
Kraftwerk live in Düsseldorf 2025 (Foto: © Tobias Matkowitz)
Mit einer Kulisse wie in Dresden 2024 oder Wien in diesem Jahr, wo zur Musik Großbild-Projektionen auf die Semperoper und das Schloss Schönbrunn geworfen wurden, kann die Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf sicher nicht mithalten, aber zum einen war es kurz vor Weihnachten und somit beileibe keine Open-Air-Saison, als Kraftwerk zum ersten von zwei schnell ausverkauften Konzerten am Abend des 14. Dezember 2025 antraten, zum anderen handelt es sich um ihre Heimatstadt, womit Gigs hier immer etwas Besonderes sein dürften – auch wenn man dies nicht sonderlich merkt.
Daran, dass das Konzert der 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründeten Band auch in der Halle ein Erlebnis werden würde, hatten eingefleischte Fans keinen Zweifel, sind ihre Auftritte doch schon sehr lange weit mehr als Musik, multimedial mit Computer-Animationen und Videoinstallationen und stoischer Performance-Kunst – und so war es auch hier, wo die Herren um Punkt 20 Uhr pünktlich die Bühne betraten und sich an ihre Geräte stellten.
Der 2020 verstorbene Florian Schneider gehörte schon seit 2009 nicht mehr zur Band, und so ist der 2014 samt ihm mit dem „Lifetime Achievement Award“-Grammy ausgezeichnete Ralf Hütter nun zusammen mit dem seit 1991 zur Formation gehörenden Henning Schmitz, Falk Grieffenhagen (seit 2012) und Georg Bongarts (seit 2023) unterwegs. Mit ihnen hält er die 2021 in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommene Legende Kraftwerk gekonnt am Leben.

Kraftwerk live in Düsseldorf 2025 (Foto: © Tobias Matkowitz)
Natürlich waren hier einige – und man weiß nicht wirklich, wie viele, es könnten auch die meisten sein – der Elektro-Klänge so vorbereitet, dass sie nur abgerufen bzw. gestartet anstatt live gespielt werden mussten, aber das Ganze war eine großartige Show, bei der ein glasklarer, gefangen nehmender, synthetischer Sound, wie man ihn so perfekt bei kaum einem anderen Live-Act findet, mit einem besonderen optischen Erlebnis gekoppelt wurde, was zu faszinieren wusste und einen mit seinem Druck in Bewegung brachte.
In mit passend zum jeweiligen Szenario verschiedenfarbig leuchtenden LED-Streifen besetzten, schwarzen Overalls standen die „Jungs“ über die gesamte Konzertdauer abgesehen von den Händen, mit denen vielleicht dann doch moduliert, gemixt oder Klänge live gespielt wurden, ziemlich bewegungslos an ihren ebenfalls illuminierten Geräteständern vor einer riesigen Videowand, und zu jedem Stück gab es bestens abgestimmte Bilder. Diese waren ein wichtiger Bestandteil des Live-Erlebnisses, mal avantgardistisch wild, mal mit Wörtern und Zahlen die Songs unterstützend, mal animierte Clips einspielend, mal aber auch alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen – Abwechslung wurde geboten, auf geschätzten sechs Metern Höhe und etwa 25 Metern Breite in bester Qualität … was für eine visuelle Pracht mit den leuchtenden Protagonisten davor!
Die Stimmung im Saal war dann auch von Anfang an bestens. Eröffnet wurde der Abend mit einem Mix aus „Nummern“, „Computerwelt“ und „Computerwelt 2“, und über „Heimcomputer“ zusammen mit „It’s More Fun To Compute“ und „Spacelab“ – zu dem auf der Leinwand ein UFO langsam auf Düsseldorf zuflog und schließlich vor der Mitsubishi Music Halle landete – ging es weiter. Über „The Man-Machine“ und das spätere – wir reden hier von 1986 – „Electric Café“ modulierte sich die Setlist bis zu den großen Klassikern wie „Autobahn“, „Computer Liebe“, „Das Model“, „Radioaktivität“ und „Tour de France“, die in mehreren Etappen vom Klassiker bis zu den modernen, technoiden Zusätzen zelebriert wurde, so wie auch einige weitere Stücke wie „Vitamin“ oder „La Forme“ aus dem bislang letzten Album „Tour de France Soundtracks“ von 2003.

Kraftwerk live in Düsseldorf 2025 (Foto: © Tobias Matkowitz)
Mit dem Cover des Filmmusik-Titels „Merry Christmas Mr. Lawrence“ gab es passend zur Zeit eine kleine Hommage an den 2023 verstorbenen Ryūichi Sakamoto, und auch nur hier richtete Hütter mal ein paar Worte ans Publikum und wurde sogar etwas sentimental, als er davon erzählte, wie er den japanischen Komponisten und Musiker 1981 beim ersten Konzert in Tokio kennenlernte, der dann ein Freund wurde, ihnen 2012 auch die Worte für eine japanische Version von „Radioaktivität“ lieferte. Ansonsten lieferte das 79 Jahre alte Gründungsmitglied den menschlichen Gesang, der neben jeder Menge Computerstimme auch oft zu hören war – also zumindest so viel ist live.
Gegen Ende ließen Kraftwerk dann den „Trans-Europa Express“ durch Düsseldorf rollen, um mit „Planet der Visionen“ und einer Fusion aus „Boing Boom Tschak“, „Techno Pop“ und „Musique Non Stop“ von besagtem Album „Electric Café“ von der Bühne zu gehen und als Zugabe „Die Roboter“ zu bringen, die natürlich nicht fehlen dürfen. Besondere Spielereien wie Roboter auf der Bühne, den Taschenrechner als auch für Fans in erster Reihe mal zu drückendes Klangsteuerungsgerät oder auch 3D-Bilder für mit Brille ausgestattetes Publikum – alles schon erlebt – blieben diesmal aus, und doch war die 135-minütige Show wieder überzeugend. Und dass eine Band, die 1986 und 2003 ihre letzten beiden Alben mit neuer Musik veröffentlicht hat, immernoch weltweit die Hallen ausverkauft, das sagt ja eigentlich alles. Kraftwerk sind Legenden und ihre elektronische Musik – live immer auf den Zeitgeist abgemischt – ist einfach nur zeitlos und wird im Rahmen einer fetten, modernen Multimedia-Show immernoch bestens verabreicht.

Kraftwerk live in Düsseldorf 2025 (Foto: © Tobias Matkowitz)
Weitere Live-Termine von Kraftwerk bei uns, bevor es 2026 für die Band nach Asien und Großbritannien geht:
15.12.2025 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
17.12.2025 CH-Bern, Festhalle
20.12.2025 München, Zenith
21.12.2025 A-Salzburg, Großes Festspielhaus
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Links:
Website von Kraftwerk
Website der Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf

