CTS-MUM
SPIRITUAL BEGGARS (04/00)


Mit "Ad Astra" legen die Spiritual Beggars ihr neuestes Werk vor, wieder von Produzent Fredrik Norström in Göteborg aufgenommen. Michael Amott (Gitarre), Spice (Gesang, Bass) und Ludwig Witt (Drums) haben als neues volles Mitglied Per Wiberg am Keyboard in die Band aufgenommen, was den Sound noch vielfältiger macht. Nach wie vor dominieren fette, bratzige Gitarrenriffs die starken Songs der Schweden, wenn nicht gerade mal ruhige Momente zu hören sind. Die Strukturen der Songs sind prima, es wird überzeugender Hardrock mit Hang zu den 70er-Jahren geboten, mit starken Melodien und Ideen. Ein Stück wie "Mantra" spiegelt mit seinem ruhigen Beginn und krachigen Ende gleich mehrere Facetten der Spiritual Beggars wider, ein "Angel Of Betrayal" geht einfach nur mächtig ab. Wir sprachen mit Michael Amott über die neue Scheibe.


MUM: "Ad Astra" ist euer viertes Album, richtig?

M: Ja, aber das erste war eher ein Mini-Album, mit sechs Songs.

MUM: Woher seid ihr genau?

M: Aus einer kleinen Stadt in Südschweden, Halmstadt, das ist zwischen Göteborg und Malmö, an der Westküste.

MUM: Wann hast du mit Musik angefangen?

M: Ich habe mit 14 oder 15 angefangen, Gitarre zu spielen. Aber bis ich 19 war und bei Carcass eingestiegen bin, war das alles nur zum Spaß, dann wurde es schon ernsthafter.

MUM: Wann habt ihr die Spiritual Beggars gegründet?

M: 1993 oder so, ich weiß gar nicht mehr genau.

MUM: Die anderen Jungs waren Freunde von dir?

M: Nein, ich habe sie getroffen, als ich nach guten Musikern für die Band gesucht habe, weil man die gar nicht so einfach findet. Durch Tapes bin ich auf die Jungs gekommen, oder weil sie mir jemand empfohlen hat. Inzwischen kenne ich sie aber gut.

MUM: Per ist neu bei euch?

M: Ja, als vollwertiges Mitglied aber nur. Er macht schon seit einigen Jahren irgendwie mit und hat auf dem letzten Album "Mantra III" einige Songs im Studio mit eingespielt. Das hat so toll geklungen, dass wir ihn gleich mit auf Tour genommen und jetzt zum vollwertigen Mitglied gemacht haben. Er passt persönlich und musikalisch sehr gut zu uns.

MUM: Habt ihr auch neuere Bands als Einflüsse oder nur die Bands aus den 70er-Jahren?

M: Natürlich beeinflusst einen alles irgendwie, was man hört und mag, und wir hören viele verschiedene Sachen. Die Bands wie Deep Purple, Uriah Heap oder Black Sabbath aber, die zu Beginn des Hardrocks oder Heavy Metal gespielt haben, die lieben wir besonders. Wir wollen keine Retro-Band sein, aber ich mag die rauhen Töne und Atmosphären von damals. Wir wollen die fetten Riffs wieder bringen. Unsere Produktion ist aber schon modern. Die Mischung ist es wohl, die uns interessant macht. Wir wollen schon frisch klingen.

MUM: Ist das eher euer Produzent Fredrik, der den Sound macht, oder seid ihr das?

M: Fredrik sagt immer, dass wir so leicht zu produzieren sind, weil wir generell schon gut klingen und er einfach nur aufnehmen muss. Man muss nicht fünf Tage am Computer herum sitzen und überlegen, wie man zum Teufel nochmal einen anständigen Sound bekommt. Wir haben gutes Gefühl in der Musik, das macht es einfacher. Ich war auch die ganze Zeit im Studio dabei und habe meine eigenen Meinungen, wir haben das alles aber schon größtenteils dem Produzenten überlassen.

MUM: Würdet ihr auch mal politische Songs machen?

M: Unsere Inhalte sind eher aus dem Leben gegriffen, handeln von Beziehungen und Erfahrungen in poetischer Weise. Ich denke, es kann gefährlich sein, Politik und Musik zu vermischen, das kann sehr langweilig werden. Einige Bands wie Rage Against The Machine machen das sehr gut, aber für uns ist das nichts.

MUM: Welche CD hast du dir zuletzt gekauft?

M: Das war das Album von Chris Cornell, das mag ich sehr, gut gelungen.

MUM: Wie beurteilst du seinen Wechsel von härteren Sachen mit Soundgarden zu den eher ruhigen Sologeschichten?

M: Ich finde das großartig. Ich mag sein Songwriting und seinen Gesang, alles ist toll.

MUM: Meine Lieblingssongs auf eurer Scheibe sind "Angel Of Betrayal" und "Mantra", welches sind deine?

M: Ich finde "Until The Morning" und "Sedated" am besten, aus Sicht eines Musikers.

MUM: Arbeitest du lieber im Studio oder spielst du lieber live?

M: Mir macht beides Spaß. Natürlich ist das live sehr viel direkter, wenn du da verkackst, dann merkt das jeder. Viele sagen, dass wir eine typische Liveband sind.

MUM: Habt ihr Pläne, eine Tour hier zu spielen?

M: Im Mai spielen wir eine kleine Clubtour in Europa, mit einigen anderen Bands, wir werden da ein nettes Paket zusammen stellen mit Rock 'n' Roll-Heavy-Combos. Im Sommer spielen wir auch Festivals, Rock am Ring und Rock im Park zum Beispiel, und wir supporten Iron Maiden bei einigen Shows, in Essen, Mannheim und München, glaube ich. Dieses Jahr kann man uns nur schwer entkommen, wir werden überall sein.

MUM: Eure Scheibe wird, wie ich gelesen habe, Platte des Monats in einigen bekannten Mags sein. habt ihr solchen Erfolg erwartet?

M: Nein, sowas kann man nicht erwarten. Als wir aus dem Studio gegangen sind, da wussten wir schon, dass wir eine sehr gute Platte eingespielt haben, aber du weißt nie, ob die Leute genauso denken. Das hängt ja auch davon ab, wie viele gute Alben anderer Künstler gleichzeitig erscheinen und so, das ist eben das Geschäft. Wir haben unseren Part abgeliefert, jetzt ist das Label dran, einige Monate am Erfolg zu arbeiten. Im Endeffekt aber hängt alles von den Kids, den Fans ab.

MUM: Wird die Scheibe auch in den Staaten veröffentlicht?

M: Erst einmal nur in Europa und Japan. In den USA erscheint die Scheibe erst im Herbst.

MUM: Wurden denn die vorigen Platten in den Staaten veröffentlicht?

M: Nein, dies ist die erste dort für uns.

MUM: Danke für das Interview.

MUM: Mucke & Mehr
M: Michael Amott von den Spiritual Beggars

(Tobi)