Home Film “Die Kairo Verschwörung” – Tarik Saleh serviert erneut einen Komplott in Ägypten

“Die Kairo Verschwörung” – Tarik Saleh serviert erneut einen Komplott in Ägypten

Autor: Tobi

"Die Kairo Verschwörung" Filmplakat (© X-Verleih AG)

Die Kairo Verschwörung

Darsteller: Tawfeek Barhom, Fares Fares, Mehdi Dehbi, Mohammad Bakri
Regie: Tarik Saleh
Dauer: 122 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.x-verleih.de/filme/die-kairo-verschwoerung
Facebook: facebook.com/xverleih


Nachdem sich der aus einer ägyptischen Familie stammende, aber in Schweden geborene Autor und Regisseur Tarik Saleh über Dokumentarfilme, Animation und Musikvideos 2014 mit “Tommy” erstmals ins Fach des Spielfilms vorarbeitete, gelang ihm mit dem starken, mehrfach ausgezeichneten Thriller “Die Nile Hilton Affäre” der internationale Durchbruch. Letztes Jahr legte er dann mit seinem ersten englischsprachigen Streifen “The Contractor” nur ein weitgehend flaches Actionspektakel vor, nun aber besinnt er sich mit “Die Kairo Verschwörung” wieder seiner Stärken, vielleicht auch weil er für diesen wie schon für “Die Nile Hilton Affäre” das Drehbuch selbst verfasste und sich erneut im Umfeld von Verschwörungen und zwielichtigen Machenschaften in Ägypten bewegt.

Als Adam (Tawfeek Barhom) ein Stipendium erhält, das ihm ein Studium an der renommierten Al-Azhar-Universität in Kairo ermöglicht, öffnet sich ihm hiermit eine ganz neue, größere Welt, und auch sein Vater, ein einfacher Fischer, ist ihm nicht böse, dass er die Familie und sein Dorf hierfür hinter sich lässt. Kurz nachdem Adam an der Uni angekommen ist und sich mit den dortigen Umständen und auch einigen Mitstudenten, die ihn nicht alle mit offenen Armen empfengen, vertraut gemacht hat, verstirbt Scheich al-Azhar, der als Großimam mehr als nur das Oberhaupt der Universität war und auch für die Politik im Land und darüber hinaus eine entscheidende Rolle spielte.

Adam versteht, dass die Uni das Epizentrum der Macht in der sunnitischen islamischen Welt darstellt, und nun buhlen gleich mehrere Scheichs, von denen jeder eine Schar an Studenten unterrichtet und als Gefolgschaft um sich geschart hat, um die Nachfolge des Verblichenen. Auf Grund der Bedeutung gibt es aber noch weiteren Einfluss, denn auch die ägyptische Regierung hat einen Favoriten unter den Scheichs, und der Staatssicherheits-Beamte Ibrahim (Fares Fares) soll dafür sorgen, dass dieser gewählt wird.

Als ihm der wichtige Informant wegbricht, der auf dem Universitätsgelände kaltblütig ermordet wird, wählt er aus einigen möglichen Kandidaten für dessen Nachfolge den unschuldigen, unbedarft wirkenden und durch seine erst kurze Zeit vor Ort auch noch nicht fest vernetzten Adam aus, den er bei geheimen Treffen in einem Café in eine Aufgabe einweist, die Gefahr mit sich bringt, die er aber auch nicht ablehnen kann, was ihm deutlich klar gemacht wird. In Kreise der Muslim-Brüderschaft soll er sich einschleusen und alle nötigen Informationen besorgen, um unerwünschte Kandidaten ausschalten zu können.

"Die Kairo Verschwörung" Szenenbild (© Atmo - X Verleih AG)

Der Regierungsbeamte Ibrahim (Fares Fares) rekrutiert Adam (Tawfeek Barhom)
(© Atmo – X Verleih AG)

Für “Die Kairo Verschwörung” wurde Tarik Saleh im 75. Wettbewerb des Festival de Cannes 2022 mit dem Preis für das “Beste Drehbuch” ausgezeichnet, und auch auf der Oscar®-Shortlist in der Kategorie “Best International Feature Film” war der Streifen zu finden.

Mit dem im Original sehr abweichend “Boy From Heaven” betitelten Streifen präsentiert Saleh erneut eine Verschwörung im Heimatland seines Vaters, wo “Die Nile Hilton Affäre” ja schon von Korruption und dubiosen Machenschaften bis hin zu Mord in Kreisen der ägyptischen Regierung und Behörden handelte, da noch im Revolutionsjahr 2011 und dessen aufgeheizter Stimmung angesiedelt. Damals hatten die ägyptischen Behörden Saleh die Dreherlaubnis nach bereits begonnener Arbeit entzogen, und dass die Staatssicherheit nun wieder mittendrin im Komplott ist, dürfte erneut nicht allen schmecken – gedreht wurde dementsprechend diesmal natürlich auch nicht an Originalschauplätzen, sondern in Istanbul.

In “Die Nile Hilton Affäre” spielte Fares Fares bereits die Hauptrolle eines Polizisten, nun sehen wir ihn als Geheimdienst-Agenten Ibrahim, der alles andere als kaltblütig handelt und auch nur seine eigene Haut zu retten versucht, sitzt ihm doch der herrische General Al Sakran (Mohammad Bakri) im Nacken. Der inzwischen ja auch in diversen internationalen Produktionen zu findende Fares Fares spielt wieder stark, ebenso wie der noch nicht ganz so präsente Tawfeek Barhom.

Die schwedisch-französisch-finnische Koproduktion, die in arabischer Sprache gedreht wurde, weiß vielleicht nicht ganz so zu fesseln wie “Die Nile Hilton Affäre”, packt einen aber doch mit ihren Einblicken in eine für die meisten von uns fremde Kultur, wo eine Universität ein Ort der Intrigen werden kann, wenn sie mehr ist als nur eine Institution zur Wissensvermittlung, und das wird sehr glaubhaft transportiert. Wenn man sich nicht gerade fragt, warum die anfangs so geheimen Treffen im Café mit zunehmender Brisanz immer weniger unauffällig werden, dann saugt einen der Film schon gut in eine immer beengender werdende Stimmung.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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