Home Film„Mercy“ – der lange gut gemachte Thriller baut am Ende etwas ab

„Mercy“ – der lange gut gemachte Thriller baut am Ende etwas ab

Autor: Tobi

"Mercy" Filmplakat (© 2025 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH)

Mercy

Darsteller: Chris Pratt, Rebecca Ferguson, Annabelle Wallis, Kali Reis
Regie: Timur Bekmambetow
Dauer: 101 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.MercyFilm.de
Facebook: facebook.com/SonyPicturesGermany
Instagram: instagram.com/SonyPictures.de
Kinostart: 22. Januar 2026


Für die Voraussage, dass die Künstliche Intelligenz in noch weit mehr Bereiche unseres Lebens eingreifen wird, muss man kein Prophet sein, viel zu schnell haben sich diese Techniken in den letzten Jahren entwickelt. So spielt „Mercy“ von Regisseur Timur Bekmambetow dann auch nicht in ferner Zukunft, sondern im Jahr 2029, in dem zumindest in den USA Cops auch mal auf Drohnen durch die Gegend fliegen und Justizprozesse in Los Angeles neuerdings teilweise von der „Mercy“-Behörde abgewickelt werden, wobei Angeklagte nicht mehr vor ein übliches Gericht mit menschlichem Richter und Geschworene treten, sondern einer KI Rede und Antwort stehen müssen, die dann über ihr Schicksal entscheidet.

Ein anfängliches Video erläutert uns den Nutzen der neuen Errungenschaft in einer Zeit, in der die Kriminalität in L.A. so ausgeartet ist, dass es sogar schon „rote“ Sperrzonen gibt, die von der Polizei aufgegeben wurden und in denen Chaos herrscht. Wie sich herausstellt, sitzt nun aber mit Chris Raven (Chris Pratt) ausgerechnet ein Cop an einen modernen Stuhl gefesselt im „Mercy“-Vollzugsraum und schaut sich das Erklärungsvideo an – er, der selbst einen Verbrecher schon hierhin brachte, der dann auch direkt am Ende seiner Verhandlung durch Stromschlag exekutiert wurde.

Dem aus einem Vollrausch erwachten Chris stellt sich auf einer großen Bildschirmwand KI-Richterin Maddox (Rebecca Ferguson) vor mit der Aufklärung, er sei des Mordes an seiner Frau angeklagt. Dazu gibt es die Ansage, er habe nun eineinhalb Stunden Zeit, sie von seiner Unschuld zu überzeugen oder zumindest so weit Zweifel zu schüren, dass seine stets angezeigte Wahrscheinlichkeit, der Mörder zu sein, unter 92% sinkt, so dass er nicht direkt hingerichtet wird.

Dass er seine geliebte Frau umgebracht haben soll, bestreitet Chris natürlich, kann sich aber leider auch nicht an vieles der letzten Nacht erinnern. Somit konfrontiert ihn Maddox mit den existierenden Indizien, wie dem Video, wie er volltrunken gegen den Willen seiner Gattin Nicole (Annabelle Wallis) in das gemeinsame Haus „einbrach“, dem Messer als Tatwaffe, das seine Fingerabdrücke trug, und ihrem Blut an seiner Kleidung. Kein Wunder, dass sein Schuldwert gerade bei 97,5% liegt – und Maddox erklärt, dass 98% hier die Maximalzahl im System sei. Raven darf nicht nur Fragen beantworten, sondern auf alle vorliegenden Materialien wie verschiedene Videos zugreifen, um sich selbst ein Bild über die Geschehnisse zu machen. Er bindet zudem seine Cop-Partnerin Jacqueline Diallo (Kali Reis) ein, die nun für ihn in Windeseile Ermittlungen anstellt – denn der Countdown der 90 Minuten zählt rechts oben auf der Wand längst herunter.

"Mercy" Szenenbild (Foto von: Justin Lubin © 2025 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.)

Chris Pratt als Chris Raven
(Foto von: Justin Lubin © 2025 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.)

Timur Bekmambetow machte sich nicht nur als Regisseur von Filmen wie „Wanted“ (2008), „Abraham Lincoln Vampirjäger“ (2012) oder der 2016er-Adaption von „Ben Hur“ einen Namen, sondern vor allem auch als Produzent, wo er das noch recht neue Genre der Desktop-Filme als Pionier mitprägte. In diesem sieht der Zuschauer vor allem Bildschirminhalte, gerne in Echtzeit. Nach von ihm mitproduzierten Streifen dieser Machart wie „Unknown User“ (2014) oder „Searching“ (2018) beschert er uns mit „Mercy“ nun als Regisseur einen, der ähnlich angelegt ist – und zu den Produzenten gehört er auch wieder.

Chris sehen wir zwar in seinem Stuhl vor der Leinwand, über diese aber sind es vor allem Videos, die uns auf dem Laufenden halten, ob aufgenommenes Material von Überwachungskameras, Social Media Inhalte oder der Videocall mit Partnerin „Jaq“. Das wirkt zusammen mit der Thematik modern und sorgt in der Hektik des heruntertickenden Countdowns für temporeichen Stoff, der gut geschnitten serviert wird – und da es noch zusätzliche Bildschirme im Raum gibt, wirkt Chris manchmal wie mitten in der Handlung, hin und wieder auch etwas zu viel.

Das Szenario einer KI-Richterin wirkt alles andere als unrealistisch, und die bemannten Einsatzdrohnen der Polizei, die zudem noch schnittig aussehen, scheinen nicht fern. So lassen wir uns gerne auf die Situation ein, sind dann erst einmal überrascht davon, dass Chris doch in der Ehe trotz seiner Liebesbekundungen alles andere als ein Unschuldslamm war, hegen selbst schon Zweifel an ihm, fiebern dann aber mit, wenn er im Rahmen der stark limitierten Möglichkeiten alles gibt, um nicht nur seine Exekution zu verhindern, sondern vor allem den Mord aufzuklären.

Etwa zu zwei Dritteln weiß uns der Film, in dessen Fokus Chris Pratt als verzweifelter, aber nicht hoffnungsloser und vor allem ideenreich aus seinem Stuhl diverse Hebel in Bewegung setzender Angeklagter sowie Rebecca Ferguson als kühle, sachliche KI-Richterin ansprechend spielen, so ordentlich zu unterhalten, ab und an auch zu fesseln. Dann aber verliert der Streifen gegen Ende einiges seiner Logik und schwimmt dann doch zu sehr in vorhersehbarem Fahrwasser. Insgesamt aber ist „Mercy“ ein Thriller, den man sich gut anschauen kann.

Trailer:

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

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