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Joachim Witt veröffentlicht die 13 Tracks seines neuen Albums "Pop" auf seinem eigenen Label Ventil, nachdem er sich von Sony gelöst hat. 53 Minuten hat Witt erarbeitet, die natürlich nicht immer reiner Pop sind, man hört nämlich durchaus noch harte Gitarrenriffs und progressive, stampfende Beats - aber weit weniger in den Mittelpunkt gestellt als vor einigen Jahren, und die Musik klingt somit auch nicht mehr nach gewolltem Rammstein-Abklatsch. Joachim Witt setzt auf dem neuen Album weit mehr auf seine Stimme, mal dunkel sprechend, mal singend. Neben elektronischen Sounds in allen Variationen hört man auch akustische Gitarrentöne, aber eher selten. Die Songs lassen sich gut durchhören, allerdings ist kein potentieller Hit oder Ohrwurm zu entdecken. Mit "Mein Freund der Baum" hat Witt eine gelungene Coverversion des Alexandra-Klassikers aufgenommen, und das schöne "Erst wenn das Herz nicht mehr aus Stein ist", den besten Song des Albums, hat er mit Jasmin Tabatabai aufgenommen. Poetisch und über weite Strecken gewohnt eigenwillig, was Witt auf "Pop" abliefert, aber sicher nicht der falsche Weg.

Wir stellten Joachim Witt einige Fragen zum Album:

MUM: Du hast dich vom Major Sony gelöst - warum dies? Hattest du keine Lust mehr, dass man dir reinredet, oder hast du für Sony zu wenig Platten verkauft?

JW: Man wollte mehr Einfluss auf die Produktion nehmen. Das war nicht in meinem Sinne.

MUM: Du veröffentlichst nun auf deinem eigenen Label Ventil und hast auch so gut wie alles auf dem neuen Album selbst in die Hand genommen. Bestand nicht die Gefahr, dass du dich im ersten Hochgefühl wieder gewonnener Freiheit übernimmst mit allem?

JW: Ich mag nur das delegieren, was ich selber nicht kann. Größtmögliche Entscheidungsfreiheit ist für mich ein Ding der Notwendigkeit.

MUM: Während früher einige Songs für meine Begriffe zu sehr nach Rammstein klangen, hast du die Gitarrenriffs nun wieder weiter ins Ganze gefügt, sie dominieren nicht mehr. Somit klingt alles wirklich mehr nach Pop - deshalb auch der Albumtitel?

JW: "Pop" hab ich es wegen der Dichte der Songs genannt.

MUM: Du singst mehr als zuletzt - befindest du dich stilistisch noch im Umruch, oder meinst du, dass dieser abgeschlossen ist.

JW: Meine Arbeit ist immer Spiegel meiner persönlichen Befindlichkeit. Ich entscheide alles aus dem Bauch heraus. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Facetten, die ich aus mir rauspressen kann.

MUM: Mein Favorit auf dem Album ist der Song mit Jasmin Tabatabei - gehe ich recht in der Annahme, dass er eine zweite Single werden könnte? Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Jasmin, woher kennt ihr euch?

JW: Er könnte eine Single werden. Kennen gelernt haben wir uns auf der Nena-Tour, dort sind wir beide als Gäste aufgetreten.

MUM: Du hast den Klassiker "Mein Freund der Baum" von Alexandra gecovert - was gut gelungen ist, wie ich finde. Wie kamst du gerade auf diesen Titel, und war es generell eine Überlegung, ob du eine Coverversion aufnimmst oder lieber nicht?

JW: Ich mag immer gerne eine Coverversion auf dem Album haben, weil es immer eine besondere Herausforderung ist, sich mit anderen Ideen zu messen, und ob man in der Lage ist, eine Version zu erstellen, die der Qualität des Originals nahe kommt oder sogar übertrifft. Das versuche ich aber nur mit Songs, für die etwas Besonderes empfinde.

MUM: Welcher deiner mal wieder sehr poetischen Texte des neuen Albums liegt dir besonders am Herzen, und warum?

JW: "Ich will mehr", da er unsere momentane gesellschaftliche Situation gut umreißt und das Gefühl für Fairness im Menschen ansprechen soll.

MUM: Im Klappcover wünschst du dir ein weltweit gerechtes Miteinander. Wenn du Politiker wärst, was wäre ein erster Schritt in diese Richtung?

JW: Ich würde die Konzerne zusätzlich in die Pflicht nehmen, für die soziale Abfederung der bedürftigen Bevölkerung zu sorgen. Schließlich sind es ja ihre Rationalisierungsmaßnahmen, die uns vor die großen Probleme unserer Zeit stellen. Vorhandenes Wirtschaftskapital gerechter verteilen, das ist die Devise. Da dieses sicher nicht freiwillig geschieht, da die Gier nach immer mehr Macht und immer mehr Geld im Vordergrund steht, ist der Staat gefragt, dort effektiv einzugreifen.

MUM: Du bist seit vielen, vielen Jahren im Business und hast viel erlebt und gesehen. Was war für dich der schönste Moment deiner Karriere, was der schlechteste?

JW: Der schönste Moment war die Auferstehung mit "Bayreuth 1", der bedrückendste war nach der Veröffentlichung von "Silberblick", als zuerst wirklich keine positive Resonanz kam.

MUM: Welche Frage wolltest du schon immer mal gestellt bekommen, und wie wäre die Antwort?

JW: Gibt es eine bessere Welt? Ja, nur wir dürfen nicht alles den Politikern überlassen. Engagement jedes Einzelnen! Basisdemokratisches Bewusstsein entwickeln und und sich anderen Gleichgesinnten anschließen, z.B www.attac.de.

Mehr zu Joachim Witt findet man auf seiner Website.

(Tobi)