Home Film„Pillion“ – ein interessantes, unterhaltsames Drama über Glücksgefühle durch Unterwürfigkeit

„Pillion“ – ein interessantes, unterhaltsames Drama über Glücksgefühle durch Unterwürfigkeit

Autor: Tobi

"Pillion" Filmplakat (© Weltkino Filmverleih)

Pillion

Darsteller: Harry Melling, Alexander Skarsgård, Douglas Hodge, Lesley Sharp
Regie: Harry Lighton
Dauer: 107 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: weltkino.de/filme/pillion
Facebook: facebook.com/WeltkinoFilmverleih
Instagram: instagram.com/weltkinofilmverleih
Kinostart: 26. März 2026


Wenn „Pillion“ als DomCom beworden wird, dann versteht man hinterher erst so richtig, wie perfekt dieser Begriff zum Spielfilmdebüt des britischen Regisseurs Harry Lighton passt, der hierfür das Drehbuch auf Basis des Romans „Box Hill“ von Adam Mars-Jones geschrieben hat. Dieser erschien mit dem Untertitel „A Story of Low Self-Esteem“, wobei das geringe Selbstwertgefühl hier zu einem überraschend erfüllenden Abhängigkeitsverhältnis führt, über dessen Wirkung man sich wundert, wenn einen der Streifen in die für viele nicht vertraute Welt von BDSM mitnimmt.

Als der zurückhaltende Colin (Harry Melling) in einem britischen Pub den in schicker Lederkluft daherkommenden, attraktiven Biker Ray (Alexander Skarsgård) kennenlernt, verknallt er sich umgehend und freut sich über die Einladung zu einem Treffen. Was sich hier noch zu einer homoerotischen RomCom hätte entwickeln können, wird dann aber schnell zu besagter DomCom, hat der wortkarge Ray doch keine Lust auf ein wirkliches Kennlern-Date, sondern lässt sich nur rasch in einer Gasse einen blasen, ohne emotional auch nur einen Hauch zurück zu geben.

Diese erste Erniedrigung aber gefällt Colin, und so ist er froh, zum herumkommandierten Knecht von Ray zu werden, für den er den bald den Haushalt schmeißt und stets für sexuelle Befriedigung zur Verfügung steht, auch wenn er statt mit ihm im Bett nur auf dem Boden davor schlafen darf. Immer wieder mal ist Colin durchaus überrascht über Rays emotionslose Befehle, aber nie niedergeschlagen – im Gegenteil, die neue Unterwürfigkeit erzeugt bei ihm jede Menge Glücksgefühle, was auch seine natürlich skeptischen und perplexen Eltern (Lesley Sharp und Douglas Hodge) erkennen und respektieren müssen.

"Pillion" Szenenbild (© ELEMENT PICTURES PLN LIMITED, BRITISH BROADCASTING CORPORATION AND THE BRITISH FILM INSITUTE, 2025)

Colin (Harry Melling) und Ray (Alexander Skarsgård)
(© ELEMENT PICTURES PLN LIMITED, BRITISH BROADCASTING CORPORATION AND THE BRITISH FILM INSITUTE, 2025)

Bei seiner Weltpremiere im Rahmen der Filmfestspielen von Cannes wurde „Pillion“ mit dem Drehbuchpreis in der Sektion „Un Certain Regard“ geehrt, und mit insgesamt vier Auszeichnungen (darunter dem Hauptpreis „Best British Independent Film“) war er der erfolgreichste Streifen bei den British Independent Film Awards (BIFA).

Ja, Harry Lightons Debüt weiß zu gefallen, und das selbst, wenn einem die gezeigte Welt komplett fremd ist und man sie in Teilen sogar als abstoßend empfinden sollte. Man mag vielleicht kein Verständnis entwickeln können für Rays teilweise so fies wirkenden Erniedrigungen, wenn man dann aber in das hierdurch viel glücklichere Gesicht von Colin schaut, der vorher eher ein Mauerblümchendasein fristete und nun aufzublühen scheint, dann bereitet einem das Ganze doch wieder ein gutes Gefühl.

Diese Wirkung ist sehr interessant, neben einer insgesamt durchaus unterhaltsamen Handlung, die Colin einiges erleben lässt, ob er Teil der Gang von Ray wird neben anderen Unterwürfigen, mit denen er sich dann beim Grillen in der Natur auch einfach mal verkehrsbereit mit nacktem Hintern über Tische drapiert, oder es ihm gelingt, seinem Gebieter Anflüge von Gefühlen zu entlocken. Diesen bringt er dann tatsächlich auch mal mit ins Elternhaus, wo er bislang lebte, und überredet ihn mehr oder weniger zu einem freien Tag, an dem das Machtgefüge mal zurückgeschraubt wird und sich fast wie eine gleichberechtigte Beziehung anfühlt.

So wird die im Vergleich zur Romanvorlage zum Beispiel in diesem Punkt etwas abgewandelte, stets gut gespielte Geschichte sogar noch etwas warmherzig, und das teilweise durchaus explizite Drama „Pillion“ bleibt einem als Story sehr ungewöhnlicher Selbstverwirklichung und Erstarkung in der Unterwürfigkeit, der auch eine Portion Leichtfüßigkeit mitschwingt, positiv im Gedächtnis.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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