Home MusikCD-Rezensionen Die Pet Shop Boys bescheren guten Synthiepop zwischen Nostalgie und Moderne

Die Pet Shop Boys bescheren guten Synthiepop zwischen Nostalgie und Moderne

Autor: Tobi

Pet Shop Boys "Nonetheless"

Pet Shop Boys

“Nonetheless”

(CD, Warner Music, 2024)

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Nachdem die guten alten Pet Shop Boys mit “Electric” (2013), “Super” (2016) und “Hotspot” (2020) eine von Stuart Price produzierte Trilogie vorgelegt hatten, sollte es auf “Dreamworld – The Greatest Hits Live”-Tour gehen. Diese mussten Neil Tennant und Chris Lowe dann pandemiebedingt zweimal verschieben, kamen schließlich im Mai und Juni 2022 zu uns.

Kein Wunder also, dass auch die Arbeiten an einem neuen Album wenig gehetzt vonstatten gingen, wobei die Jungs ja schon seit den 90ern aus jährlichen VÖ-Zyklen raus sind. Warum sollten sie sich hier auch nicht ausreichend Zeit nehmen, um ganz in Ruhe an weiteren Stücken zu arbeiten, mit denen sie ihre treuen Fans bei Laune halten, die ihnen seit dem Debütalbum “Please” 1986 mehr als 50 Millionen Tonträger abgenommen haben.

Pet Shop Boys (© Eva Pentel)

(© Eva Pentel)

Ein weiterer Vorteil einer langen, erfolgreichen Karriere ist natürlich der, dass man namhafte Produzenten für sich gewinnen kann. So ist es diesmal kein Geringerer als der britische Landsmann James Ford, der schon mit Künstlern wie Arctic Monkeys, Blur, Gorillaz oder Florence And The Machine zusammengearbeitet hat, der zuletzt Depeche Modes Erfolgsalbum “Memento Mori” toll produzierte und der im Projekt Simian Mobile Disco ja auch selbst als Musiker aktiv ist.

Mit ihm haben Neil Tennant, der am 10. Juli 2024 seinen 70. Geburtstag feiern wird, und Chris Lowe, der im Oktober 65 Lenze alt wird, die zehn Songs auf den 44 Minuten von “Nonetheless” erarbeitet – und mit diesen bleiben sie sich auch diesmal zu 100% treu.

Mit dem gemütlichen, aber auch gut tanzbaren und textlich leicht melancholischen “Loneliness”, den die beiden als “uplifting music with reflective lyrics” umschrieben, gab es Ende Januar eine erste, gute Single, die nun als Opener dient. Das Video zum melodischen Song entstand unter der Regie des renommierten Fotografen und Filmemachers Alasdair McLellan.

Nicht nur hier wird typischer Pet-Shop-Boys-Synthiepop verabreicht, der vom bandeigenen, warm wohligen Flair nichts eingebüßt hat. Dem Duo gelingt es hierbei zusammen mit Ford gut, mit seinen Songs an gute alte Zeiten zu erinnern, manchmal sogar ganz bewusst auch altvertraute Sounds mit einzubauen, und doch modern abgemischt daher zu kommen – auch immer wieder mal mit Orchesterklängen opulenter angerichtet. Man hört also nicht nur an der gut wiedererkennbaren, weder in die Jahre noch aus der Mode gekommenen Stimme von Neil sofort, mit wem man es hier zu tun hat.

“I would never let you down” machen die Pet Shop Boys im folgenden “Feel” klar, und auch wenn sich dies nicht auf ihre Musik bezieht, passt es doch bestens, bieten sie ihren Fans doch wirklich gute Songs, die sich hervorragend anhören lassen, mit guten Melodien ausgestattet sind, sich oft zum Tanzen eignen und teilweise auch Ohrwurm-Qualitäten mit sich bringen, wie bei eben diesem “Feel” oder der zweiten Single “Dancing Star”, die vom Leben des Balletttänzers Rudolf Nurejew inspiriert wurde, der 1961 aus der Sowjetunion überlief und ein Weltstar wurde. Und Tanzen geht immer, im Ernstfall auch alleine, wie uns “Why Am I Dancing?” vermittelt.

Mit “New London Boy” und dem Latino-gewürzten, gut abgroovenden “The Secret Of Happiness” gibt es feine Midtempo-Stücke, mit “The Schlager Hit Parade” eine anfangs mal mit Gitarrenklängen aufwartende Lobhuldigung des schlichten Schlagers, und mit dem relaxt getragenen “A New Bohemia” wird es dann balladesk, in Erinnerungen schwelgend. Gegen Ende geht es dann mit “Bullet For Narcissus” noch einmal auf die Tanzfläche, bevor das ruhig fließende “Love Is The Law” daran erinnert, was am Wichtigsten ist. Ein gut gelungenes 15. Album der Pet Shop Boys, welches noch besser zu gefallen weiß als ihre letzten Longplayer.

Hier sind die Pet Shop Boys live bei uns zu erleben, bevor sie vom 23. bis 27. Juli fünf besondere Abende im Londoner Royal Opera House bereiten werden, dem ehrwürdigen Haus, wo sie 2016 als erste Electro-Band überhaupt auftreten durften:

28.06.2024 – Mannheim, SAP Arena
29.06.2024 – Hannover, ZAG Arena
06.07.2024 – Berlin, Uber-Arena (ehemals Mercedes-Benz Arena)

www.petshopboys.co.uk
facebook.com/petshopboys

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 


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