
(© Tino Pohlmann / Heynstudios)
Nachdem Knorkator mit ihrem elften Studioalbum „Weltherrschaft für alle“ (lies unsere Rezension hier) Rang 7 und damit zum zweiten Mal hintereinander die Top Ten der deutschen Charts erklommen, mit dem sie etwas verspätet die Feierlichkeiten zum 30-jährigen Jubiläum der Band einläuteten, stand natürlich auch wieder eine Tour an. Auf dieser, passenderweise „Aller guten Dinge sind 30!“ betitelt, spielte die 1994 in Berlin-Köpenick gegründete Formation am Abend des 24. Januar 2026 in der Kölner Live Music Hall, und das vor ausverkauftem Haus.
Keine Frage also, dass Stumpen (Gesang), Alf Ator (Keyboard, Gesang), Buzz Dee (Gitarre), Rajko Gohlke (Bass) und Philipp Schwab (Schlagzeug) mit ihrer traditionellen Mischung aus oft humoristischem , aber auch mal mit Gesellschaftskritik versehenem Metal-Rock immer noch schwer angesagt sind, und diese verabreichten sie auch diesmal natürlich wieder und untermauerten hierbei ihren Ruf als besonderer Live-Act, der massig Spaß bereitet.
Ohne Vorband ging es überpünktlich los, und mit 19.45 Uhr war ja schon eine frühe Anfangszeit verkündet worden – denn hier stand ab 23 Uhr noch eine Party auf dem Programm und so mussten Knorkator bereits vor 22 Uhr enden. Dies war etwas suboptimal, um ehrlich zu sein, dann aber auch schon der einzige Wermutstropfen an einem ansonsten tollen Konzertabend.
Mit dem düsteren „Das Unheil“ vom neuen Album eröffneten die fünf Musiker den Abend, und den Fans in der proppevollen Halle wurde dann schnell klar, dass sie sich Live-Verstärkung ganz familiärer Art mitgebracht hatten, als nach dem witzig alterserkennendem „Halb voll“ und „Hardcore“, zu dem Sänger Stumpen mit einem Discokugel-Helm für besondere Lichteffekte sorgte, dann „Ich verachte Jugendliche“ von keinen anderen gesungen wurde als Stumpens Tochter Agnetha Ivers und Alf Ators Sohn Tim Tom Thomas – so wie auch schon in der auf dem aktuellen Album gebotenen Neuaufnahme.
Agnetha, unter dem Pseudonym Nethi inzwischen selbst als Musikerin aktiv, war bei mehreren Stücken gesanglich aktiv, als zweite Stimme, aber auch mal anstelle ihres stolzen Vaters, der ihr mehrfach Liebesbekundungen zuwarf. So sang Agnetha zum Beispiel den Klassiker „Weg nach unten“, was Tim Tom Thomas beim guten alten „Böse“ vergönnt war, der ansonsten vor allem als zusätzlicher Gitarrist mitrockte. So wurde das Ganze zu einer großen familiären Feier, was gut ankam, da beide ihre beachtlichen musikalischen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten und zu Recht hierfür von Stumpen mit Konfettiregen gefeiert wurden.
Neben den weiteren neuen Stücken „Steh auf“, „ISMUS“, „DMT“ und „Unkraut“ von der aktuellen Scheibe sowie den zusätzlich zu „Ich verachte Jugendliche“ und „Hardcore“ für diese ebenfalls neu eingespielten „Buchstabe“ und „Liebeslied“ als schöner Ballade gab es in der Setlist natürlich eine bunte Mischung von Songs aus den 30 Jahren Bandgeschichte, mal härter bretternd, mal getragener, mal ganz besonders strukturiert – typisch Knorkator eben. Vom Debütalbum „The Schlechtst of“ aus dem Jahr 1998 wurde neben „Böse“ auch „Konflikt“ gespielt, und über „Extrawurst“, „Ganz besonderer Mann“, „Alter Mann“ und „Für meine Fans“ steuerte das Konzert dem Finale entgegen, wobei neben dem auch mit 62 Jahren immer noch energetisch mächtig abgehenden Stumpen und dem erwähnten Nachwuchs auch Alf immer wieder mal sang, dazu in den Liedpausen einiges passierte.
Mal unterhielt Stumpen die gutgelaunten Fans mit witzigen Dinge, mal wurde der 5 Euro zahlende Carsten aus ihren Reihen zum Sparringspartner für einige Interaktionen, mal wurde der junge Teenager Robin aus dem Publikum auf die Bühne geholt und dann über Stumpen als Brücke auf die Hände der Masse befördert, um dort dreimal hochgeworfen zu werden. Eine amtliche Lightshow kennt man von den meisten Bands, aber was Knorkator zusätzlich noch so alles live verabreichen ist immer wieder besonders.
Nach „Du nich“ und „Warum“ verließen dann alle bis auf Stumpen die Bühne, der als erste Zugabe mit dem zurückzitierten Buzz Dee eine akustische Version von „Der ultimative Mann“ zum Besten gab. Mit der sarkastischen Hymne „Wir werden alle sterben“ und dem perfekten Abschlusssong „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“ wurde ein über zweistündiges Konzert beendet, das wieder hervorragend zu unterhalten wusste und zurecht entsprechend gefeiert wurde. Auch nach mehr als 30 Jahren rocken Knorkator noch bestens ab.
Hier sind Knorkator auf ihrer „Aller guten Dinge sind 30!“-Tour noch live zu erleben:
30.01.2026 Erfurt – Central Club (ausverkauft)
31.01.2026 Löbau – Messepark
06.02.2026 Hamburg – Große Freiheit 36 (ausverkauft)
07.02.2026 Bremen – Schlachthof (ausverkauft)
08.02.2026 Potsdam – Waschhaus (Zusatzkonzert, ausverkauft)
12.02.2026 Magdeburg – Factory (Zusatzkonzert)
13.02.2026 Magdeburg – Factory (ausverkauft)
14.02.2026 Hannover – Capitol (ausverkauft)
26.02.2026 A-Graz – P.P.C.
27.02.2026 A-Wien – Arena
28.02.2026 Stuttgart – LKA Longhorn (ausverkauft)
05.03.2026 Saarbrücken – Garage
06.03.2026 Dortmund – FZW (ausverkauft)
07.03.2026 Memmingen – Kaminwerk
13.03.2026 Rostock – Moya (ausverkauft)
14.03.2026 Leipzig – Haus Auensee
20.03.2026 Berlin – Columbiahalle (ausverkauft)
21.03.2026 Berlin – Columbiahalle (ausverkauft)
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Links:
Website von Knorkator
Website der Live Music Hall Köln
