Home Film„Jane Austen und das Chaos in meinem Leben“ – eine schön angerichtete RomCom

„Jane Austen und das Chaos in meinem Leben“ – eine schön angerichtete RomCom

Autor: Tobi

"Jane Austen und das Chaos in meinem Leben" Filmplakat (© Splendid Film)

Jane Austen und das Chaos in meinem Leben

Darsteller: Camille Rutherford, Pablo Pauly, Charlie Anson, Liz Crowther
Regie: Laura Piani
Dauer: 94 Minuten
FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website: www.jane-austen-und-das-chaos-in-meinem-leben.de
Facebook: facebook.com/splendidfilm
Instagram: instagram.com/splendidfilm
Kinostart: 16. Oktober 2025


Mit „Jane Austen und das Chaos in meinem Leben“ legt die französische Drehbuchautorin Laura Piani, die 2022 schon den Kurzfilm „Prudence Ledoux a le vent en poupe“ inszenierte, nun auch ihren ersten Langfilm als Regisseurin vor, für den sie auch das Buch verfasste. Um Bücher dreht sich auch das Leben der Protagonistin Agathe (Camille Rutherford), die im heimischen Frankreich in der auf englische Literatur spezialisierten Buchhandlung „Shakespeare and Company“ arbeitet, sehr belesen ist und daher den KundInnen für alle Lebenslagen und Geschenkempfänger das richtige Buch ans Herz legen kann. Und nicht nur dies, Agathe schreibt auch selbst und hat gerade mal wieder einen Roman angefangen, wobei sie ihre Werke bislang nie so richtig weiter verfolgt hat.

In ihrem Leben sieht es auch sonst nicht übermäßig zielstrebig aus. Wenn morgens ein männliches Wesen in ihr Bett krabbelt, dann ist es der Sohn ihrer Schwester Mona (Alice Butaud), leben die drei doch zusammen. Während diese allerdings immer mal einen One-Night-Stand mit nach Hause bringt, sieht es im Liebesleben von Agathe mau aus, und auch Arbeitskollege und bester Freund Félix (Pablo Pauly), der ein Mädel nach dem anderen verführt, vermag sie nicht zu mehr Aktivität in dieser Hinsicht zu bewegen.

Vielleicht aber in anderer, reicht er doch ohne Agathes Wissen das erste Kapitel ihres begonnenen Romans über einen dem Schnapsglas entsteigenden Verführer, den er bei einer Übernachtung auf ihrem Laptop entdeckte, bei einem Schreibwettbewerb ein. Mit diesem gewinnt sie einen Aufenthalt in der „Jane Austen Writers‘ Residency“ in England, in dem alten Landhaus, wo die berühmte Autorin einst lebte und arbeitete, und wo nun verschiedene SchreiberInnen an ihren Werken feilen.

Nach Zögern macht sich Agathe tatsächlich auf den Weg, und von einem innigen Kuss mit Félix beim Abschied am Hafen aufgewühlt kommt sie in England an, wo der versnobte Oliver (Charlie Anson) sie abholt, als Ur-Ur-Ur-Ur-Großneffe von Jane Austen nun Helfer im Anwesen des alten Veranstalter-Paares. Beth (Liz Crowther) und Todd (Alan Fairbairn) sind Nachkommen der Autorin und versuchen, ihr Erbe auch hierdurch zu erhalten, dass im schönen Haus, Garten und Ambiente Inspirationen für neue Werke fließen können. Während andere munter arbeiten, befindet sich Agathe allerdings in einer Schreibblockade, sehnt sich plötzlich nach Félix, der sich auf ihre Nachrichten nicht zurückmeldet, und kommt dem stocksteifen Oliver, den sie zunächst nicht ausstehen kann, nach und nach näher, was noch verwirrender ist.

"Jane Austen und das Chaos in meinem Leben" Szenenbild (© Splendid Film)

Kein Liebestöter, nur Schwerenöter: Félix (Pablo Pauly) glaubt fest daran, dass Agathe (Camille Rutherford) das Zeug zur großen Autorin hat.
(© Splendid Film)

„Jane Austen a gâché ma vie“ heißt der Film in Original, übersetzt „Jane Austen hat mein Leben ruiniert“. Ganz so ist es aber dann wohl doch nicht, war es doch eher der Unfalltod ihrer Eltern, bei dem sie einst einzig überlebend mit im Auto saß, der das etwas unterkühlt wirkende Auftreten von Agathe mitverursacht und sie geprägt hat. Die englische Literatur war dann eine willkommene Zuflucht, der Buchladen eine Art Zuhause – und nun sorgt der charmante, witzige Lebemann Félix für Bewegung an allen Fronten.

Warum nur musste er sie für den Schreibwettbewerb anmelden, und vor allem warum küsst er sie plötzlich so liebevoll? Agathe steht neben sich – und plötzlich in England vor dem schnöseligen Oliver, mit dem sie dann auch noch die Nacht im Auto verbingen muss, als dieses irgendwo im Wald auf dem Land abseits jeden Ortes seinen Geist aufgibt. Als sie dann mit der Apfel-Transport-Kutsche am nächsten Tag die „Jane Austen Writers‘ Residency“ erreicht, könnte alles besser werden, jedoch fremdelt Agathe nicht nur mit den ambitioniert an ihren Werken schreibenden MitbewohnerInnen, sondern auch mit eigener Kreativität. Und das, obwohl die liebevolle Beth und ihr vermehrt Demenzanzeichen offenbarender Gatte Todd sich Mühe geben, beste Gastgeber zu sein, mit gemeinsamen Mahlzeiten und viel Freiraum. Allerdings steht nicht nur ein Ball in historischen Gewändern mit auf dem Programm, sondern auch eine Lesung dessen, was man hier verfasst hat – und da ist bei Agathe halt gerade nichts, was sie ebenso belastet wie ihr ungewohnt aufgewühltes Gefühlsleben.

„Jane Austen und das Chaos in meinem Leben“ trifft es vom Titel her also eigentlich gut, und mit kleinen Anleihen an Motive aus Romanen der großen Autorin erzählt uns Laura Piani eine sehr nette Geschichte, die durch fein eingestreuten Humor auch einiges an Feel-Good-Wirkung mitbringt, auch wenn sich Agathe lange Zeit nicht so oft wirklich gut fühlt. Die Story weiß aber zu gefallen, ebenso wie das Schauspiel von Camille Rutherford, als in Paris geborene Tochter einer Französin und eines Briten bestens für die Rolle geeignet, die ebenso besticht wie Pablo Pauly, Charlie Anson und Liz Crowther. Schöne Bilder, tolle Musik von Peter von Poehl, die durch am Klavier gespielte Stücke noch bereichert wird, und Literatur-Reminiszenzen runden einen guten Film ab, der sich bestens anschauen lässt, nicht nur für Lese- oder RomCom-Freunde – und zum bevorstehenden 250. Geburtstag von Jane Austen am 16. Dezember 2025 passt er zudem noch.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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