Home Film„Extrawurst“ – Hape Kerkeling brilliert als Tennisclub-Vorsitzender in einer mittelprächtigen Provinz-Posse

„Extrawurst“ – Hape Kerkeling brilliert als Tennisclub-Vorsitzender in einer mittelprächtigen Provinz-Posse

Autor: Tobi

"Extrawurst" Filmplakat (© Studiocanal GmbH / Daniel Gottschalk)

Extrawurst

Darsteller: Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardim, Anja Knauer
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Dauer: 90 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.studiocanal.de/title/extrawurst-2025
Facebook: facebook.com/STUDIOCANAL.GERMANY
Instagram: instagram.com/studiocanal.de
Kinostart: 15. Januar 2026


Mit „Extrawurst“ bietet Regisseur Marcus H. Rosenmüller, dessen letzter, nett gemachter Streifen „Pumuckl und das große Missverständnis“ Ende Oktober 2025 und somit vor kurzem erst in unsere Kinos kam, eine Verfilmung des erfolgreichen, gleichnamigen Bühnenstücks der Comedy-Autoren Dietmar Jacobs („Stromberg“, „Pastewka“) und Moritz Netenjakob („Stromberg“, „Ladykracher“). Selbiges avancierte in der Spielzeit 2021/22 zum meistgespielten Theaterstück Deutschlands, erhielt den Monica Bleibtreu Preis als beste Komödie und war in zahlreichen Städten zu sehen, u.a. 2025 in Berlin mit Christoph M. Ohrt und Simone Thomalla.

Wir befinden uns auf dem Gelände des Tennisclubs Lengenheide, wo Werbetexter Torsten (Christoph Maria Herbst) nicht ganz unkritisch seine Frau Melanie (Anja Knauer) dabei beobachtet, wie sie bei Schlägen stöhnend mit ihrem Doppelpartner Erol (Fahri Yardim) zusammen trainiert, sind die beiden doch das Aushängeschild des kleinen Vereins, haben schon diverse Pokale gewonnen. Auch der schon ältere Heribert (Hape Kerkeling) schaut als langjähriger Vorsitzender des Tennisclubs zu, ist aber nicht deswegen gekommen, steht doch die jährliche Mitgliederversammlung an, das Vereinsheim ist also bald gut gefüllt.

In der Sitzung versucht Heribert mit Stellvertreter Matthias (Friedrich Mücke) an seiner Seite die Tagesordnungspunkte rasch abzuarbeiten, so wie seine übliche Wiederwahl, die dann auch erfolgt, was er als selbstverständlich hinnimmt. Dann aber kochen plötzlich unerwartet die Emotionen hoch, als der strukturierte Matthias seine PowerPoint-Präsentation zum neuen Gas-Grill zeigt, der für Feste angeschafft werden soll, ist der bisherige doch veraltet und weist bereits Problemstellen auf. Während Heribert den Kauf des leistungsstarken Neugeräts bereits abhakt, wirft Melanie ein, dass man doch auch für die muslimischen Mitglieder einen eigenen Grill anschaffen müsse, da sie kein Schwein essen dürften und daher ihr Fleisch separat aufgelegt werden müsse.

Der sympathische Erol – einziger Muslime im Club – winkt erst zurückhaltend und bescheiden ab, aber Melanie gibt nicht nach. Dies führt dazu, dass der aus Berlin in die Provinz gezogene und daher für hiesige Verhältnisse recht hip auftretende Torsten Eifersucht durchblitzen lässt und auch Heribert Erol so nebenbei und in puncto Wortwahl unsensibel abkanzeln möchte, dass dieser schließlich ungeplant doch Ehrgeiz entwickelt, Standpunkte zu etablieren, die er eigentlich gar nicht hatte. Eine Auszeit muss her, und so gehen die fünf Genannten nach unten in die Halle, um das Ganze kurz unter sich zu klären. Hier eskaliert die Lage allerdings weiter, während die anderen Mitglieder oben ungeduldig warten.

"Extrawurst" Szenenbild (© Studiocanal GmbH / Daniel Gottschalk)

v.l.n.r.: Melanie (Anja Knauer) und ihr Tennis-Doppelpartner Erol (Fahri Yardim) zusammen mit Heribert (Hape Kerkeling) auf dem Tennisplatz
(© Studiocanal GmbH / Daniel Gottschalk)

Man merkt „Extrawurst“ an, dass hier ein Theaterstück adaptiert wurde, in dem fünf Personen mitspielen, dreht sich doch eigentlich alles um diese. In der Diskussion um den Grill geht es dann auch bald gar nicht mal um selbigen, sondern um fehlende Akzeptanz und Erkenntnis heutiger Zeit, um Eifersucht und Eitelkeiten, um das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Charaktere und Ansichten, um schlecht gewählte Wort und unbedachte Äußerungen, sowie um Vorurteile und Kleinbürgertum, gewürzt mit einem ironischen Blick auf das Vereinswesen.

Das Beste am Film ist gar nicht mal die Handlung, die in ihren Dialogen hier und dort doch etwas erzwungen wirkt, an anderer Stelle aber auch wieder Freude bereitet. Das Beste ist Hape Kerkeling, der anscheinend mit 60 Jahren entschieden hat, nun wieder mehr in Erscheinung zu treten. Nun ist er 61 und wir sehen den ersten von zwei Kinofilmen in 2026 mit ihm, folgt doch Ende März dann noch „Horst Schlämmer sucht das Glück“. Kerkeling ist eine Wucht und es macht extremen Spaß, ihn in der Rolle des unflexiblen, knorrigen, bald beleidigten Heribert zu erleben.

Das Fünfer-Ensemble wird durch die nicht nur im Doppel starken Fahri Yardim und Anja Knauer sowie die solide spielenden Christoph Maria Herbst und Friedrich Mücke komplettiert, wohingegen Milan Peschel in einer ziemlich überflüssigen Rolle als Platzwart eher für Namedropping zwanghaft reingepresst wirkt und alle anderen Mitglieder – hier kennt man am ehesten Gaby Dohm – auch keine Relevanz haben. Im Theater stimmte dann das Publikum kurz mal mit über den Grill ab, hier sind es halt die abgesehen von den Obigen mittelmäßig engagierten Anwesenden, die dann noch für den einen oder anderen kleinen Gag herhalten. Für einen großen Kinogenuss ist der Stoff dann vielleicht doch insgesamt etwas zu dünn, auch weil zu wenige wirkliche Lacher generiert werden, aber Hape Kerkeling alleine ist schon das Anschauen dieser Provinz-Posse wert.

Trailer:

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

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