Home Film„Winter in Sokcho“ – berührende Identitätssuche einer jungen Koreanerin

„Winter in Sokcho“ – berührende Identitätssuche einer jungen Koreanerin

Autor: Mick

"Winter in Sokcho" Filmplakat (© Film Kino Text)

Winter in Sokcho

Darsteller: Bella Kim, Roschdy Zem, Park Mi-hyeon, Ryu Tae-ho
Regie: Koya Kamura
Dauer: 104 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.filmkinotext.de/winter-in-sokcho.html
Kinostart: 5. Februar 2026


Kulturelle Zerrissenheit ist das große Thema des französisch-japanischen Regisseurs Koya Kamura, der sich nicht zufällig für sein Spielfilmdebüt „Winter in Sokcho“ die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Elisa Shua Dusapin, auch sie als Franko-Koreanerin interkulturell aufgewachsen, vorgenommen hat. Da verwundert es auch keinesfalls, dass sowohl die mit deutlich erkennbaren autobiografischen Zügen versehene Vorlage als auch deren stimmungsvolle filmische Umsetzung eine junge Frau in den Mittelpunkt rücken, die sich im koreanischen Sokcho auf die Suche nach ihrer eigenen Identität macht.

Soo-Ha (Bella Kim), gerade vom Studium in Seoul ans Meer in ihre Heimatstadt Sokcho nahe der Grenze zu Nordkorea zurückgekehrt, weiß da nicht so richtig, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Vorläufig hilft sie beim verwitweten Herrn Park (Ryu Tae-ho) aus, der beim Betrieb seines altmodischen Hostels dringend Unterstützung benötigt. Dass sie sich nebenbei regelmäßig von ihrer Mutter (Park Mi-hyeon) für ihre wenig zielstrebige Lebensplanung kritisieren lassen muss, nimmt sie zwangsläufig in Kauf, denn die von der gewünschte baldige Hochzeit mit ihrem Influencer-Model-Freund, der für seine angestrebte Karriere in der Hauptstadt auch vor Schönheits-OPs nicht zurückschreckt, kommt für sie nicht infrage.

Als sie gerade wieder eine anstrengende Diskussion mit Mama überstanden hat, die sie einst allein großzog, weil Soo-Has französischer Vater damals bei seiner Rückkehr in die Heimat nichts von ihrer Existenz wusste, holt sie jedoch plötzlich ihre Vergangenheit ein. Mit dem Franzosen Yan (Roschdy Zem) nämlich zieht ein exotischer Gast in der Pension ein, dessen Betreuung ihr wegen ihrer Französischkenntnisse übertragen wird, und der auf sie schon wegen des etwa gleichen Alters wie ihr Vater eine merkwürdige Anziehungskraft ausübt. Dabei sucht der eigenbrötlerische Comiczeichner lediglich die Abgeschiedenheit und Inspiration der Küstenstadt um in Ruhe arbeiten zu können. Doch ihre Ortskenntnis und seine ausgestrahlte Faszination – bei der Materialbeschaffung im Laden muss er die richtige Tinte schmecken und das Papier erfühlen – lassen ihre Verbindung schon bald professionelle Grenzen überwinden, als Yan mit Soo-Has Hilfe die fremde Kultur in sich aufsaugt.

"Winter in Sokcho" Szenenbild (© Film Kino Text)

(© Film Kino Text)

Kamura wählt gedeckte Grautöne, wenn er uns bei der zarten Annäherung der beiden im tristen koreanischen Winter Soo-Has ganze Melancholie spüren lässt, die sich so gerne in eine Beziehung mit dem geheimnisvollen Fremden fallen lassen würde. Der lässt sich bei ihren Erkundungen Sokchos und der malerischen Bergkette auch durchaus auf intime Gespräche ein, nur um Soo-Ha danach immer wieder zurückzuweisen und sich wie besessen in seine Arbeit zu stürzen. Das beobachtet sie heimlich durch ein Deckenfenster seines Zimmers, ist von seinen getrieben gesetzten Pinselstrichen irritiert und verzaubert zugleich und weiß anschließend nur, dass ihr oberflächlicher Modelfreund dem allenfalls Sex entgegenzusetzen hat.

Keine einfache Situation für die von Bella Kim genauso sympathisch wie zurückhaltend gespielte Soo-Ha, die sich mit dem Auftauchen des interessanten Franzosen nicht nur auf eine Identitätssuche begibt, sondern von dem auch noch in ein wahres Gefühlschaos gestürzt wird. Verliert sie wie einst ihre Mutter ihr Herz an einen mysteriösen Fremden auf der Durchreise, oder will sie letztendlich nur die Wurzeln ihrer eigenen Existenz ergründen, wo sich ihre Mutter doch beharrlich in Schweigen hüllt? Regisseur Kamura jedenfalls fängt das Wachsen der jungen Koreanerin an ihren Erfahrungen in ruhigen Einstellungen feinfühlig ein und lässt uns auch mit eingeschnittenen, künstlerischen Illustrationssequenzen an ihrer inneren Verwirrung teilhaben, die seine Inszenierung immer wieder stimmig abrunden.

Kein Wunder also, dass uns die Begegnung der jungen Soo-Ha mit der Vaterfigur Yan alles andere als kalt lässt, auch wenn Kamura seine Romanverfilmung ganz ihrem Titel folgend in triste, frostige Atmosphäre taucht. Seine fein gezeichneten Figuren aber machen uns die Anteilnahme und nicht zuletzt die Beschäftigung mit der sinnlich präsentierten koreanischen Kultur wirklich leicht.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

Related Articles