CTS-MUM
Rinderwahnsinn (01/01)


Im Spätherbst 2000 erschien mit "Kampf der Welten" das vierte Album von Rinderwahnsinn aus Frankfurt. Gitarrist Aren kennt man auch als Frontmann von Harmful, bei dieser Formation wird er von Simon (Gesang), Chris (Bass) und Tim (Drums) umgeben. Ob nun der ehemalige Drummer Christian stets nackt hinter seinem Kit saß oder ob man (die damals allerdings noch unbekannten) Korn supportete - ein Durchbruch konnte Rinderwahnsinn in den bisherigen sechs Jahren nicht gelingen, wohl auch bedingt durch Pech mit der Labelwahl (ZYX, Semaphore) und Line Up-Wechseln. Wir stellten Sänger Simon (kurz nach Olympia, wie man im Folgenden merkt) einige Fragen per Email, die wir dann auch prompt einige Monate später schon beantwortet kamen - die Wege des Herrn sind unergründlich. Wie dem auch sei, hier nun das Interview mit der Formation, deren Name momentan in aller Munde ist, ohne dass die meisten die Jungs auch nur einmal gehört hätten...

MUM: Simon, die erste Frage mal über Aren. Er ist als Sänger und Gitarrist von Harmful ja auch Songschreiber und Gitarrist von Rinderwahnsinn. Woran hängt, meinst du, sein Herz mehr, wo setzt er Prioritäten?

S: Arens Herz hängt an beiden Bands, das hat er nun über mehr als zehn Jahre bewiesen, indem unter seiner Federführung sieben CDs eingespielt wurden und demnächst die achte folgen wird! Wenn er etwas richtig angreift, dann zieht er es auch durch, da müssen natürlich auch die anderen mitziehen, denn wenn Harmful gerade am Abzug ist, dann muss Rinderwahnsinn zurückstecken und umgekehrt. Aber das ist noch nie ein Problem gewesen, denn beide Bands harmonieren auch Privat sehr gut miteinander. Prioritäten setzt er natürlich im Moment bei Harmful, denn die Band ist gerade im Aufwind und da kann man nicht zweigleisig fahren, aber wenn sich da die Wogen wieder etwas geglättet haben, dann ist Rinderwahnsinn oder eine andere Band wieder die erste Garnitur. Er steht da voll dahinter.

MUM: Wie klangen eure bisherigen Alben, anders als "Kampf der Welten" oder ähnlich?

S: Sie klangen ähnlich, aber anders, denn sie wurden unter anderen Umständen aufgenommen. Die ersten drei Alben wurden in Dietzenbach, Herne bzw. in Frankfurt am Main eingespielt. Die Songs wurden peu a peu, also zuerst Bass und Schlagzeug, dann Gitarre - Lead, dann die Fillings - und dann Gesang eingespielt, deshalb umgibt diese Alben auch ein leichter Hauch von Kälte - räumlich. Bei "Kampf der Welten" sind wir nach Frankreich gefahren, das Studio war weit draußen auf dem Land, so dass uns Nichts und Niemand stören konnte, und alles, außer der Gesang - der wurde in Frankfurt eingesungen - ist dort live eingespielt worden. Diese CD hat dadurch mehr an Wärme und sie ist wesentlich druckvoller als die drei davor!

MUM: Warum hat es drei Jahre gedauert, ein neues Album zu veröffentlichen? Erzähl bitte von den Labelproblemen und den Line Up-Wechseln, was war los?

S: Nun ja, das war sicherlich auch die Überschneidung mit der dritten Harmful-Produktion, die zu dem damaligen Zeitpunkt parallel lief. Dann die geringen Verkaufszahlen, Plattenfirmen stehen auf so etwas nicht, des Vorgängers "Herrscher". Und die Unbeugsamkeit unsererseits, sich einfach so zu verkaufen. Das haben wir nie gemacht und das werden wir auch nie tun.

MUM: Sitzt euer neuer Drummer auch nackt hinter dem Kit? Eigentlich nicht so sinnvoll, oder? Warum hat der alte Drummer Christian das damals so gemacht?

S: Nein, Tim sitzt nicht nackt hinterm Schlagzeug, iss ihm ein bisschen zu kalt! Christian hat das, glaube ich zumindest, aus Exhibitionismus getan.

MUM: Wo seht ihr euch musikalisch? Für mich ist das eine energetische, knackige Variante von Deutschpunk, oder könnte man es Deutsch-Crossover betiteln? Klingt doof!

S: Deutschpunk verneine ich, denn dazu sind die Vorgänger zu wirr. Ich würde eher sagen es ist eine Mischung aus Punk und Rock, mit Metal- und Jazz-Einflüssen. Zudem klingt keine Deutschpunkband stimmlich so wie Rinderwahnsinn und auch die Arrangements sind deutlich anders als bei Punkbands. Deutsch-Crossover bzw. Neue Deutsche Härte beschwört in mir einen Brechreiz herauf, das klingt wahrlich doof!

MUM: Was willst du mit deinen Texten ausdrücken, die ja doch leicht avantgardistisch herübergebracht werden?

