
Der Magier im Kreml
Darsteller: Paul Dano, Jude Law, Alicia Vikander, Will Keen
Regie: Olivier Assayas
Dauer: 152 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: constantin.film/kino/der-magier-im-kreml
Facebook: facebook.com/constantinfilm
Instagram: instagram.com/constantinfilm
Kinostart: 9. April 2026
Das Machtstreben des Autokraten Wladimir Putin beschäftigt schon geraume Zeit weite Teile der Weltbevölkerung. Schon 2022, passend zum Start von dessen Invasionskrieg gegen die Ukraine also, veröffentlichte der Italo-Schweizer Giuliano da Empoli den an das Leben des Putin-Beraters Wladislaw Surkow angelehnten Roman „Der Magier im Kreml“, der den Werdegang des jetzigen russischen Präsidenten aus der Sicht seines wichtigsten Spindoktors nachzeichnet. Und jetzt, der Ukrainekrieg ist vier Jahre später längst zum traurigen Dauerzustand geworden, präsentiert uns der französische Regisseur Olivier Assayas („Die Wolken von Sils Maria“, „Carlos – Der Schakal“) seine gleichnamige Kinoadaption des erhellenden, nach wie vor hochaktuellen Stoffs.
Wie im Buch ist Surkow um allen Klagen aus dem Weg zu gehen hier der Tausendsassa Wadim Baranow (Paul Dano), der in einer Rahmenhandlung einem Journalisten (Jeffrey Wright) rückblickend seine steile Karriere im Kreml schildert. Die Erinnerungen beginnen noch zu Zeiten der zerbröckelnden Sowjetunion, wo sich der Lebemann mit findigen Gelegenheitsinvestitionen durchs Leben schlägt, und Geld in der russischen Gesellschaft irgendwie alles bedeutet. Das muss er bald am eigenen Leib erfahren, als er im unbeschwerten Moskauer Partyalltag seine Freundin Ksenia (Alicia Vikander) an seinen großkotzig auftretenden, mit Kohle nur so um sich werfenden Kumpel verliert. Da hat er sich mit den buchstäblich unbegrenzten Möglichkeiten in der neuen Russischen Republik längst als Theaterregisseur und Reality-TV-Produzent einen Namen gemacht und damit in der ausklingenden Jelzinära das Interesse der Strategen hinter den Kulissen der Machtzentrale auf sich gezogen.
Manipulationsprofis wie er sind da gefragte Leute, und Boris Beresowski (Will Keen), Intrigant vom Dienst, hat den Geheimdienstchef Wladimir Putin angesichts des gnadenlosen Geschachers um Bereicherungen im Haifischbecken der Oligarchen, bei dem er selbst kräftig mitmischt, zum kommenden Mann auserkoren. Das allerdings weiß zu diesem Zeitpunkt weder der gesundheitlich angeschlagene, scheidende Präsident Jelzin noch Putin (Jude Law) selbst, von der Öffentlichkeit ganz zu schweigen. Also holt sich Beresowski den Darstellungs- und Kommunikationsexperten Baranow an die Seite, um im allgemeinen Chaos des Machtvakuums bei den anstehenden Wahlen seinen Kandidaten als alleinigen Heilsbringer zu inszenieren.

Jude Law und Paul Dano (© Constantin Film Distribution)
Selbst wenn der Dramaturgie geschuldet schon vom Autor da Empoli die Realität etwas gebeugt worden sein sollte, gelingt es Regisseur Assayas schon hier, ungemein kurzweilig Einblick in das Geschehen hinter geschlossenen Kreml-Türen zu gestatten, als der verhängnisvolle Aufstieg Putins zum machthungrigen Despoten noch nicht zu erahnen ist. Das ist mit unserem heutigen Kenntnisstand natürlich noch interessanter und lässt uns deswegen auch besonders aufmerksam der chronologisch abgearbeiteten, zeitweise aber etwas hastig durch die folgenschweren Ereignisse hetzenden Handlung folgen, schließlich sind bei dieser politischen Tragweite selbst zweieinhalb Stunden noch recht knapp bemessen.
Genau beobachtet und erkenntnisreich jedoch ist es allemal, wenn uns Paul Dano unaufgeregt und fast ein wenig zu stoisch mit seiner ambivalenten Figur Baranow durch die Geschehnisse geleitet, deren Motive nie so richtig klar werden. Ist es Gier, Gestaltungswille oder lediglich Geltungsbedürfnis, das Baranow zum Steigbügelhalter eines Mannes werden lässt, der später zu einem der schlimmsten Diktatoren der Geschichte werden soll und im Film nur „Der Zar“ genannt wird? Den jedenfalls gibt Jude Law mit verblüffender Ähnlichkeit und bekanntem, herrischem Gestus, dass uns die Skrupellosigkeit und nicht in Gänze geläufigen fatalen Entwicklungen manchmal beinahe dokumentarisch vorkommen.
Das alles macht Assayas kurzweiliges Politdrama nicht nur ungeheuer lehrreich, sondern sorgt mit der Dreistigkeit der Akteure bei der zunehmenden Umgestaltung Russlands angesichts der aktuellen Lage sogar für Fassungslosigkeit. Vor allem aber bereitet es eine unheimliche Freude, dem fantastischen Ensemble bei den kalkulierten Machtspielen ihrer zeitgenössischen Figuren zusehen zu dürfen, die bekanntlich zu Putins Erklimmen des „Zarenthrons“ führen.
Trailer:
Bewertung: 8 von 10 Punkten

