Home Film„Ein Kuchen für den Präsidenten“ – ein berührendes Abenteuer aus dem Irak der 90er-Jahre

„Ein Kuchen für den Präsidenten“ – ein berührendes Abenteuer aus dem Irak der 90er-Jahre

Autor: Tobi

"Ein Kuchen für den Präsidenten" Filmplakat (© Vuelta Germany)

Ein Kuchen für den Präsidenten

Darsteller: Baneen Ahmed Nayyef, Sajad Mohamad Qasem, Waheed Thabet Khreibat, Rahim AlHaj
Regie: Hasan Hadi
Dauer: 105 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: www.vueltamedia.de/movie/ein-kuchen-fur-den-prasidenten-2
Facebook: facebook.com/VueltaGermany
Instagram: instagram.com/vueltagermany
Kinostart: 5. Februar 2026


Mit seinem Debütfilm „Ein Kuchen für den Präsidenten“ sorgte der irakische Regisseur und Drehbuchautor Hasan Hadi nicht nur dadurch schon für Aufsehen, dass er hiermit als erster Film aus seinem Land zu den Internationalen Filmfestspielen von Cannes eingeladen wurde, wo er prompt mit der Camera d’Or für den besten Debütfilm und dem Publikumspreis in der renommierten Sektion Quinzaine des Cinéastes ausgezeichnet wurde. Zusätzlich noch wurde der Streifen vom Irak für eine Oscar®-Nominierung in der Kategorie „Bester internationaler Film“ eingereicht, die er dann zwar in starker Konkurrenz nicht erhielt, es aber auf die Shortlist von 15 der 86 zugelassenen filme schaffte. Unserer Meinung nach wäre auch eine Nominierung gerechtfertigt gewesen.

Hadi nimmt uns nicht nur mit in den Irak der 90er-Jahre, in denen Saddam Hussein noch als Diktator die Geschicke des Landes bestimmte, sondern zunächst auch in eher unbekanntes Terrain. Wo wir sonst an von der Hitze ausgetrocknetes Gefilde und staubige Straßen denken, lernen wir eine Sumpflandschaft kennen, in der die Häuser auf Pfählen stehen und sich die Menschen vor allem in Kanus fortbewegen. Hier lebt auch die neunjährige Lamia (Baneen Ahmed Nayyef) bei ihrer Großmutter Bibi (Waheed Thabet Khreibat). Wie dem Großteil der Bevölkerung des Landes geht es ihnen eher schlecht, denn Lebensmittel sind wie alles andere zu teuer geworden und generell rar. Als in der Schule dann – wie in jeder anderen auch – die jährliche Auslosung ansteht, welche Kinder zum bevorstehenden Geburtstag des Präsidenten besondere Dinge zu erledigen haben, die vom Lehrer wie üblich als große Ehre verkauft werden, trifft Lamia das unerhoffte Los, sie müsse einen großen, leckeren Kuchen für Hussein backen, der dann bei den lokalen Feierlichkeiten zum Festtag verspeist wird.

Das Mädchen versichert der alles andere als erfreuten Oma, dass es versucht habe, sich auf Toilette davon zu stehlen, und zudem habe es gebetet, dass sie nicht hierfür ausgelost werde – aber nun müssen sie für einen Kuchen sorgen, sonst drohen harte Strafen. Bibi macht sich mit Lamia und den wenigen verbliebenen Wertgegenständen zum Verkauf auf den langen Weg in die Stadt, wo Letztere dann zu ihrem Entsetzen feststellt, dass die von einer Zuckerkrankheit und dem Alter geschwächte Großmutter sie nach einer Weile an eine andere Familie abtreten möchte. Lamia rennt mit ihrem immer bei sich geführten Hahn Hindi weg und versucht, die benötigten fünf Eier, ein Kilo Mehl und ein Pfund Zucker irgendwie zu besorgen, wobei ihr der unterwegs getroffene Klassenkamerad Saeed (Sajad Mohamad Qasem), auch als Taschendieb aktiv, unterstützend Gesellschaft leistet.

"Ein Kuchen für den Präsidenten" Szenenbild (© Vuelta Germany)

Lamia (Baneen Ahmed Nayyef) mit Hahn Hindi auf dem Markt
(© Vuelta Germany)

Mit „Ein Kuchen für den Präsidenten“ präsentiert Hasan Hadi einen tollen Film, der ein Abenteuer für die ganze Familie bietet, sehr unterhaltsam, mal tragisch, mal mit Leichtigkeit und Humor versehen, auch spannend und dazu sehr interessant, bekommen wir doch hier noch einige Einblicke in ein Irak, wie wir es so eher noch nicht kannten. Für den Präsidenten werden prunkvolle Paraden aufgefahren, während die Menschen hungern und nicht wissen, wie es weiter gehen soll – und dann müssen sie für den Ehrentag des Mannes, der für ihr Leid verantwortlich ist, noch Geschenke abliefern, wie absurd. So aber war dies damals, und das Dilemma wird uns hier durch die Geschichte von Lamia vermittelt, die mit Saeed ein gutes Team bildet.

Kritik am System wird eingeflochten, durch die geschilderte Situation, durch gezeigte Korruption und Ausbeutung, nur angedeutet bis hin zu sexueller Natur. Es geht aber vor allem um die Menschen im Irak und wie sie tapfer mit der Ausgangslage umgingen, die meisten guten Herzens. Im Fokus steht die zwischendurch mal kurz geschockte, aber größtenteils mutig und unerschrocken für ihr Ziel des gebackenen Kuchens kämpfende Lamia, dem sie mit ihrem Hahn und Saeed langsam näher zu kommen scheint.

Die junge Baneen Ahmed Nayyef spielt sie ganz großartig und ihre Blicke vergisst man so schnell nicht, wobei es bemerkenswert ist, dass Hasan Hadi in seinem Debüt komplett auf LaiendarstellerInnen gesetzt hat, die allesamt zu überzeugen wissen. Die Handlung weiß zu fesseln, die Spielorte im Irak von den mesopotamischen Sümpfen bis zur Stadt inklusive Basar sind authentisch, die Inszenierung ist stark, die Bilder und Musik wissen zu gefallen – ein rundum gelungener Film, der zu berühren weiß.

Trailer:

Bewertung: 9 von 10 Punkten

 

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