Home Film “Das Familienfoto” – eine leichte französiche Familienkomödie mit ernstem Hintergrund

“Das Familienfoto” – eine leichte französiche Familienkomödie mit ernstem Hintergrund

Autor: Mick

"Das Familienfoto" Filmplakat (© Alamode Film)

Das Familienfoto

Darsteller: Camille Cottin, Vanessa Paradis, Pierre Deladonchamps, Chantal Lauby
Regie: Cécilia Rouaud
Dauer: 98 Minuten
FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website: DasFamilienfoto.de
Facebook: facebook.com/dasfamilienfoto.film


Familienkomödien passen irgendwie zu Frankreich wie zu kaum einem anderen Land und sind sicher nicht zufällig immer wieder enorm erfolgreich. Denn seien wir mal ehrlich, die deutschen Filme dieses Genres, die nicht mindestens hart an der Grenze zur Peinlichkeit endeten, sind genau genommen an einer Hand abzuzählen, wenngleich in letzter Zeit durchaus ein Trend der Besserung festzustellen ist. Hier kommt mit Cécilia Rouauds “Das Familienfoto” mal wieder ein Streifen aus unserem Nachbarland, der trotz aller Ernsthaftigkeit seines Grundthemas mit feinem Humor aufwartet.

Die Geschwister Elsa (Camille Cottin), Gabrielle (Vanessa Paradis) und Mao (Pierre Deladonchamps) sind seit der Trennung ihrer Eltern auch getrennt voneinander aufgewachsen und haben sich auch seitdem nicht unbedingt aufeinander zu bewegt. Während die Schwestern noch immer unter den ständigen Interventionsversuchen ihrer Mutter Claudine (Chantal Lauby), bezeichnenderweise praktizierende Psychotherapeutin, zu leiden haben, war der eigenwillige Mao mehr oder weniger sich selbst überlassen, da sich Papa Pierre (Jean-Pierre Bacri) viel mehr um seine Arbeit und Affären kümmerte. Wie also sollte hier ein harmonisches Familienleben möglich sein, wo alle ihren seelischen Rucksack mit sich herumschleppen? Man sieht sich zwar regelmäßig auf Familienfesten, hat sich aber außer alten Vorwürfen nicht viel zu sagen. Jetzt aber ist ihr Opa gestorben, und die demente Oma kann keinesfalls allein bleiben. So wird noch auf der Beerdigungsfeier ein Plan entworfen, der alle in deren Betreuung einbindet und zwangsläufig zur Kooperation verpflichtet.

"Das Familienfoto" Szenenbild (© Alamode Film)

(© Alamode Film)

Was Regisseurin Rouaud, die auch das Drehbuch verfasst hat, hier als Rahmenhandlung entwirft, ist eigentlich tieftraurig, sind die so grundverschiedenen Geschwister durch die Trennung im Kindesalter doch schwer traumatisiert. Aber vom Start weg gelingt es ihr, durch enorme Situationskomik erst gar keine Depression aufkommen zu lassen. Viel mehr schließt man ihre liebevoll herausgearbeiteten Charaktere gerade wegen ihrer Macken, die die Schauspieler durch die Bank ungeheuer einfühlsam interpretieren, sofort ins Herz und beschäftigt sich mit deren individuellen Problemen – von Omas Unterbringung mal ganz abgesehen.

Während die alleinerziehende Gabrielle eine eventuelle Karriere ganz ihrem Sohn geopfert hat und jetzt als lebende Goldstatue für Touristen ihr Geld verdient, hadert die organisierte Elsa mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch und Brüderchen Mao, als Spieleentwickler ungemein erfolgreich, ist das personifizierte Chaos. Allesamt sind sie jedoch natürlich weit hinter den Erwartungen der Eltern zurückgeblieben, die sich selbstredend gegenseitig die Schuld dafür geben. Nun aber müssen sich alle wegen Oma zum ersten Mal seit dem großen Bruch wieder zusammenraufen und machen sich an die Aufarbeitung alter Konflikte.

Trotz aller Tragik der Trennungsgeschichte als Ursprung aller Familienprobleme ist das aber unheimlich leichtfüßig inszeniert und bringt uns immer wieder zum Schmunzeln, ohne jedoch den Ernst der Situation zu vernachlässigen. Und als Oma den Wunsch äußert, in ihrem Heimatdorf leben zu wollen, weckt das nicht nur in den drei Geschwistern ein Gefühl der Nostalgie, das das Herz erwärmt und noch lange anhält. So wie auf dem Familienfoto vereint als Kinder, als die Welt noch in Ordnung war.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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