
Blue Moon
Darsteller: Ethan Hawke, Bobby Cannavale, Andrew Scott, Margaret Qualley
Regie: Richard Linklater
Dauer: 101 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.bluemoonfilm.de
Facebook: facebook.com/SonyPicturesGermany
Instagram: instagram.com/SonyPictures.de
Kinostart: 26. März 2026
Den Musical-Texter Lorenz „Larry“ Hart kennen Genre-Liebhaber als Hälfte des für diverse Broadway-Stücke und Musik in Filmen verantwortlichen Duos Rodgers und Hart, wo er an der Seite des Komponisten Richard Rodgers für berühmte Lieder wie „My Funny Valentine“ oder „The Lady Is a Tramp“ (beide aus „Babes in Arms“ 1937) oder – einzig nicht aus einem Musical stammend – „Blue Moon“ (1933) mitverantwortlich war. Fast 30 Musicals haben wir den beiden zwischen 1919 und 1943 zu verdanken.
Der Film „Blue Moon“ nimmt uns nun mit ans Ende der Partnerschaft ins Jahr 1943, wo der 47-jährige Hart (Ethan Hawke) am Abend des 31. März in der New Yorker Bar „Sardi’s“ sitzt, zunächst nur mit dem Barmann Eddie (Bobby Cannavale) und Pianospieler Morty (Jonah Lees). Bald soll es hier voll werden, wird später doch die umjubelte Premiere des Musicals „Oklahoma!“ gefeiert. Da Richard Rodgers dieses allerdings nicht mit dem sich durch diverse Alkoholabstürze auf das Abstellgleis bugsierten Hart geschrieben hatte, sondern mit Oscar Hammerstein II als neuem Texter, war der von dieser Tatsache ebenso wie vom offensichtlichen Zuspruch des Publikums für das seiner Meinung nach nicht allzu niveauvolle Stück gekränkte Hart der Premiere entflüchtet.
Nun sitzt er also am Tresen und bestellt neben Wasser auch einen alkoholischen Drink, den ihm Eddie nur unter Protest und der Zusicherung hinstellt, dass der inzwischen trockene Texter ihn in Erinnerung an alte Zeiten lediglich anschaut, aber nicht anrührt. Was folgt, ist größtenteils ein Monolog von Hart über seine Karriere, über Rodgers, über „Oklahoma!“, über die Welt und auch über die angehimmelte, erst 20-jährige Kunststudentin Elizabeth, die er als angehende Produktionsdesignerin kennengelernt hatte und mit der er ein Wochenende verbrachte. Dieses gipfelte zwar nicht in einer körperlichen Romanze, aber diese malt er sich für den späteren Abend aus, hat er sie doch auch hierhin eingeladen.
Und so sind es dann auch nicht nur ein Blumen-Lieferbote und Autor E. B. White (Patrick Kennedy) als weiterer Gast, die zur kleinen Runde stoßen, sondern später dann wie erwartet Elizabeth (Margaret Qualley) und Rodgers (Andrew Scott) samt Hammerstein II (Simon Delaney) und größerer Entourage. Während diese den Premierenerfolg feiern wollen und auch hochlobende Pressestimmen nach und nach eintrudeln, versucht Hart, sich den nicht komplett abweisenden, aber bestimmt auf heute anderen Fokus und Harts erlebte Verfehlungen hinweisenden Rodgers zu schnappen, um mit ihm ein kommendes Projekt anzudiskutieren, von dem er sich ein sicheres Comeback verspricht.

Lorenz Hart (Ethan Hawke)
(© 2026 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH)
Mit „Blue Moon“ bietet Regisseur Richard Linklater ein fast komplett in der Bar stattfindendes Kammerspiel, das vor allem vom imposanten Schauspiel des großartig agierenden Ethan Hawke und seinen durchaus sinnreichen und interessanten Ausführungen als Lorenz Hart lebt, was Hawke immerhin eine Oscar®-Nominierung als „Bester Hauptdarsteller“ einbrachte, ebenso wie Robert Kaplow für das beste Originaldrehbuch. Diverse weitere Nominierungen auf Festivals gingen hiermit einher, und auch einige Auszeichnungen, wie der Silberne Bär auf der Berlinale für Andrew Scott als bester Nebendarsteller, der so wie auch Bobby Cannavale und Margaret Qualley ebenfalls zu überzeugen weiß.
Inspiriert von Briefen, die Elizabeth Weiland an Scott schrieb, sehen wir keinen kompletten Monolog, kommen doch auch Eddie, Morty, White, Rodgers und eben selbige Elizabeth zu Wort, vor allem aber redet Scott. Diesen bewundert man für seine Eloquenz und seine gut durchdachten Ausführungen ebenso wie für seinen Optimismus, er tut einem aber auch leid in seiner Situation an diesem Abend, wo er im Trubel um „Oklahoma!“ nicht einmal eine Nebenrolle spielt, in seinem Schmachten für die wohl eher doch unerreichbare junge Schönheit und in seiner Inkonsequenz in puncto Alkohol.
Am Ende erfahren wir, dass es 1943 tatsächlich noch zur von Hart hier vorgeschlagenen Neuauflage des 1927er-Musicals „A Connecticut Yankee“ kommen sollte, bevor er tragischerweise nach einem Alkohol-Rückfall nur fünf Tage nach der Premiere am 22. November verstarb. Der in Echtzeit einen ganz speziellen Abend bietende, durchaus unterhaltsame „Blue Moon“ setzt ihm ein filmisches Denkmal.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten

