CTS-MUM
SPEZIALIZTZ (05/00)


Da sind sie wieder, Harris und Dean, die beiden Deutsch-Afrikaner aus Berlin, die sich mit ihrem ersten Album "G.B.Z.-oholika" einiges an Lob in der Deutsch-Rap-Szene erarbeitet haben, aber auch einiges an Kritik aus der Öffentlichkeit. Die Spezializtz rappen über ihr Leben und die Dinge, die selbiges versüßen. G für Gras, B für Beck's, Z für Zärtlichkeit - so sieht das also aus. Afro auf dem Kopp, Joint zwischen den Lippen, ein Bierchen in der einen Hand, ein Groupie in der anderen - fertig ist der Rapper. Es hat Dean und Harris bestimmt nicht wirklich verwundert, dass aus diversen Kreisen ein fettes Kopfschütteln statt Kopfnicken zurück kam, vielleicht aber schon, dass die beiden Jungs als Inbegriff des Bösen angeprangert wurden, als Band, die den Kiddies Alk (B), Drogen (G) und wildes Rumgepoppe (Z) ans Herz legt. Nun ja, die Spezializtz sind also wieder da und verkünden provokant "Die Rückkehr - G.B.Z.-oholika II", mit ähnlichen Inhalten, wobei sie allerdings diesmal mehr auf das achten, was man missverstehen könnte. Die erste Single "T.W.I.N.L.K." (Tut was ihr nicht lassen könnt) richtet sich an diejenigen, die ihnen Vorwürfe machen, obwohl sie sich hier zu Unrecht angeprangert sehen, schließlich rappten sie doch nur über ihr Leben und hatten alles andere im Sinn, als irgendjemanden an Drogen heran zu führen. Im Gegenteil, auch sie wissen, dass man seine Grenzen nicht überschreiten sollte, gerade in puncto Gras. Ansonsten haben die Spezializtz wieder jede Menge trockener Skillz und Beats im Gepäck, und eine Menge Kooperationen mit Leuten wie Immo, Brixx & Bintia, natürlich auch wieder Afrob, Thomilla, Da Fource, And Y und Ralf Goldkind (Fanta 4) und auch Moses P, der ja nicht in allen Rapkreisen geliebt wird. Die Ideen sind Harris und Dean sicher nicht ausgegangen, waren sie doch nicht nur mit den Fanta 4 und der Bloodhound Gang auf Tour, sondern steuerten auch für Stücke von Such A Surge, Crazy Town und Dog Eat Dog ihren Rap bei. Fett im Geschäft, fett wieder da, bei Mercury/Def Jam, worüber sich die Spezializtz besonders freuen. Wir sprachen mit Harris.


MUM: Erzählt doch mal für diejenigen, die euer erstes Album nicht kennen, was sie versäumt haben, was anders war.

H: Das erste Album ist vom Style her einfach so drauf los, was im Gefühl ist, frei raus ohne irgend ein bestimmtes Konzept. Wir sind einfach in Berlin ins Studio gegangen und haben en masse Beats gemacht, und wenn uns ein Beat gefallen hat, dann haben wir darauf Texte geschrieben zuhause oder so. Es war auch nicht so, dass wir uns zusammengesetzt haben und Themen ausgesucht haben. Das Thema ist hauptsächlich GBZ, das ist der Schwerpunkt. Beim zweiten Album ist das natürlich auch GBZ, aber da geht es auch um unsere Erfahrungen durch GBZ und die Resonanzen, die wir erhalten haben. Lebenserfahrungen also, und zum Beispiel die erste Single "Tut was ihr nicht lassen könnt", die eine Message ist an die Leute, die uns auf die Eier gehen, dass wir kleinen Kindern sagen, die sollen Drogen nehmen, und dass wir frauenfeindlich oder weiß ich was nicht alles sind. Darum "T.W.I.N.L.K.", dann natürlich auch am 1. Mai, weil das ja ein Feiertag ist und hier in Berlin die Nazis marschieren wollen, da machen wir eine fette Fernsehkampagne mit, tut was ihr nicht lassen könnt am 1. Mai. Das erste Album war eher neutral, auch nicht für ein breites Spektrum gedacht. Wir hatten die Musik hauptsächlich für uns gemacht, aber das ist natürlich immer noch so. Da wir viel live unterwegs waren im letzten Jahr sind wir viel live orientierter.

MUM: Ihr habt euch also sowohl bei der Musik als auch bei den Texten mehr Gedanken gemacht?

H: Auf jeden Fall.

MUM: Hattet ihr auf der ersten Scheibe auch schon diverse Kooperationen?

H: Ja, hattet wir. Wir hatten Cooperations mit Immo und mit Ferris MC. Afrob war auch dabei, da gab es den Track "Afrokalypse 1", bei Afrob selbst dann "Afrokalypse 2", bei uns jetzt dann "Afrokalypse 3". Wen hatten wir denn noch dabei, da muss ich mal überlegen. Wir hatten außerdem noch Gesang von ein paar Leuten drauf.

MUM: Jetzt habt ihr ja da noch mehr Leute mit drauf, auch aus allen Städten so.

H: Ja, auf jeden Fall.

MUM: Gibt es denn Leute, mit denen ihr zusammenarbeiten wolltet, was aber nicht zustande gekommen ist?

H: Ja, auf jeden Fall. Wir wollten einen Track machen mit den Hamburgern, einen 77er-Flash-Song machen, weil die meisten der Hamburger 1977 geboren sind, so wie wir, und wir alle darauf abfahren. Das kam dann aber nicht zustande, weil die alle ziemlich busy waren, die Beginner mit ihrem Remix-Album, Ferris mit seinem Album. Natürlich gibt es ein paar Amis, aber da warten wir, bis die anfragen, weil wir ja nun bei Mercury/Def Jam sind, und da denke ich, dass die die Platten rübergeschickt bekommen und uns kennen lernen, wenn die herkommen. Da warten wir lieber, dass wir die richtig kennen lernen, als so eine dämliche Anfrage zum Management zu schicken, ob die nicht einen Song mit uns machen wollen.

MUM: Bei Tomekk hat das aber auf diesem Weg ja auch richtig gut geklappt.

H: Ja, schon, aber wenn man bedenkt, dass er mit keinem von denen dafür im Studio war, das finde ich schon ein bisschen komisch. Ich will nicht sagen, dass "Rhymes Galore" ein wacker Track ist, der ist schon cool. Jetzt wissen auch viel mehr Leute, was richtiger HipHop ist, weil das ist ja nicht wack wie Aleksey, Cappuccino oder Arschgeschichten wie Schönheitsfehler, was echt zum Kotzen ist. Ich würde es bevorzugen, mit den Leuten im Studio zu chillen und die auch schon vorher zu kennen. Wenn wir jetzt Cypress Hill meinetwegen nochmal treffen würden, mit denen auf Tour wären oder so und sagen würden: "Ey, lasst mal 'nen Track machen!", dann ist das was anderes, als wenn wir da hin schreiben "Hey, macht uns mal Beats, wir würden gerne einen Song mit euch machen!". Erstens kennen sie uns nicht, zweitens denken die dann sowieso nur an die Kohle.

MUM: Auf dem neuen Cypress Hill-Album ist das letzte Drittel ja mit fetten Gitarrenriffs, solche Geschichten macht ihr ja nebenbei auch gerne mal, mit Such Surge oder Crazy Town. Treten die an euch ran, oder wie läuft das?

H: Such A Surge haben wir auf Festivals und Parties kennen gelernt und ich fand die schon immer cool, seitdem ich die registriert habe, vor zwei Jahren oder so. Dann war es cool, die kennen zu lernen, und die haben sich auch gefreut, uns kennen zu lernen. dann hat man ein paar zusammen getrunken, dann sich auf 'nem Festival wieder gesehen, und irgendwann haben wir darüber gelabert, mal einen Track zusammen zu machen, das kam einfach so, ohne dass jetzt eine angefragt hat. Wir sind eben alle Rocker, die auf der Bühne abgehen, und Ferris kannten sie sowieso und wollten mit ihm einen Track machen, was wir auch wollten. Also sind wir ein paar Tage nach Kölle, Alter, und haben Hölle gemacht, "Chaos". Sehr geiler Song, Such A Surge rules, Alter!

MUM: Und die anderen, And Y. und Massive Töne, die kanntet ihr auch schon vorher?

H: And Y. haben wir kennen gelernt, als wir für die Opener gemacht haben auf der Geheimtour, da hat das ihm und Ralf Goldkind sehr gefallen, wie wir gerockt haben, wie wir abgegangen sind. Die kamen dann und meinten, sie würden gerne was für unser zweites Album beisteuern. Wir haben gesagt: "Auf jeden, klar!" und das war auch sehr lehrreich für uns, die Session mit den Beiden, das war Generationskollision. Wir haben eineinhalb Wochen am Stück bei denen im Studio in Stuttgart gechillt und es gab auch mal einen Tag, wo man stur war und nicht miteinander geredet hat, weil die in ihrem Alter voller Erfahrungen waren und wir mit unserem Jungsein was anderes bringen wollten, ohne aber so richtig Erfahrung zu haben. Das war aber sehr geil und wir sind sehr gut auseinander gegangen.

MUM: Die 3p-Connection habt ihr aber neu gewonnen?

H: Da war es so, dass wir schon immer mal Moses kennen lernen wollten. In den Credits beim ersten Album hatten wir geschrieben: "Gruß an Moses Pelham, wir werden noch feiern?!". Das hat ihm gefallen. Wir saßen dann so im Studio und haben überlegt, mit wem wir Tracks machen wollen, und dann dachten wir: "Lass mal Moses anrufen". Wir kannten ihn aber nicht so richtig, man hatte sich nur mal auf 'ner Party getroffen und mit dem Kopf genickt, mehr nicht. Wir haben also angerufen und unsere Nummer hinterlassen, er hat dann zurückgerufen und meinte: "Was ist?". Wir haben dann gesagt, dass wir gerne einen Song mit ihm machen würden, und er meinte "Ey, auf jedsten". Wir haben also einen Termin gemacht, uns kennen gelernt, Song gemacht - Bombe! Moses ist auch ein sehr lustiger Mensch, genau so, wie ich es mir gedacht habe. Was man von ihm hört und über ihn sagt, das ist nicht korrekt. Sowieso, im Bizz und in den Medien wird gerne was verdreht und dem dann ein anderer Sinn gegeben.

MUM: Ein Bad Boy wird doch immer gerne gesucht.

H: Auf jeden. Das ist ja wie bei uns, da versuchen sie es ja auch, uns als radikal darzustellen, frauenfeindlich, sexistisch, Terrormaker, Drogenabhängige, Junkies. Da übertreibt man gerne, auch in der Gerüchteküche vom Veranstalter, die rufen schon mal an und fragen: "Ey, ich habe da von dem und dem gehört, der hätte das und das gemacht, stimmt das?", was dann völliger Blödsinn ist.

MUM: Wie war's denn mit der Bloodhound Gang?

H: Ha, ha, ha (lacht laut ... noch lauter ... los)! Erste Sahne! das sind auch so Opfer, die man lieb gewonnen hat. Die sind auch Party-Freak-Types, wie wir.

MUM: Wo habt ihr mit denen gespielt?

H: Wir waren auf der "Flying High Across The Sky, Part 2"-Tour mit denen, zweieinhalb Wochen. Wir waren beide in Nightlinern und haben auch zwischen den Bussen hin und her gewechselt, dass welche von denen bei uns mitgefahren sind oder wir bei ihnen. Dann hat man sich auf der Autobahn wieder getroffen, die Bräute ausgetauscht. Megacool. Wir haben die letztens auf der Echo-Verleihung auch wieder getroffen, das war echt die Party überhaupt. Erstmal jede Menge Scheiße auf ex weg gekickt, dann kotzen gegangen, wieder gekommen und weiter gemacht. Jared, der Spinner, der hatte einen Schottenrock an und nichts drunter, der ist die ganze Zeit zu Bräuten gegangen und hat den Rock gehoben, dingelingeling, ha, ha, ha. Mit denen ist es richtig lustig, die sind genauso hemmungslos wie wir. Die haben ihren Ruf und lieben ihn ja auch, uns geht das genauso.

MUM: Macht ihr denn auch irgendwelche verrückten Sachen in den Shows?

H: Also teilweise schon. Wenn die Leute und wir gut drauf sind, dann schon. Beim Christmas Jam in Chemnitz haben wir von unserer Gage 40 Paletten Bier gekauft und die als große Couch auf der Bühne aufgebaut. Mitten in der Show haben wir dann Pause gemacht und dafür gesorgt, dass jeder in dem Schuppen ein Bier kriegt. Dann haben wir auf Weihnachten und das neue Jahr angestoßen und auch Fotos gemacht, die sieht man auch im Booklet. Oder wir verteilen mal Joints, irgendwie sowas, Stagediven sowieso, das ist ein Hobby. Ausflippen eben, auf der Bühne 1000% geben. 100% ist nur 1% von dem, was ich geben kann. Am 19. Mai startet unsere Tour, da wird es auch abgehen.

MUM: Warum seid ihr eigentlich vom Columbia zu Mercury gewechselt?

H: Die wollten uns nicht mehr, weil wir zu wenig verkauft haben für die. Dann wollten sie unbedingt eine zweite Single, das wollten wir aber nicht, und drei Tage später kam das Fax, dass sie die Option für das zweite Album nicht ziehen, was uns gefreut hat. Jetzt sind wir über Mercury auf Def Jam Germany, das ist sehr geil.

MUM: Hörst du denn auch andere Sachen als HipHop?

H: Natürlich. Vor einem Monat oder so war voll auf dem Limp Bizkit-Flash. Zwei Monate davor hatte ich voll die krasse Marilyn Manson-Phase, auf den Freak gehe ich voll ab, auch textlich, der ist voll geil. Westbam, Love Parade, House und so gebe ich mir auch.

MUM: Bei der Love Parade bist du dann sicher auch immer dabei.

H: Ja, auf jeden Fall, seit sieben Jahren bin ich dabei.

MUM: Danke für das Interview.

MUM: Mucke & Mehr
H: Harris von den Spezializtz

(Tobi)