Home Film “Die Frau des Nobelpreisträgers” – eine Romanverfilmung, die sich spannend mit gesellschaftlichen Rollenbildern auseinandersetzt

“Die Frau des Nobelpreisträgers” – eine Romanverfilmung, die sich spannend mit gesellschaftlichen Rollenbildern auseinandersetzt

Autor: Mick

"Die Frau des Nobelpreisträgers - The Wife" Filmplakat

Die Frau des Nobelpreisträgers

Darsteller: Glenn Close, Jonathan Pryce, Max Irons, Christian Slater
Regie: Björn Runge
Dauer: 101 Minuten
FSK: freigegeben ab 6 Jahren
Website: www.fox.de/die-frau-des-nobelpreistraegers
Facebook: facebook.com/20thCenturyFoxGermany


Hinter jedem erfolgreichen Mann steht immer eine starke Frau, sagt man. Und selten traf diese Behauptung so präzise zu wie im Fall des amerikanischen Schriftstellers Joseph Castleman (Jonathan Pryce), dessen Frau Joan (Glenn Close) wirklich alles tut, um ihm den Rücken frei zu halten. Davon aber, dass ihr die Rolle der ergebenen Unterstützerin im Hintergrund nicht wirklich behagt, vermittelt einem Björn Runges Verfilmung des gleichnamigen Romans “Die Frau des Nobelpreisträgers” recht schnell einen Eindruck.

Denn in der macht er nur allzu deutlich, wie es in Joan gärt, kaum dass die überschwängliche Freude über den Gewinn des Literaturnobelpreises ihres Mannes 1993, dreißig Jahre nach Erscheinen seines ersten Bestsellers, abgeebbt ist. Auf der folgenden Verleihung in Oslo nämlich wird sie kaum eines Blickes gewürdigt, während ihrem Gatten überall die größtmögliche Bewunderung zuteilwird. Runge erzeugt dabei virtuos eine latente Spannung, schürt in einem schon nach der ersten Auseinandersetzung von Joseph mit Sohn David (Max Irons) über dessen erste literarische Versuche, die Joan wie immer gekonnt wegmoderiert, eine verhängnisvolle Vermutung.

Die wird in den Rückblenden in die Anfangszeiten von Josephs Schaffen gekonnt genährt, als der am College noch seine überaus talentierte zukünftige Frau unterrichtete. Dass es dabei nicht geblieben ist, sagt ja schon ihr Familienstand aus. Über die Umstände seiner Publikationen aber lüftet das intelligente Drehbuch wohldosiert erst nach und nach den Schleier. Von ihrem außergewöhnlichen Talent überzeugt, ließ er sie seine Texte nämlich schon früh Korrektur lesen und bald sogar überarbeiten. Schließlich war eine schriftstellerische Karriere für sie als Frau in der Gesellschaft der frühen 60er Jahre auch bei noch so herausragender Veranlagung nicht vorgesehen, während Joseph als ehemaliger Uni-Dozent beste Voraussetzungen hatte. Was also lag näher, als ihr Talent mit seinem Namen zu paaren und sie als Ghostwriterin fungieren zu lassen.

"Die Frau des Nobelpreisträgers - The Wife" Szenenbild (© SquareOne Entertainment / Graeme Hunter)

Joan (Glenn Close) und Joe Castleman (Jonathan Pryce)
(© SquareOne Entertainment / Graeme Hunter)

Diese Vorgeschichte ist nicht nur Treiber des Spannungsplots rund um das Ansehen des berühmten Autors, sondern prangert ganz nebenbei gesellschaftliche Konventionen an, die selbst zu Zeiten der Preisverleihung 1993 immer noch wie zementiert wirken. Dass Joseph sein Ruhm zu Kopf steigt, er dessen Verlockungen immer weniger widerstehen kann und damit seiner Frau gewaltig vor den Kopf stößt, verschärft die Situation zusehends und ruft den umtriebigen Biografen Bone (herrlich schmierig: Christian Slater) auf den Plan. Der will nicht nur seit langem als Trittbrettfahrer von Josephs Bekanntheit profitieren, sondern riecht auch Lunte und sieht jetzt in Oslo seine Zeit gekommen, den Weg der Datenbeschaffung über die augenscheinlich frustrierte Joan einzuschlagen.

Das alles macht das Drama zu einem kurzweiligen Vergnügen, bei dem uns vor allem die wunderbare Glenn Close am Schwanken ihrer zunehmend unbefriedigten Ehefrau zwischen Treue, Abhängigkeit und Enttäuschung teilhaben lässt. So ist der Film nicht nur durch das ständig über allem schwebende Damoklesschwert des Auffliegens überaus unterhaltsam, sondern spielt in den verschieden motivierten Beziehungen der Figuren auch noch geschickt mit den Abgründen der menschlichen Seele.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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