CTS-MUM
Uncle Ho (02/01)


Lange schien in Deutschland im Bereich Alternative Rock oder Punkrock nicht Funkstille zu herrschen, wenigstens, was gute Bands angeht, die über den Status von Szenetipps hinaus kommen - nun aber ist Bewegung in die Szene gekommen. Die Donots mischen mit ihrem melodischen Punkrock die Clubs und Charts auf, und aus Wuppertal meldet sich eine weitere Formation lautstark zu Wort. Die Rede ist von Uncle Ho, bestehend aus Sänger und Bassist Julian, Gitarrist Doc und Drummer Björn. Vor vier Jahren wurde die Band gegründet und veröffentlichte auf dem Indie-Label Subway Records zwei Alben ("Tilt" und "Small Is Beautiful"), bevor sie nun den Major-Deal abgreifen konnten, bei Columbia Alternative erscheinen. Mit ihren ersten Alben und den dazugehörigen Liveauftritten konnten Uncle Ho einige Erfolge verbuchen - fünfstellige Verkauszahlen, Gewinn beim "Triebwerk '98", Gewinn beim europaweiten "Levi's Newcomer Contest". Jedoch ging es erst nach der Trennung von Label, Management und Produzenten Ende 1997 richtig ab für die Jungs. Sie supporteten die Smashing Pumpkins, drehten ein Video in Manhattan, wurden vom Focus mit drei Seiten bedacht und spielten in einigen noch reizvolleren Städten als Wuppertal - New York, London, Paris, Madrid. Als Vorboten auf den ersten Major-Longplayer veröffentlichten Uncle Ho Ende 2000 "I Don't Care If You Like Me", womit sie erste Aufmerksamkeit erhaschen konnten. Noch mehr Potenzial, den endgültigen Durchbruch zu bedeuten, hat allerdings die aktuelle Single "Come On, Come Clean", ein Punkrock-Smasher, der mitreißt. Das dazugehörige Album "Show Them What You Are Made Of" steht seit dem 29. Januar in den Läden, und es ist prima gelungen, daher in jedem Fall zu empfehlen (man lese unsere CD-Rezensionen). Wir sprachen mit Julian, der auch für die Texte verantwortlich ist.

MUM: Erstmal Glückwunsch zu einem meiner Ansicht nach richtig guten Album. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich die Erstauflage mit den Bonus-Tracks besitze oder nicht, jedenfalls sind es 13 Songs.

JH: Oh, besten Dank, freut mich, daß unser Album dich überzeugen konnte. Die Limited Edition mit den Bonustracks war selbstverständlich Idee der Plattenfirma, sie hoffen, daß viele Leute das als Kaufanreiz betrachten. Auf der Limited Edition sind 15 Songs.

MUM: Wie klangen eure bisherigen Alben, anders als "Show Them..." oder ähnlich?

JH: Anders. Unser erstes Album war ein Crossover-Album, das zweite war so eine Mischung aus Indie Rock, Crossover und Pop.

MUM: Bisher seid ihr bei einem Indie-Label gewesen, jetzt bei einem Major gelandet. Was hat sich denn so in erster Linie geändert in der Arbeitsweise, was gefällt euch am besten?

JH: Beim Aufnehmen der Platte stößt man viel später an das Ende der finanziellen Kapazitäten.

MUM: Woran hat es denn nun gelegen, dass ihr den Major-Deal abgegriffen habt? Ihr hattet euch ja zuvor von Label, Management und Produzent getrennt - lag es also an denen?

JH: Nein, das würde ich nie behaupten. Wir trennten uns recht harmonisch, weil die Band in einer Sackgasse angelangt war. Unser Amerika-Deal mit Risk Records hat vielleicht hierzulande den Ausschlag gegeben.

MUM: Wo seht ihr euch musikalisch? Für mich liegt ihr ja im Alternative Rock, mit Ausflügen in Punkrock, aber auch mit poppigen Elementen.

JH: Ich sage gerne, wir sind eine Rock & Roll-Band - und ich scheiße auf Puristen, die mir erzählen wollen, was Rock & Roll heißen darf und was nicht. Aber du liegst da wahrscheinlich viel besser.

MUM: Was willst du mit deinen Texten ausdrücken, sie stecken ja voller Metapher?

JH: Es ist ein wenig schwierig, alle meine Texte auf einen Nenner zu bringen. Ich bemühe mich um viele Dinge, um ein gewisses Lebensgefühl zum Beispiel, oder um die Schönheit besonderer Situationen. Mein Hobby-Horse sind aber die Dinge, die mich befreien und beflügeln. Als Beispiel mag da "Honeycomb" dienen, mit dem Versuch, sich nicht von den eigenen Vorstellungen knechten zu lassen.

MUM: Gibt es Bands, bei denen du sagen würdest, dass sie euch beeinflusst haben?

JH: Ja, Tom Petty.

MUM: Ihr habt "Down By The Water" von P.J. Harvey gecovert - und das gut, wie ich finde. Warum habt ihr diesen Song gewählt, und spielt ihr live noch mehr Coverversionen?

JH: Das ist momentan die einzige Coverversion, die wir live spielen. Wir haben uns entschieden, diesen Song zu covern, weil wir von seiner Qualität überzeugt sind. Ein beeindruckender Song.

MUM: Ihr habt die Smashing Pumpkins supportet. Wie war das? Gibt es da irgendetwas Aufregendes zu berichten?

JH: Leider nein. Es war in Spanien, es war heiß und ich hatte Migräne.

MUM: Hast du einen Lieblingssong auf dem Album, der dir musikalisch oder textlich am meisten am Herzen liegt?

JH: Für mich ist das momentan "Honeycomb". Ich finde die Entwicklung des Songs gelungen.

MUM: Wie zufrieden ward ihr mit den Resonanzen auf die Single "I Don't Care If You Like Me"?

JH: Och, das war sehr ordentlich. Ich hatte nicht damit gerechnet, daß das jemand im Radio spielen würde. Hollebolle!

MUM: Ihr scheint momentan ja gut durchzustarten. Welche Ziele habt ihr?

JH: Ich möchte ein Duett mit Tom Petty singen.

MUM: Ihr werdet im Sommer ja sicherlich einige Festival spielen. Welche denn so - und wo würdet ihr gerne mal spielen?

JH: Ich glaube, wir spielen Rock am Ring. Ich würde gerne mal eine Clubtour im Sommer machen, ich hasse die Sonne...

MUM: Wenn ihr euch drei Bands aussuchen könntet, um mit ihnen zusammen auf Tour zu gehen, wer wäre das?

JH: Nirvana, Jimmi Hendrix, Tom Petty.

MUM: Vielen Dank für das Interview.

MUM: Mucke & Mehr
JH: Julian Hanebeck von Uncle Ho


(Tobi)