Home MusikKonzertberichte Klaus Hoffmann – Kritik des Konzerts in Köln am 23. Mai 2003

Klaus Hoffmann – Kritik des Konzerts in Köln am 23. Mai 2003

Autor: Tobi

Lange hat es gedauert, bis Klaus Hoffmann gekommen ist, um seine Kölner Fans mit Inselliedern zu beglücken, und dies weiß er auch. Am 8. Februar tummelten sich Mann und Maus abends um die Philharmonie, um dann lesen zu müssen, dass das damals angesetzte Konzert aus Krankheitsgründen verschoben werden würde. Dreieinhalb Monate später sind sie alle wieder gekommen – zumeist mittleren Alters und einfach Normalos wie du und ich – es sei denn, du bist kein Normalo, aber wer definiert das schon. Als Klaus Hoffmann um kurz nach 20 Uhr mit seinen vier Begleitern die Bühne betritt, entschuldigt er sich für den Ausfall vom Februar und die Wartezeit mit der Begründung, er hätte eben niemanden anstecken wollen. Im Endeffekt ist dies auch völlig egal – die Philharmonie ist ausverkauft und er ist endlich da.

“Insellieder” heißt seine 2002 erschienene, noch aktuelle CD, auf der er wieder mal all seine Stärken ausgespielt hat. Er singt über Inseln, über imaginäre Inseln und über seine Heimat Berlin, die einstige Insel. Fast alle Songs der CD präsentiert er an diesem Abend live, bis auf “Haus Trinitatis”. Begleitet wird er von Michael Brandt an der Gitarre, vom immer wieder beeindruckenden Hawo Bleich an Piano und Sampler gleichzeitig, von Peter Keiser am Bass und von Stephan Genze am Schlagzeug – einer gut aufeinander eingespielten Formation. Im Mittelpunkt aber steht natürlich Klaus Hoffmann selbst. Man merkt ihm immer wieder an, dass er Schauspielunterricht genossen hat, wenn er Worte besonders betont oder pantomimisch in Zeitlupe bestimmte Bewegungen ausführt, bevorzugt zum Ende eines Songs. Zwischen den Stücken erzählt er, das kennt man, kleine Geschichten, die irgendwie nett sind, in jedem Fall oft komisch. Bei den wenigen wirklich flachen Gags betont er deren Zweifelhaftigkeit, was einem gleich wieder die Butter vom Brot nimmt, sich selbst hierüber zu mockieren. Als greifbare und vorzeigbare Objekte nutzt er eine Melone (Hut, nicht Frucht) oder einen steifen, ausgestopften Hasen – benötigen tut er sie eigentlich nicht.

So nett die Zwischentexte sind, gekommen sind alle natürlich wegen seiner Lieder, die vor Schönheit, Traurigkeit, Romantik und Ehrlichkeit strotzen, die einen ergreifen. Klaus Hoffman singt und erzählt aber nicht nur, er schlendert über die Bühne, tanzt ab und an, und er geht auf sein Publikum ein. Bei einem Stück vergisst er mittendrin den Text, weil er mit zwei Zuschauerinnen redet, die er als bekannt erkennt, und kommentiert dies mit “Sänger vergisst alles, das wird die Presse schreiben”. Tut sie nicht. Es gibt wohl kaum einen sympathischeren Entertainer als den Berliner Liedermacher in der heutigen Szene, die von Schnelllebigkeit geprägt ist, von One-Hit-Wonders und von Hektik. Klaus Hoffmann bringt Ruhe ins Jetzt, mit seinen CDs und seinen Konzerten, welche immer wieder besonders sind. Bei “Die Antwort der Blumen” weist Klaus Hoffmann darauf hin, dass ein Euro jeder verkauften Maxi-CD an Unicef für die notleidenden Kinder in Afghanistan gespendet wird – auch eine positiv zu erwähnende Aktion.

Neben den aktuellen Stücken spielt Hoffmann natürlich auch jede Menge Klassiker aus all den Jahren, ob “Blinde Katharina”, ob “Amsterdam” oder “Ich hab’s gewusst”, das Publikum dankt ihm jedes Lied, geht nach und nach auch immer euphorischer mit. Zum Schluss gibt es Standing Ovations, minutenlang, und obwohl er bereits drei Stunden auf der Bühne stand (die Pause nicht eingerechnet) und die Lichter schon lange den Saal erhellen, kommt Klaus Hoffmann alleine noch einmal mit Gitarre auf die Bühne und singt für die Häfte des Publikums, die nicht gegangen ist und immer weiter geklatscht hat, einen Bonussong – nicht mehr in schick im Anzug, sondern leger mit Jeans und Hemd, in heimischer, intimer Atmosphäre, und alle singen mit. Fazit des Abends: Immer wieder ein Erlebnis. Bravo? Nein. Bravissimo.

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Website von Klaus Hoffmann

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