Home Film “Harriet – Der Weg in die Freiheit” – das bestens in die Zeit passende Sklaverei-Drama gerät ein bisschen zu reißerisch

“Harriet – Der Weg in die Freiheit” – das bestens in die Zeit passende Sklaverei-Drama gerät ein bisschen zu reißerisch

Autor: Mick

"Harriet – Der Weg in die Freiheit" Filmplakat (© Universal Pictures)

Harriet – Der Weg in die Freiheit

Darsteller: Cynthia Erivo, Joe Alwyn, Leslie Odom Jr., Janelle Monáe
Regie: Kasi Lemmons
Dauer: 125 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: upig.de/micro/harriet-der-weg-in-die-freiheit
Facebook: facebook.com/Focus.Features.DE


Wenn man dem Corona-Lockdown irgendetwas Positives abgewinnen kann, dann ist es vielleicht die Startverschiebung von “Harriet – Der Weg in die Freiheit”. Denn selten passte ein Film besser ins aktuelle Zeitgeschehen als jetzt Kasi Lemmons (“Eve’s Bayou”) Biografie-Drama über die amerikanische Ikone des Abolitionismus Harriet Tubman. Nicht nur wurde die Debatte um Rassendiskriminierung und “Black Lives Matter”-Bewegung vom gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd gewaltig angeheizt und produziert stündlich neue Schlagzeilen, sondern zusätzlich lässt der US-Präsident nahezu keine Gelegenheit aus um regelmäßig auch noch Öl ins Feuer zu gießen. Da passt es nur zu gut ins Bild, dass auch die noch von der Obama-Administration angeschobene Würdigung Tubmans durch ihre Abbildung auf der 20-Dollar-Note erst kürzlich von US-Finanzminister Mnuchin unter Anführung fadenscheiniger Gründe auf Eis gelegt wurde.

Also übernimmt diese Anerkennung jetzt eben Regisseurin Kasi Lemmons, die ja als Schwarze Frau auch nicht gerade dem Hollywood-Standard auf dem Regiestuhl entspricht und somit selbst eine gewisse Vorreiterrolle im Kampf um Gleichstellung einnimmt. Dass gerade ihr die Biografie von Harriet Tubman daher besonders am Herzen lag, ist nachvollziehbar. Geradezu erstaunlich aber ist es, dass mit ihr erst jetzt jemand auf die Idee gekommen ist, die packende Geschichte der legendären Freiheitskämpferin auf die Kinoleinwand zu bringen – vielleicht war die Zeit wirklich noch nicht reif dafür.

Lemmons katapultiert uns direkt in die Mitte des 19. Jahrhunderts, wo Minty Ross (Cynthia Erivo), die zukünftige Harriet, immer noch als Sklavin auf einer Farm im Sklaverei-Staat Maryland dient, obwohl schon ihrer Mutter die Freiheit mit deren 45. Geburtstag versprochen worden ist. Der aber ist schon 12 Jahre her und der Nachfahre ihres damaligen Besitzers will nun von der Abmachung nichts wissen, ja zerreißt sogar vor ihren Augen demonstrativ das einst zum Beweis ausgefertigte Dokument. Das reißt Minty den Boden unter den Füßen weg, die gerade den Freien John Tubman geheiratet hat und mit ihm in Freiheit eine Familie gründen wollte. Offensichtlich aller Rechte beraubt und obendrein von ihrem Besitzer Gideon Brodess (Joe Alwyn) zum Verkauf angeboten, fasst sie kurzerhand den Entschluss ins angeblich liberalere Philadelphia zu fliehen, das der Sklaverei eher skeptisch gegenübersteht und Schwarzen zumindest Grundrechte einräumt.

"Harriet - Der Weg in die Freiheit" Szenenbild (© 2019 Focus Features LLC. All Rights Reserved.)

(© 2019 Focus Features LLC. All Rights Reserved.)

Das alles inszeniert Lemmons anfangs ziemlich nüchtern, konzentriert sich hauptsächlich auf die Fakten und öffnet den Emotionen allenfalls bei Mintys seit einer Kopfverletzung in der Kindheit immer wieder auftretenden Visionen einer besseren Welt und bei der Konfrontation mit Gideon, den Joe Alwyn hier wunderbar verschlagen und fies gibt, die Tür. Und doch nimmt uns Cynthia Erivo überaus einfühlsam mit in die Welt ihrer Harriet, die genug hat von Mintys fremdbestimmtem Leben ohne Rechte und dies für immer hinter sich lassen will. Einmal auf der fast aussichtslosen Flucht ins nicht gerade um die Ecke liegende Philadelphia und verfolgt von Gideon und seinem beauftragten skrupellosen Sklavenjäger Bigger Long (Omar Dorsey) entwickelt sich das Drama aber schnell zu einem Abenteuer, das beinahe eine Spur zu spannend wird und dadurch die starke Persönlichkeit der Harriet ein wenig aus dem Fokus verliert.

Trotzdem erzählt uns Lemmons die spektakuläre Geschichte der Harriet Tubman unheimlich plastisch und kurzweilig, lässt auch historisch wichtige Details wie die Underground Railroad – ein von Schwarzen Unterstützern aufgebautes Netzwerk zur Flucht in sichere Staaten – nicht außen vor und schildert uns den Weg der Sklavin Minty zur furchtlosen Fluchthelferin Harriet, die mehr als 70 Sklaven in die Freiheit führte, völlig plausibel. Dass sie gerade bei den Befreiungsaktionen eher auf Spannungsbogen als auf Charakterstudie setzt, lässt den Streifen leider etwas verflachen, jedoch wird das durch das furiose Spiel von Cynthia Erivo und Joe Alwyn nahezu komplett wettgemacht.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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