CTS-MUM
THE WORKHORSE MOVEMENT (07/00)


Eine Mixtur aus verschiedenen Stilen zu bieten, ist heutzutage nichts mehr, was Aufsehen erregt. Bei The Workhorse Movement sind es Hardrock, Metal, HipHop, 60er-Jahre-Rock, Psychedelic, Soul und Jazz, die verschieden portioniert in den Klangtopf geworfen werden, was eine durchaus energetische Suppe ergibt. Gegründet wurde die Band 1995 von Matt Rea alias Myron (Gesang), Jeff Piper alias Freedom (Gitarre), Joe Mackie (Drums) und einem Bassisten, der dann 1997 ersetzt wurde. Schon nach kurzer Zeit machte man sich noch 1995 daran, mit "Dopamine" ein erstes Album einzuspielen, selbst produziert und in Eigenregie vertrieben. Um ihre Konzerte richtig in Schwung zu bringen, veranstalteten Chemiestudent Matt und seine Mitstreiter nette Mushroom-Parties vor den Shows. Das Studium schmiss Matt übrigens im Zuge der Konzentration auf die Musik kurz vor dem Abschluss hin. Pete Bever am Bass komplettierte inzwischen das Quintett aus Detroit, als die Jungs 1998 eine EP für Overcore Records aufnahmen. Quintett? Ja, mit Chris Sparks alias Cornbread hatte man einen zweiten Sänger integriert. Mit der EP im Gepäck reiste man durch die Lande und spielte mit Acts wie US Bombs, Gravity Kills, Sevendust oder - ja - Vanilla Ice. Es folgte der Deal mit Roadrunner Records, bei denen nun das Album "Sons Of The Pioneers" erschien. Wir sprachen mit Matt Rea.


MUM: Wann habt ihr die Band gegründet?

MR: 1995 war das. Wir haben Musik zuerst nur als Hobby gesehen, das wurde dann aber immer größer.

MUM: Keiner von euch hat vorher in anderen bands gespielt?

MR: Nicht so richtig, nur ein bisschen rumgeklimpert. Wir haben uns da mehr um das Studium gekümmert.

MUM: Habt ihr alle das selbe studiert?

MR: Nein, völlig verschiedene Sachen. Ich hatte Chemie gewählt, unser Gitarrist hat jazz studiert, jeder was anderes.

MUM: Ihr habt zuerst einen anderen Bassisten gehabt.

MR: Ja, mit dem lief es aber nicht so gut. Wir waren drei Leute, die wirklich Interesse hatten, besser zu werden und Zeit zu investieren, und einer, der nur ab und an mal etwas musizieren wollte, so war es besser, sich von ihm zu trennen, um alles ernster anzugehen.

MUM: Wann wurde es denn ernster?

MR: In den ersten sechs Monaten war es mehr Spaß, aber dann entschieden wir uns, ein Album in Eigenregie aufzunehmen, und dann haben wir auch konzentriert daran gearbeitet. ich habe sogar mein Studium kurz vor dem Ende hingeschmissen, als wir den Roadrunner-Vertrag unterzeichnet haben, um mich voll der Musik zu widmen.

MUM: Ich habe gelesen, am Anfang hattet ihr nette Mushroom-Parties vor den Shows.

MR: Ja, aber das war auch, bevor wir ernster an die Sache rangegangen sind. So haben wir angefangen, wir haben den Leuten Mushrooms und Acid umsonst gegeben vor den Gigs, so dass sie dann alle in sehr ausgelassener Stimmung waren beim Konzert.

MUM: Das macht ihr aber jetzt nicht mehr.

MR: Nur noch gelegentlich, und dann auch nicht mehr in dem Ausmaß wie früher.

MUM: Wie würdest du eure Musik umschreiben?

MR: Ich würde es dreckigen Heavy Rock mit Psychedelic darin nennen. Es ist eine Verschmelzung diverser Detroit-Klänge.

MUM: Welche Bands haben euch inspiriert?

MR: Wir sind all in Detroit aufgewachsen, und so waren das The MC Five, Iggy Pop, Alice Cooper, diese Geschichten. Meine Eltern haben immer Black Sabbath und Led Zeppelin gehört, auch damit sind wir groß geworden, mit furiosem Rock der frühen 70er-Jahre.

MUM: Von dem ersten, in Eigenregie erarbeiteten Album, sind da noch Stücke auf der neuen CD wiederzufinden, oder klang das total anders?

MR: Das erste Album klang heavier und psychedelischer, schon ziemlich anders. Der Gesang ist jetzt auch viel rhythmischer.

MUM: Wie kam es zu der Entscheidung, Cornbread als zweiten Sänger zu integrieren?

MR: Das hat sich so ergeben. Er war als Roadie mit auf Tour, und wo wir auch gespielt haben, es wurde immer eine fette Party. Er war immer mittendrin, sprang auf die Bühne, sprang ins Publikum, sprang auf den Boxen herum, und griff sich auch gerne das Mikro. Er kannte alle Texte, wie ja auch der Gitarrist und der Bassist, die auch oft mitsingen. Wir nahmen Cornbread dann als festes Mitglied in die Band, um zu viert am Mikro agieren zu können.

