Home Film“Jeunes Mères – Junge Mütter” – das Sozialdrama verknüpft geschickt und bewegend den Blick auf verschiedene Nöte junger Mütter

“Jeunes Mères – Junge Mütter” – das Sozialdrama verknüpft geschickt und bewegend den Blick auf verschiedene Nöte junger Mütter

Autor: Tobi

"Jeunes Mères – Junge Mütter" Filmplaikat (© Wild Bunch Germany)

Jeunes Mères – Junge Mütter

Darsteller: Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaina Halloy Fokan, Lucie Laruelle
Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Dauer: 106 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.wildbunch-germany.de/movie/jeunes-m%C3%A8res-junge-muetter
Facebook: facebook.com/wildbunch.filmlounge.de
Instagram: instagram.com/wildbunchfilmlounge
Kinostart: 5. März 2026


Das belgische Regie-Brüderpaar Jean-Pierre und Luc Dardenne konnte mit seinen gemeinsamen Filmen schon oft Aufsehen erregen und gewann viele Preise, darunter zweimal bereits die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes für „Rosetta“ (1999) und „Das Kind“ (2005), sowie Auszeichnungen für Werke wie „Lornas Schweigen“ (2008), „Der Junge mit dem Fahrrad“ (2011) oder „Zwei Tage, eine Nacht“ (2014). Auch für ihren neuesten Steifen „Jeunes Mères – Junge Mütter“ gab es bereits mehr als Lob, so zum Beispiel die Auszeichnung in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ beim Filmfestival von Cannes, wo auch der Preis der Ökumenischen Jury mit nach Hause genommen werden konnte.

Zum ersten Mal präsentieren die Brüder Dardenne eine Handlung, die eine ganze Reihe an Protagonistinnen mit ihren eigenen Geschichten vorstellt, nämlich fünf junge Frauen, die entweder schon Mutter geworden sind oder sich in ihrer Schwangerschaft befinden – und alle haben sie gemeinsam, dass ihr Leben nicht problemfrei verläuft. Ein Heim für junge Mütter in der Nähe der belgischen Stadt Liège dient hierbei als Verknüpfungspunkt der einzelnen Schicksale.

Die schwangere Jessica (Babette Verbeek) träumt schon lange davon, ihre leibliche Mutter kennenzulernen. Nachdem sie diese ausfinding machen konnte, steht ein erstes Treffen an, Mutter Morgane (India Hair) erscheint aber nicht, hat sie doch ganz eigene Probleme. Die erst 15-jährige Ariane (Janaïna Halloy Fokan) ist entschlossen, ihr Kind nach der Geburt zur Adoption freizugeben, was ihre Mutter Nathalie (Christelle Cornil) nicht akzeptieren will, die allerdings alkoholsüchtig nicht als wirkliche Hilfe auf Dauer überzeugen kann.

Bei Perla (Lucie Laruelle) geht es weit hoffnungsvoller zu, hat sie ihr Baby doch bereits entbunden und freut sich nun über die Entlassung seines Vaters aus der Haft, mit dem sie sich ein Familienleben ausmalt – aber nur kurz, bis er sich von ihr und dem Kind distanziert. Wirklich zusammengeschweißt sind hingegen Julie (Elsa Houben) und ihr Freund Dylan (Jef Jacobs), die beide mit ihrer Drogenvergangenheit abgeschlossen haben und nun am besten in einer eigenen Wohnung zusammenleben wollen – das junge Glück ist trotz eines Ausbildungsplatzes aber fragil. Erzählt wird das Ganze von Naïma (Samia Hilmi), die ebenfalls im Heim wohnt und sich über eine Praktikumsstelle als Zugbegleiterin freut.

"Jeunes Mères – Junge Mütter" Szenenbild (© Christine Plenus)

(© Christine Plenus)

Beim Filmfest Hamburg 2025 wurden die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne mit dem renommierten Douglas Sirk Preis geehrt, der an Persönlichkeiten vergeben wird, die einen besonderen Beitrag zur Filmkultur und zur Filmindustrie geleistet haben. Hierzu passt auch ihre neue Inszenierung „Jeunes Mères – Junge Mütter“, für die sie auch wieder das Drehbuch zusammen verfasst haben, wieder gut, verknüpft das Sozialdrama doch geschickt den Blick auf verschiedene Nöte und Hoffnungen junger Mütter, die allesamt nicht im besten Umfeld aufgewachsen sind.

Die Handlung kommt so realistisch daher, dass sie fast dokumentarisch wirkt, und manchmal muss auch nicht viel erzählt werden, um vertrackte Situationen zu verdeutlichen, manchmal reichen auch Schweigen oder eine studierende Nahaufnahme aus, lange Einstellungen, wieder mit Handkamera eingefangen, trocken serviert, ohne Filmmusik. Die gezeigten Schicksale wissen zu bewegen, auch wenn der eine oder andere Charakter einem missfallen könnte. Und das Gezeigte scheint fatal, denn man wird das Gefühl nicht los, dass sich das durchlebte Drama zu einem großen Prozentsatz wiederholen wird und die jungen Damen aus der Spirale des Elends trotz aller Vorhaben und Träume nicht heraus finden können, emotional noch mehr als finanziell.

Gespielt sind die Mädels ganz hervorragend, was besonders beeindruckt, wenn man bedenkt, dass es für Babette Verbeek und Samia Hilmi die ersten Filmrollen sind, für Lucie Laruelle die erste größere. „Jeunes Mères – Junge Mütter“ ist ein weiterer starker Film der Gebrüder Dardenne.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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