
Joe Jackson
„Hope and Fury“
(Album, earMUSIC, 2026)
Nachdem sich Joe Jackson zuletzt auf dem stimmungsvollen Longplayer „Mr. Joe Jackson presents: Max Champion in ‚What A Racket!'“ (lies unsere Rezension hier) einem vergessenen Musiker widmete und uns mit ins 19. Jahrhundert nahm, veröffentlicht der 1954 geborene Brite nun mit „Hope and Fury“ wieder ein Album mit neuen eigenen Stücken.
Auch bei diesen haben wir im Lauf seiner langen Karriere – angefangen mit der Joe Jackson Band ab 1978 und solo ab 1982 – ja schon so einiges an Abwechslung geboten bekommen, von Swing, Jazz und Blues über Rock und Klassik bis zu Filmmusik und Pop. Vor allem in den 80er-Jahren eroberte Jackson hierbei mit Songs wie „Steppin‘ Out“, „You Can’t Get What You Want (Till You Know What You Want)“, „Is She Really Going Out With Him?“, „Slow Song“ oder „Breaking Us In Two“ die Herzen vieler Fans – und mit dem Album „Night And Day“ 1982 als größtem Erfolg auch die Top 5 der britischen wie US-Charts (bei uns in Deutschland Platz 11).

(© Frank Veronsk)
Nun also beschert er uns auf „Hope and Fury“ das erste Mal seit der Scheibe „Fool“ aus 2019 wieder neue Lieder, und zwar neun an der Zahl auf 35 Minuten. Dass er sich hierbei nicht nur zurücklehnt, die wenig rosige Gegenwart beiseite lässt und entspannte Tralala-Musik bietet, das war bei Mr. Jackson ziemlich klar und ist mit dem Wort „Fury“ (übersetzt Wut) im Titel der Scheibe bereits zu vermuten.
Wenn dann die erste Vorab-Single „Welcome to Burning-By-Sea“, die in ihrer Rhythmik an sein „Chinatown“ aus 1982 erinnert, als Opener direkt mit leicht schräger Progressivität voran treibt, in der Jackson inspiriert von Brighton und seiner Heimatstadt Portsmouth bitter-satirisch eine fiktive englische Küstenstadt besingt, die sinnbildlich für das ganze zerrüttete Land steht, dann unterstreicht dies seinen Ansatz. Gleiches gilt für das folgende, ebenfalls etwas harscher angelegte „I’m Not Sorry“ mit seinem eröffnenden „Hello cruel world, I’m not going away, so I might as well have my say“, in dem er mit reichlich Groove und Latino-Würze feststellt, dass viele das bekommen, was sie sich wünschen und somit dann auch verdienen, womit sie nicht zu bemitleiden wären.
Klanglich wird es in „Made God Laugh“ dann leichter, melodischer und schöner, welches auch ein kleines Gitarrensolo von Teddy Kumpel aufbietet, der ebenso mit Jackson im Studio war wie Langzeit-Begleiter Graham Maby am Bass und Schlagzeuger Doug Yowell, ergänzt durch Latin-Percussion des Peruaners Paulo Stagnaro. Inhaltlich zieht allerdings zunächst noch kein Sonnenschein auf, denn „The light comes on, the light goes out before we know what it’s all about. And some get weak, and some get strong, but one thing I know is we all go wrong.“
Nun gibt es aber nicht nur Fury, sondern auch Hope – und von Hoffnung, Optimismus und guter Laune ist der Longplayer durchaus auch geprägt. So kommt das ironische „Do Do Do“ fröhlich daher und auch witzig im Text, mit Zeilen wie „Me Me Me – when I look in the mirror it’s getting ever clearer, the best thing is to laugh. Me Me Me – this is the face I’m stuck with, I wish you lots of luck with your iPhone photograph.“
Im abwechslungsreich angelegten, zwischen softerem Rock und heiterem Pop angelegten „Fabulous People“, das ebenfalls vorausgeschickt wurde, wird geschildert, wie Billy nach Entdeckung seiner Homosexualität unter Gleichgesinnten glücklich wird und sich endlich unbeschwert fühlen kann.
Direkt ins Ohr geht auch die dritte Single, das im Midtempo melodisch ins Ohr fließende „After All This Time“ mit seinem stellenweise zweistimmigen Gesang, in dem zwar Differenzen in einer Beziehung geschildert werden, aber doch vorgeschlagen wird, es weiter miteinander zu versuchen und lange Aufgebautes nicht zu schnell wegzuschmeißen.
Auch das jazziger daher kommende „The Face“ ist weniger vom Frust geprägt, nur einer von vielen Übersehenen in der Masse zu sein, als vom Vorhaben, aus sich heraus zu gehen, präsenter zu sein und so mehr zu erreichen, auch für das eigene Selbstwertgefühl – mit feinen, abwechslenden Soli-Momenten von Piano und Gitarre versehen.
Dann wird es doch noch einmal düsterer, wenn „End Of The Pier“ zunächst schreckliche Erlebnisse aus dem Jahr 1922 schildert, harten, von Verlusten geprägten Zeiten, wobei es immernoch schöne Momente gab, wenn man am Ende des Pier zusammen sang. Dann spult der Song 100 Jahre vor, wo eigentlich alles einfacher sein sollte, aber Über-Digitalisierung, Verlust von sinnvollen Freizeitaufgaben und all die frustrierenden Nachrichten aus der Welt die Stimmung noch schlechter sein lassen, bis die Spaßangebote auf dem Pier in Feuer aufgehen – passend zum Albumcover.
Mit dem in Moll getränkten, mit Orchesterklängen zu sanft beschwingtem Latinorhythmus aufwartenden „See You In September“ über den wohl langweilisten Monat des Jahres, der hier sinnbildlich für den Herbst des Lebens steht, geht ein abwechslungsreiches, überzeugendes neues Album von Joe Jackson zu Ende, das sich sehr gut anhören lässt.
Hier ist Joe Jackson im Rahmen seiner Hope and Fury 2026 Tour live bei uns zu erleben:
28.10.26 Stuttgart, Liederhalle/Hegelsaal
31.10.26 Bremen, Metropoltheater
01.11.26 München, Circus Krone
02.11.26 Berlin, Admiralspalast
04.11.26 Essen, Lichtburg
05.11.26 Hamburg, Fabrik
07.11.26 Darmstadt, Staatstheater
09.11.26 CH-Zürich, Kaufleuten
16.11.26 A-Wien, Globe
17.11.26 Köln, Gloria (ausverkauft)
18.11.26 LUX-Luxembourg, den Atelier
joejackson.com
facebook.com/OfficialJoeJackson
Bewertung: 8 von 10 Punkten

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