MUM: Habt ihr noch mehr Roadies, die zur Band stoßen werden?

MR: Nein, das würde dann doch den Rahmen sprengen, dann wären wir irgendwann 40 Leute auf der Bühne. Cornbread war immer wie ein Bruder für uns, ein sehr guter Freund.

MUM: Von der EP, die 1998 veröffentlicht wurde, findet man da Stücke auf der CD jetzt?

MR: Ja. Die EP war mehr ein Demo für Plattenfirmen, und dann bekamen wir ja auch den Deal mit Roadrunner, die uns sagten, wir sollten doch diese Songs noch einmal besser und in Ruhe einspielen, was wir auch gemacht haben.

MUM: Ihr wart ja mit einigen größeren Bands wie US Bombs, Sevendust, Skrew oder Gravity Kills auf Tour. Wie aber zum teufel kam es dazu, mit Vanilla Ice zu spielen?

MR: Oh Gott. Das war wirklich verrückt. Da gab es einen Promoter, der noch nicht viel mit uns zu tun hatte, aber uns einige Gefallen getan hatte. Er war dabei, Vanilla Ice zu promoten, und dessen Shows wollte einfach keiner sehen, also fragte er uns, ob wir nicht zusammen mit ihm ein paar Gigs spielen könnten. Das war lustig, er hat harte Musik versucht und "Ice Ice Baby" in einer Version gespielt, die wie Korn klang, das war schon verwirrend, ihn sowas machen zu sehen.

MUM: Ist er immer noch aktiv?

MR: Ich denke mal, er hat sich von der Bildfläche verabschiedet. Er ist wohl überall gefloppt mit dem Kram.

MUM: Von den anderen Bands, mit wem hattet ihr am meisten Spaß?

MR: Wir waren im März und April mit Fishbone auf Tour, das waren immer wilde Saufgelage bis 6 Uhr morgens, da hatten wir definitiv am meisten Spaß. Mit den US Bombs war das aber nicht groß anders, das war auch klasse.

MUM: Mit wem würdet ihr gerne mal touren?

MR: Monster Magnet wären mein Favorit.

MUM: Habt ihr in Deutschland schon gespielt?

MR: Nein, aber im September soll das soweit sein. Wir touren mit Slipknot, Coal Chamber, Sevendust und anderen für die "Tattoo The Earth"-festival-Tour, und danach dann irgendwann kommen wir wohl hierher.

MUM: Coal Chamber und Slipknot sind ja doch um einiges härter als ihr. Mögt ihr sie?

MR: Ja, auf jeden Fall. Ich würde das nicht selbst spielen wollen, aber wir respektieren sie und finden sie gut.

MUM: Was ist momentan deine Lieblingsband?

MR: Ich mag das neue Cypress Hill-Album sehr?

MUM: Zur Geschichte mit dem sauren Farmer - ging es da um jemandem aus eurer Band?

MR: Das war ein Manager von uns, der dann zusehen musste, dass er seinen Arsch so schnell wie möglich weg bewegt.

MUM: Es wurde aber keiner erschossen?

MR: Nein, er rannte ihm nur hinterher wie wild.

MUM: Und schwanger wurde auch niemand.

MR: Nein, soweit ich weiß jedenfalls nicht. Ich habe das aber auch nicht überprüft. Wir haben nichts mehr von dem Mann gehört.

MUM: Das Album heißt "Sons Of The Pioneers". Fühlt ihr euch in der Tradition von irgendjemandem?

MR: Ich denke, wir wuchsen nach der Generation der späten 60er- und frühen 70er-Jahre auf, bei denen alles offener und experimenteller wurde, auch mit freiem Denken und so, meine Eltern gehörten zu dieser Generation. Das Album ist ein wenig ein Tribut an die Art, wie Songs damals geschrieben wurden.

MUM: Hast du denn auch versucht, Sex, Drugs und Rock 'n' Roll auszuleben?

MR: Wir versuchen, nichts groß zu bereuen, das ist auch ein inhaltlicher Faden, der sich durch das Album zieht. Wir leben unser Leben einfach, wollen aber natürlich auch etwas erreichen, was du kannst, wenn du an etwas hart arbeitest. Als Chemiker war ich ziemlich unglücklich, das hat genervt, ich wollte das nicht noch 40 jahre lang tun, also habe ich alles hingeworfen und mich auf die Musik konzentriert.

MUM: Würdest du sagen, dass die Texte darüber handeln?

MR: Ja, sie handeln davon, dass man das im Leben tun sollte, was einen am glücklichsten macht.

MUM: Hast du einen Favoriten auf dem Album?

MR: Ich denke, das ist "Heavy", er hat ein großartiges Solo unseres Gitarristen am Ende.

MUM: Gibt es eine Single?

MR: Ja, wir drehen gerade ein Video zu "Keep The Sabbath Dream Alive".

MUM: Wie erfolgreich seid ihr in den Staaten?

MR: Mehr, als wir je dachten, und das wächst jeden Tag weiter im Moment. Die Radios spielen uns oft, die Presse schreibt über uns, das hilft alles sehr, ein neues Level zu erreichen.

MUM: Danke für das Interview.

MUM: Mucke & Mehr
MR: Matt Rea von The Workhorse Movement

(Tobi)