
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Darsteller: Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn, Devid Striesow
Regie: Simon Verhoeven
Dauer: 137 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: www.warnerbros.de/de-de/filme/ach-diese-lucke-diese-entsetzliche-lucke
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Kinostart: 29. Januar 2026
Fast könnte man meinen, man hätte es hier mit einem bebilderten Hörbuch zu tun, wenn uns Regisseur Simon Verhoeven („Willkommen bei den Hartmanns“, „Girl You Know It’s True“) mit dem Off-Kommentar seines Protagonisten hineinwirft in dessen Autobiografie „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Die stellt nach „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ (2023) schon den zweiten verfilmten Teil einer Romanreihe des Schauspielers und Schriftstellers Joachim Meyerhoff dar und nimmt uns mit ironischem Unterton mit in dessen Vergangenheit. Drehte sich im Vorgänger noch alles um das Aufwachsen des jungen Joachim auf dem Gelände einer psychiatrischen Klinik, schildert uns Verhoeven nun in seiner Adaption des gleichnamigen Romans vergnüglich die Herausforderungen des Autors während dessen Schauspielausbildung.
Allerdings macht uns der Einstieg erstmal mit Joachims (Bruno Alexander) wenig witzigem Trauma vertraut, dessen geliebter Bruder Martin bei einem Autounfall sein Leben verlor, als Joachim gerade als Austauschschüler in den USA weilte. Davor ein Herz und eine Seele, hatten sie schon als Kinder bei den regelmäßigen Aufenthalten bei ihren kauzigen Großeltern einiges auszuhalten, was sie deutlich zusammenschweißte. Verhoeven präsentiert uns das eingangs mit nostalgischem Blick und in feinster Retrooptik wirklich warmherzig und nimmt damit dem schmerzlichen Verlust gleich seinen Schrecken. Und doch ist es gut nachzuvollziehen, dass „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke”, die Martin hinterließ, von da an immer Teil von Joachims Gedankenwelt sein und ihm die Orientierung im Leben nicht einfacher machen würde.
Immerhin hat der vor kurzem das Abi bestanden und macht sich mangels anderer Ideen auf aus dem Elternhaus im hohen Norden – genau, das bei der Psychiatrie – nach München zu seinen Großeltern. Das sind der zerstreute Philosoph mit Bildungsauftrag Hermann (Michael Wittenborn) und die exzentrische Schauspielerin Inge (mit der extra aus dem Ruhestand reaktivierten Mutter des Regisseurs Senta Berger bestens besetzt), der er mit seiner Bewerbung an der Schauspielschule nacheifern will. Und wenn ihn der frühe Tod seines Bruders schon so belastet, so sorgt er dann doch für den entscheidenden emotionalen Moment, der ihm die Aufnahme an der renommierten Schule beschert, um die sich fortan sein Leben drehen soll.

(© 2025 Komplizen Film GmbH / Doll Filmproduktion GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH)
Aber obwohl er sich nun ganz zur Freude der Oma zu den privilegierten Münchener Schauspielschülern zählen darf, will sich bei dem unangepassten Querkopf der richtige Enthusiasmus nicht einstellen, tut er sich eher durch unmotivierte Verweigerungshaltung als durch bedingungsloses Engagement hervor und eckt damit bei Lehrern und Mitschülern gleichermaßen an. Das spielt Bruno Alexander hier mit einer fast beiläufigen Natürlichkeit, dass man ihn mit der immer wieder eingestreuten Off-Stimme bald wie selbstverständlich für den jungen Joachim Meyerhoff hält. Natürlich auch ein Verdienst von Regisseur Verhoeven, der sich eng an die Buchvorlage hält und damit Joachim ein ums andere Mal augenzwinkernd in Situationen navigiert, die manchmal trotz aller Tragik unfreiwillig komisch sind.
Wenn sich die Großeltern im in der Zeit stehengebliebenen Eigenheim mit wiederkehrenden Ritualen als Spiegeltrinker erweisen, kann man daran genauso wenig etwas Verwerfliches finden wie an Joachims Ablehnung diverser experimenteller Übungen an der Schule, an der er sich zunehmend missverstanden fühlt. Auch damit jedoch nimmt uns der wunderbare Bruno Alexander mit in die Unausgeglichenheit seines Joachim, der weder im Haus der verschrobenen Großeltern noch in seiner Ausbildung jemals richtig anzukommen scheint.
Verhoeven gelingt hier mühelos der Spagat zwischen tragischem Einzelschicksal des von Selbstzweifeln geplagten Joachim auf der Suche nach sich selbst und immer wieder erheiterndem, skurrilem Szenenhumor. In seiner stimmigen Autobiografie erweist sich Bruno Alexander als absoluter Glücksgriff, der mit seiner unangestrengten Geradlinigkeit dem Buchautor Leben einhaucht und mit dem in der Schlüsselszene im Unterricht vorgetragenen Lieblingslied von Joachims Bruder sogar für einen absoluten Gänsehautmoment sorgt.
Trailer:
Bewertung: 7 von 10 Punkten



(© Verlag Kiepenheuer & Witsch)
Wir verlosen kurzfristig noch 2×2 Freikarten für den Film, welche uns spontan hierfür netterweise zur Verfügung gestellt wurden – und außerdem zwei Exemplare des Buchs von Joachim Meyerhoff, erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.
Zur Teilnahme einfach das folgende Formular ausfüllen, Wunschgewinn wählen und absenden. Einsendeschluss für die Kino-Tickets ist bereits der 1. Februar 2026, damit die digitalen Freikarten zum Ausdrucken (oder Online-Einlösen, was bei vielen Kinos auch bereits funktioniert) noch Mitte der Kinostartwoche bei den GewinnerInnen eintreffen. Einsendeschluss für die Bücher ist der 3. März 2026. Viel Glück!
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