin ich nicht.

FRAGE: Da draußen gibt es genau so viele falsche Satanisten wie falsche Christen.

S: Oh ja, besonders im Entertainment-Bereich, ob es nun Film, Kunst, Musik oder etwas anderes ist. Viele sehen das nur als Industrie und verkaufen sich anders, als sie sind. Wir haben unseren Glauben nie als Marketing-Hilfe benutzt, weil uns das auch in eine Schublade gesteckt hätte, und dort wollen wir nicht hinein. Wenn die Leute sagen würden "Das ist die christliche Art einer Band", dann würde uns das einschränken auf Leute desselben Glaubens. Wir schreiben aber Musik für jeden, der sie hören möchte, das sind einfach wir, P.O.D., wie wir sind, woran wir glauben, was uns hilft - aber das wollen wir den Hörern nicht aufzwängen. Die Leute reden da viel drüber, aber das stört uns auch nicht, weil wir eben daran glauben. Ich spreche da mit jedem drüber, der das will, aber ich denke, das ist nicht die Norm in diesem Musik-Genre.



FRAGE: Ihr müsst aber gewohnt sein, missverstanden zu werden, oder?

S: Ja, von beiden Seiten, von den Christen, denen wir nicht christlich genug sind, und von denen, für die wir zu christlich sind. Wir versuchen aber gar nicht, besonders religiös zu sein, wir sind einfach, wie wir sind.

FRAGE: Ihr wurdet von Anfang an als Metal-Band gesehen, die ihr ja anscheinend gar nicht seid,

S: Ja, aber jeder hat eben eine Kategorie für dich, ob Rap-Rock, Rap-Core, Rap-Metal, Nu-Rap oder Nu-Rock. Früher haben sie uns mit Suicidal Tendencies verglichen, oder mit Body Count, weil Ice-T Rapper war und dieses Punkzeug gemacht hat. Als Rage Against The Machine kamen, da hieß es: "Hey, die Jungs klingen wie Rage Against The Machine", dann "Oh, ihr klingt wie Korn", dann "Oh, ihr seid wie Limp Bizkit", was auch immer. Nächstes jahr kommt sicher jemand Neues, ein Newcomer über Nacht, und dann klingen wir wie die. Weißt du, wir machen einfach unser Ding.

FRAGE: Es heißt, ihr würdet lieber mit U2 vergleichen werden als mit einer Metal-band. Ihr habt auch längere Zeit einen U2-Song gespielt, "Bullet In The Blue Sky", oder?

S: Ja, wir spielten das anfangs nur für uns, ob nun live oder beim Proben, Soundcheck oder so - das machten wir zum Spaß. Dann hörte ein Produzent das und meinte, das würde sehr cool klingen und wir sollten es mit auf ein Album packen. Wir wollten es aber nie verwenden, um uns hierüber bekannt zu machen, als Single oder so. Genauso ist es mit Eek-A-Mouse und H.R. auf unserem neuen Album. es ist einfach eine Ehre für uns, so tolle Musiker mit auf der Scheibe zu haben. Im Punkrock und Reggae waren sie immer Legenden ihrer Zeit, die wir gehört haben, als wir Kids waren. Sie haben uns inspiriert und wir hören heute noch ihre Alben, also wollten wir sie sicher nicht auf dem Album haben, um mehr Platten zu verkaufen, die Kids heute kennen sie nämlich größtenteils sowieso nicht. Wollten wir mehr Platten verkaufen, dann hätten wir uns jemanden als Gast gesucht, der viel im Radio läuft und jetzt populär ist. Das wollten wir aber nicht, denn mit ihnen sind wir nicht aufgewachsen, sondern mit Bad Brains, Eek-A-Mouse und so.

FRAGE: Mit H.R. im Studio zu sein, muss eine Erfahrung gewesen sein, oder?

S: Ja, er ist irgendwie auf einem eigenen Trip. Wir haben uns vorher getroffen und haben zusammen rumgehangen, er ist ein toller Typ. Er braucht seinen Platz, den haben wir ihm auch gelassen. Er kam und sah irgendwie aus wie Haile Selassie, war total ruhig, und wir wussten nicht, dass er auch wirklich bei einem Song spielen würde - wir hatten ihn einfach eingeladen, mal vorbei zu schauen und sich den Song anzuhören. Wir hatten ihn nicht mal fertig, mit Rough Cuts und so, aber er meinte: "Ich will das machen, ich will es jetzt machen". Wir meinten nur, dass wir nicht mal den Text hätten, und er sagte, wie sollten ihm einfach das Thema andeuten. Dann ging er rein und machte fünf Takes, den besten haben wir dann genommen und ausgearbeitet. Weißt du was, er hat seine eigenen Vögel mitgebracht, im Käfig. Ich habe mich anfangs hingesetzt und mich mit ihm unterhalten, aber die Vögel nicht bemerkt, und ich dachte, wir hätten irgendwie die Tür offen und ein Vogel wäre rein geflogen, also sagte ich "Wessen Vogel ist das?". Sein Manager antwortete: "Das sind die von H.R.", ging aus dem Weg, und hinter ihm saßen zwei Sittiche im Käfig. Ich habe da nichts mehr gefragt, das war mehr auf der Basis "Okay, du machst dein Ding, es gibt bestimmt einen Grund dafür. Ich will es gar nicht wissen."

