Home Film„Ungeduld des Herzens“ – Stefan Zweigs Drama gut in die Gegenwart übersetzt

„Ungeduld des Herzens“ – Stefan Zweigs Drama gut in die Gegenwart übersetzt

Autor: Tobi

"Ungeduld des Herzens" Filmplakat (© W-FILM)

Ungeduld des Herzens

Darsteller: Ladina von Frisching, Giulio Brizzi, Livia Matthes, Thomas Loibl
Regie: Lauro Cress
Dauer: 104 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.wfilm.de/de/ungeduld-des-herzens
Facebook: facebook.com/wfilmdistribution
Instagram: instagram.com/wfilmdistribution
Kinostart: 5. Februar 2026


Mit „Ungeduld des Herzens“ beschert uns der deutsche Regisseur Lauro Cress seinen ersten Langfilm, und für diesen hat er im Drehbuch zusammen mit Florian Plumeyer den gleichnamigen Roman des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig aus dem Jahr 1939 in die heutige Zeit überführt, inhaltlich leicht abgewandelt. Hierfür gab es schon vor dem eigentlichen Kinostart einiges an Anerkennung, gewann der Film doch beim Filmfestival Max Ophüls Preis den Hauptpreis als bester Spielfilm sowie die Schauspielpreise für die Hauptdarsteller Giulio Brizzi und Ladina von Frisching, und beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern gab es ebenfalls mehrere Auszeichnungen, darunter den Hauptpreis Fliegender Ochse für den besten Spielfilm sowie den Preis für den besten Schauspielnachwuchs. Weitere Ehrungen gab es bei den Biberacher Filmfestspielen mit dem Publikums-Biber und Debüt-Biber sowie dem Neiße-Filmfestival als „Bester Spielfilm“ und für die „Beste Hauptrolle“ (Giulio Brizzi), und Ladina von Frisching wurde zudem beim First Steps Award mit dem Götz George Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Giulio Brizzi sehen wir als Isaac Nasic, der sich nach der Trennung seiner Eltern für ein Wachbataillon der Bundeswehr verpflichtet hat, da er der Ansicht ist, die dort gelehrte Disziplin tue ihm gut. Während er mit der vermutlich aus Italien stammenden Mutter hin und wieder auf Italienisch telefoniert und von ihr wohl auch seine Liebe für den AS Rom hat, dessen Fahne in seiner Bude hängt, gab es vom Vater, der die Familie verlassen hat, nicht viel mehr als eine Sprachnachricht, dass er mit der Soldatenfunktion ja immerhin etwas Sinnvolles mache. Offensichtlich frustriert ihn dies so, dass er manchen erzählt, sein Vater wäre auch bei der Bundeswehr gewesen und in Afghanistan gefallen.

Bei einem Bowling-Abend mit einer Clique aus seinem Bataillon lernt er an der Bar die kühl und etwas eingebildet wirkende Ilona (Livia Matthes) kennen und über sie dann auch ihre Schwester Edith (Ladina von Frisching). Als Isaac diese vom Platz hochziehen möchte, stürzt sie, und inmitten aufkommender Wut anderer Anwesender begreift er erst, dass sie eigentlich im Rollstuhl sitzt. Wie er weiter erfährt, hat er soeben die Töchter des erfolgreichen Geschäftsmanns Schwarz (Thomas Loibl) kennengelernt, dem auch das Bowling-Etablissement gehört.

Um sich bei Edith zu entschuldigen, besucht Isaac am nächsten Tag mit einem Blumenstrauß die schicke Villa ihrer Familie. Als die Gehbehinderte ihm, der mit seinem Motocross-Rad gekommen ist, von ihrer Liebe zu diesem Rennsport berichtet und davon, dass sie erst seit einem Unfall nicht mehr Laufen kann, wächst das Mitleid in ihm. Auch wenn er eine unverblümte Einladung der als Unternehmensberaterin ständig in Telefonaten hängenden Ilona für einen kleinen Quickie nach dem nächsten Call nicht ablehnt, fühlt er sich in Folge dann doch zu Edith hingezogen, der er auch auf dem Klavier vorspielt oder sie am See ins Wasser trägt. Nach ihrem nachdenklichen Geständnis „Manchmal habe ich mir gewünscht, dass ich beim Unfall gestorben wäre“ und seiner Antwort „Sowas darfst du nicht sagen“ kommt es dann zum ersten Kuss.

"Ungeduld des Herzens" Szenenbild (© W-FILM)

Auf einem Motocross-Wettbewerb schiebt Isaac Edith den ganzen Tag über das Gelände – ein Versuch, Normalität zu inszenieren, der ihre Abhängigkeit nur verstärkt.
(© W-FILM)

Der gerne herumprollenden Clique vom Bund widerum erzählt er, Edith habe sich irgendwie in ihn verliebt, er stehe aber nicht auf sie. Hier ziehen also durchaus Probleme auf, die dann noch weit größer werden, als Vater Schwarz ihr eine Stammzellenbehandlung in Polen verweigert, die 20% Chance bergen soll, dass sie wieder laufen könnte. Das will Isaac nämlich so nicht akzeptieren, der langsam aber sicher die Orientierung und auch den Halt in seinem Freundeskreis verliert.

Lauro Cress hat Zweigs „Ungeduld des Herzens“ durchaus ansprechend in die Gegenwart überführt. Statt des junge Leutnants Anton Hofmiller steht hier nun der im Wachbataillon stationierte Isaac Nasic im Fokus, der nicht auf das Schloss des ungarischen Magnaten Lajos von Kékesfalva eingeladen wird, sondern in Reue seines Fauxpas‘ beim Bowlingabend in der Schwarz-Villa auftaucht. Die gelähmte Tochter Edith ist selbige geblieben, und auch die Geschichte um Mitleid und das Suchen nach Erfüllung liegt näher am Roman, wobei hier nicht Hofmiller die Hoffnung schürt, sondern Isaac die von Edith nicht erlischen lassen will.

Hierbei steht er zwischen der Bundeswehr-Clique, deren Hang zum prolligen Auftreten er mal gerne mitgeht, der ihm oft aber auch gegen den Strich geht, und der neu gefundenen Liebe und Aufgabe an der Seite von Edith, die sich vorsichtig, aber dann doch voll auf ihn einlässt. Das spielen Ladina von Frisching und Giulio Brizzi sehr überzeugend, und auch Livia Matthes als unterkühlt verführerische Schwester sowie Thomas Loibl als alleinerziehender Vater, der Isaac erst gut aufnimmt, ihm dann aber auch Grenzen setzt, wissen zu überzeugen. Die interessante Stefan-Zweig-Adaption ist ein gelungenes Spielfilmdebüt von Lauro Cress.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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