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DIE STIMME. AUTOBIOGRAFIE.
Autor: Thomas Quasthoff
Ullstein Verlag - gebunden - 320 Seiten
ISBN: 3-550-07590-1
Preis: 24,00 [D] - 24,70 [D] - sFr 42,00 [CH]
 

Thomas Quasthoff hat sich durchgebissen und ist zu einem Aushängeschild an Willenskraft geworden, hat gezeigt, dass Können weit mehr zählt als massenkonformes Aussehen. 1959 wurde er als eines von 12.000 durch den ersten wahren Pharmaskandal der Republik contergangeschädigten Kindern geboren. Obwohl die Musikhochschule Hannover dem Bariton mit der Begründung, er könne nicht Klavier spielen, ein Gesangsstudium verwehrte, stand sein Berufswunsch fest. Und er hat es geschafft. Heute werden seine CD-Veröffentlichungen regelmäßig von der internationalen Fachpresse ausgezeichnet, er hat mehrere Wettbewerbe und hoch angesehene Preise gewonnen und eine Gesangsprofessur inne. Der Kleinwüchsige zählt zu den ganz Großen, ist einer der erfolgreichsten Sänger der Gegenwart.

In seiner Biografie erzählt Thomas Quasthoff von seinen großen internationalen Erfolgen, von Konzertatmosphäre, Reisen und Plattenaufnahmen, aber auch von seinem Handicap, den Kämpfen, die seine Eltern mit den Behörden führen mussten, der Ausgrenzung. In der niedersächsischen Kleinstadt ist das Leben mit Behinderung nicht einfach. Doch Thomas Quasthoff panzert sich mit Witz und musischem Talent. Heute prallen journalistische Fehlleistungen wie "Er sang, als ob Gott einen Betriebsunfall wieder gutmachen wollte" an ihm ab, er kommentiert sie nüchtern und mit Selbstironie, was durchaus Bewunderung abringt. "Mitleid bekommt man umsont, Neid muss man sich erarbeiten" betitelt er eines der insgesamt acht Kapitel des Buches richtig, und hiernach hat er seine Karriere aufgebaut, mit viel Talent und viel Durchsetzungsvermögen. Im Buch geht es aber um weit mehr als nur klassische Musik. Quasthoff schreibt locker auch über Kollegen und Stars aus anderen Branchen - besonders interessant sind z.B. seine Talkshow-Erlebnisse. Er könne die Theorie widerlegen, dass sich hinter Verona Feldbuschs (oder Pooths) Maske eine Intelligenzbestie verberge - "definitiv nein". Alfred Biolek zeige privat weit mehr schwarzen Humor als öffentlich. Und Quasthoff berichtet von einem ihn vor einer "Riverboat"-Talkshow mit "Ich versteh nicht, wie sich ein Behinderter auch noch auf die Opernbühne stellen kann" beleidigenden, angetrunkenen Bernhard Brink, der er dann aber in der Sendung mit Intelligenz ausbremsen konnte. Das gesamte Buch ist gut geschrieben, liest sich prima. Es hält, was der Werbetext verspricht: ein intelligenter und humorvoller Einblick in die Welt eines Ausnahmekünstlers.

(Tobi)