FRAGE: Ihr scheint jeden Musikstil zu mögen bis auf Country. ist das die Grenze?

S: Ja, ich bin wirklich kein Country-Fan, das heißt aber nicht, dass ich noch nie einen Country-Song gemocht habe. Wir waren immer Fans von Reggae, HipHop oder allem von Jazz bis Punkrock und Old School Metal. Marcos ist ein großer Fan von Old School Metal. Als wir zusammen fanden, da wollten wir all unsere Vorlieben verschmelzen, ohne die zu erzwingen. Vor zehn Jahren war das noch nicht sehr verbreitet wie heute, wo es dutzende von Bands gibt, die Rap und Rock kombinieren.

FRAGE: Ist Musik ein Mischtopf?

S: Wir nehmen jeden Typ von Musik aus allen Kulturen in uns auf. Weißt du, wir kommen aus einer Grenzstadt in Mexiko, wo es von Mexikanern über Phillipiner bis zu Schwarzen, Weißen, Asiaten du Insulanern alles gibt, und wir sind eine Gemeinschaft. Als ich aufwuchs, gehörten alle Farben der Welt zu meinen Freunden, und wir waren alle Brüder. Wenn du in ihre Häuser gegangen bist, hast du andere Kulturen in dich aufgenommen. Wir kamen aus einer Gegend, in der es viel Rap gab, und hier gab es viel Rock, und dort Mexican Salsa Ranchero-Typ der Musik, und hier Punkrock - also hat sich alles vermischt, wir haben alle zusammen rumgehangen.

FRAGE: Ist ein Songtitel "Alive" von einer Band, die P.O.D. heißt, nicht reine Ironie?

S: Genau, aus der Sicht, dass wir "Payable On Death" heißen. Aber der Name ist schon zehn Jahre alt und war damals sehr hart, aber der Name bedeutete auch Leben für uns. es geht nicht um Tod, sondern um Zorn. FRAGE: Ihr habt den Song "Ghetto", der im Grunde aussagt, dass man in Frieden zusammen leben kann, wenn man sich respektiert, egal, welcher Religion man angehört.

S: Nun, ich glaube wirklich an die Liebe, dass Gott die Liebe ist, egal, ob du anders bist, eine andere Kultur hast. Ich hoffe, jeder weiß, wie es ist, zu lieben und geliebt zu werden, ob von Mutter und Vater, oder von einem Partner.

FRAGE: Wenn man auf die neunjährige Bandgeschichte zurück schaut, ist das neue Album dann ein Meilenstein, der euren Stil manifestiert?

M: Ich würde fast ja sagen. es ist auf jeden Fall etwas, was die Leute verstehen können. Es hat Melodie, gleichzeitig aber ist es hart, ist Heavy, Punk, Gefühl. P.O.D. nehmen immer von vielen Stilen jeweils das Beste. Du hörst New Wave oder Punk, und immer findest immer etwas, was du in anderer Musik nicht findest. Wenn wir das verstehen, dann können wir es in unseren Sound einbringen, weil ich das Gefühl des Punks liebe, des HipHop, des Soul.

T: Ich würde sagen, dass dies definitiv unsere ehrlichste Platte ist, weil uns die Möglichkeit gegeben wurde, uns Zeit zu lassen und alles zu bekommen, was wir für die Scheibe brauchten. Wir hatten den vollen Rückhalt seitens des Labels.

M: Und wir leben den Satz "Don't forget to rock" der Scheibe. Leute verstehen Jazz und Reggae, aber was die Massen bewegt ist Rock 'n' Roll, und wir haben alles gemacht, softere Sachen, verschiedene Stile, verschiedene Emotionen, aber wir rocken immer noch und ich denke, mit diesem Mix aus Rock und anderen Elementen hast du ein Monster. Wir sind bereit, Deutschland zu erobern, wir sind bereit.

S: Sonny
M: Marcos
T: Tara

(Tobi)