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DER MANN, DER FLIEGEN WOLLTE
Autor: Klaus Hoffmann
Ullstein Verlag - gebunden - 352 Seiten
ISBN: 3-550-08470-6
Preis: € 20,00 [D] - € 20,60 [D] - sFr 35,00 [CH]
 

Kein Buch über einen Musiker, aber von einem. Klaus Hoffmann hat sich auch als Schauspieler einen Namen gemacht, vor allem aber ist er seit Jahrzehnten einer der besten deutschen Liedermacher, der sein Publikum bei den zumeist ausverkauften Konzerten immer wieder mit seiner gefühl- wie auch stimmungsvollen Musik, vor allem aber auch mit seiner sympathischen Art und Weise zu begeistern weiß (siehe auch unsere Konzertkritik aus dem Jahr 2003). Geboren wurde er 1951 in Berlin. 1975 erschien seine erste LP. 1976 er hielt er die Goldene Kamera und 1977 den Bambi für die Rolle des Edgar Wibeau in dem Film "Die Leiden des jungen W". Seither sind viele weitere CDs, auch Songsammlungen und Live-CDs, erschienen - das letzte Studioalbum "Insellieder" im Jahr 2002. Klaus Hoffmann erhielt zahlreiche Preise für Musikveröffentlichungen und Fernseharbeiten, unter anderem für "Brel – Die letzte Vorstellung", seine deutsche Adaption von Jaques Brel Klassikern.

2000 erschien ein erster Roman von Klaus Hoffmann, "Afghana", in dem sein Alter Ego Paul Lachmann über eine Reise zu sich selbst ins damals noch wilde aber kriegsfreie Afghanistan des Jahres 1970 erzählte und den er selbst als eine literarische Reise durch die verlassenen Gärten seiner Träume und Fantasien bezeichnete. Das Buch kam bei Fans und Kritikern gut an, und so legt Klaus Hoffmann nun seinen zweiten Roman vor.

Das Buch entführt den Leser nach Berlin, seine Geburts- und Heimatstadt, der er schon so viele Lieder gewidmet hat. Der auch durch Ablehnung niveauloser Rollen arbeitslose ein einsame Schauspieler Rafael Engelmann begibt sich aus seiner existentiellen Krise heraus auf die Suche nach seiner eigenen Vergangenheit, zurück an alte Stätten, an denen er einst Geborgenheit und Glück erfahren hatte. Hier trifft er Bekannte aus alten Tagen und neue interessante Menschen wie den russischen Juden Serje Kroll, einen Clown aus Petersburg, der vor 1933 ebenfalls in Berlin lebte. Mit ihm streift er umher, durch ihr altes Stadtviertel, und sie schwelgen in Erinnerungen, und in Phantasien. In Rückblenden erfährt der Leser einiges über den jungen Rafael im Nachkriegsberlin, der von seinem durch den Krieg gebrochenen Vater ein Leben abseits des plumpen Realismus abschaut. Seinen Traum vom "Fallen und fliegen und für den Moment alles vergessen…" geht Rafael seither nie verloren - so reflektiert er über sich, über das neue Berlin oder über den Schauspielberuf und bleibt immer der Mann, der fliegen wollte. Ein schönes, melancholisches wie auch hoffnungsvolles, manchmal skurriles und manchmal sehr realistisches Buch, welches Klaus Hoffmann hier verfasst hat und welches sich sehr gut liest.

(Tobi)