S: Was will ich mit meinen Texten ausdrücken? Nun, es sind vertrackte moderne Märchen, Geschichten aus unserem Umfeld, Liebe, Schmerz, Gedanken, Zweifel und Aufrufe, einfach im Hirn gesammelt und als Text in den Liedern wiedergegeben. Wir haben eben auch immer versucht, eine neue Tür aufzustoßen, was uns denke ich auch gelungen ist, denn ich kenne keine Band näher, die auch nur annähernd so klingt, in Deutsch, wie Rinderwahnsinn, und die so durch und durch ihr Ding strikt durchgezogen hat, dazu gehören eben auch die Texte. Als avantgardistisch würde ich die Texte jetzt nicht unbedingt bezeichnen, denn da müsste ich einen Namen in der dementsprechenden Kunstszene haben. Ich bezeichne sie eher als grundehrlich, durchdringend und zum Zuhören auffordernd. Eben als intensiv und nicht leicht zu verdauen. MUM: Welche Bands haben Rinderwahnsinn beeinflusst?

S: Über den Kamm geschnitten auf jeden Fall Black Sabbath, Ideal und Dead Kennedys. Ansonsten ist die Beeinflussung weit gestreut.

MUM: Auch wenn ZYX damals für euch nicht so toll gewesen sein mag, immerhin habt ihr Korn supportet, was euch inzwischen doch, wo die Jungs weltweiten Ruhm genießen, sicherlich irgendwie stolz macht, oder? Wie war es mit Korn?

S: Nein, stolz macht das uns nicht. Bitte verstehe das nicht falsch, das ist keine Arroganz oder Übermut. Nein, es war zu diesem Zeitpunkt einfach super, mit diesen damals noch unbekannten Jungs eine Tour zu fahren, denn die Jungs waren menschlich, bis auf den Basser, einfach cool. Wir hatten einen Haufen Spaß, haben gut gelacht, uns richtig ausgeschossen - Hamburg, Rosies Bar - einfach gut miteinander harmoniert. Das zeigte sich dann auch bei Rock am Ring, in Nürnberg, als sich Monkee, der Aren schon seit fünf Jahren nicht mehr gesehen hatte, und Aren backstage trafen, sich auf's herzlichste begrüßten und zwei Stunden miteinander plaudernd den Nachmittag verbrachten. Einfach guude Bouwe - hessisch!

MUM: Spielt ihr anderen Jungs eigentlich auch noch in weiteren Bands?

S: Nur ich spiele noch in einer anderen Band, Ludersau, aber das hat erst vor vier Monaten angefangen, und es entwickelt sich da gerade etwas ganz Geiles. Mehr davon gibt es aber erst Ende des Jahres, denn wir sind gerade am Songs schreiben, und das dauert ja immer etwas, bis es dann auch richtig steht. Gut Ding will eben Weile haben.

MUM: Was war für dich die herausragende Leistung der Olympischen Spiele, oder interessierst du dich nicht für Sport?

S: Doch schon, aber so richtig weiß ich gar nicht mehr wer da so. Moment mal, doch, der Schwimmer aus Äquatorial Neu-Guinea, der als letzter noch in den Vorlauf durfte, der war klasse, denn der hat zwar doppelt so lange gebraucht wie der Rest der Schwimmer, aber dabei sein war für Ihn alles. Klasse Einstellung. Gefällt mir. Ansonsten gehe ich sehr oft zum OFC, aber da möchte ich zur Zeit lieber nicht drüber reden. Fußball kann manchmal sehr grausam sein!

MUM: Könntest du dir vorstellen, mal einen Gig oder eine Tour zu spielen, wo Aren mit Rinderwahnsinn und Harmful jeden Abend gleich zweimal auf der Bühne steht?

S: Das hatten wir schon gehabt und es ist einfach zuviel. Wer auch immer mit wem zuerst spielen musste, hatte später keine richtige Power mehr für die darauffolgende Band. Da lässt man es lieber sein. Ist auch besser für's Publikum. Die ganze Zeit die selben Nasen auf der Bühne - ich weiß nicht!

MUM: Welche Ziele habt ihr mit Rinderwahnsinn?

S: Tja, so wie es aussieht, war die "Kampf der Welten" die letzte CD von Rinderwahnsinn. Wir sind,laut diverser Journalisten, wahrscheinlich viel zu früh mit dem, was wir nun schon seit fast zehn Jahren machen, dann habe ich mit Rinderwahnsinn schon genug die Leute wie der Teufel gepiesackt, und außerdem stehen neue Aufgaben an. Was, das wird noch nicht verraten, aber eines im voraus, du wirst früher oder später davon hören! Soviel dazu.

MUM: Was hältst du von den neuen Big Brother-Bewohnern, oder schaust du sowas nicht? Was siehst du sonst am liebsten?

S: Big Brother ist totale Volksverdummung, Geldmacherei, und die Menschheit fällt drauf rein. Respekt vor de Mol, denn der hat damit die Lizenz zum Gelddrucken erhalten und es auch hervorragend umgesetzt. Ich habe nur drei Programme zu Hause, gehe deswegen öfter ins Kino und lese ansonsten viel Literatur - Hesse, Kant, Voltaire, etc. - oder Tageszeitung und den Spiegel. Ich brauche keinen Fernseher, meine Umwelt ist mein Fernsehprogramm, das ist tausendmal interessanter.

MUM: Mucke und mehr
S: Simon von Rinderwahnsinn

(Tobi)