
Placebo
„Placebo Re:Created“
(Album, Elevator Lady Ltd, 2026)
Placebo feiern das 30-jährige Jubiläum ihres starken, selbstbestitelten Debütalbums, das mit Platz 5 in den britischen Charts direkt ein großer Erfolg wurde, mit einer ganz besonderen Edition der Scheibe und einer großen Tour, die sich auf die Songs dieses Longplayers und des noch mehr abräumenden Nachfolgers „Without You I’m Nothing“ konzentrieren wird – siehe unten.
Auf „Placebo Re:Created“ bescheren der in Belgien geborene Sänger/Gitarrist Brian Molko und der schwedische Bassist Stefan Olsdal, die in London leben und sich als europäische Band sehen, eine interessante Neuabmischung des Debüts, das sie damals mit Schlagzeuger Robert Schultzberg eingespielt haben – erhältlich in verschiedenen physischen Formaten, darunter Doppel-CD, Kassette, Box-Set sowie fünf Vinyl-Varianten inkl. Picture Disc.

(© Scarlet Page)
Als „eine Art Director’s Cut“ sehen Brian und Stefan die Überarbeitung ihres Debütalbums, und zusätzlich zu neuen Fassungen aller zehn Songs des Originals spendieren sie noch zwei Bonus-Songs von damals. Die ursprünglichen Masterbänder haben Placebo neu abgemischt und erklären, sie hätten dreißig Jahre Liveerfahrung in die Aufnahmen einfließen lassen, um das Album zu vollenden und klanglich ins 21. Jahrhundert zu holen.
Insgesamt liegen auf der uns vorliegenden Vinyl-Variante (bzw. der ersten CD) 51 Minuten vor, von denen die damaligen Singles „Nancy Boy“, „Teenage Angst“, „36 Degrees“, „Come Home“ und „Bruise Pristine“ natürlich am vertrautesten sind und so schneller verglichen werden können. Letztere Nummer war im Oktober 1995 auf einer Split-7″ zusammen mit der Band Soup die erste Veröffentlichung der Band, und die flott abrockende und damals schon mitreißende Nummer, die im Mai 1997 noch einmal als Single erschien, kommt nun noch um einiges fetter im Klang daher.
„Come Home“ wurde im Februar 1996 als erste reguläre Single nach der Unterschrift beim Label Deceptive Records als Vorbote zum Mitte Juni erscheinenden Debütalbum voraus geschickt, und auch der Opener kam energetisch daher. Generell ist es so, dass Placebo die Scheibe nun tatsächlich klanglich auf ein neues Niveau gehoben haben, bei dem die Drums noch mehr scheppern, der Bass noch griffiger antreibt und die Gitarre noch dynamischer reinhaut.
Etwas unterschiedlicher ist, wie die Neuabmischungen mit Brians starker Stimme umgehen. Beim im Juli 1996 als Single gebotenen „36 Degrees“ wird etwas mehr Hall auf seinen Gesang gelegt, der aber abgesehen von der ruhigeren Mittelpassage nicht zwingend im Vordergrund steht. Bei weiteren Auskopplung „Teenage Angst“ aus dem September des Jahres und dem mit Rang 4 in Großbritannien erstem Hit „Nancy Boy“, der Anfang 1997 dann den Durchbruch der Band bedeutete, wird schon mehr auf seine Stimme fokussiert.
Mit diesem Song über Bisexualität, Abhängigkeiten und die Suche nach einem Platz abseits der Geschlechternormen bescherten Placebo eine queere Alternative zum damaligen Mainstream – ein gewagtes Stück, welches aber Aufsehen erregte, extrem gut angenommen wurde und die Identität der Band um den androgynen Frontmann entscheidend mitdefinierte.
Die Singles klingen also allesamt schon einmal noch einen gehörigen Tick moderner und besser. Noch mehr Wirkung versprüht „Placebo Re:Created“ aber bei den weiteren Albumtracks. Das damals im Vergleich etwas weniger interessant angerichtete „Bionic“ weiß nun weit mehr zu fesseln, viel gewonnen haben aber vor allem auch die etwas getragener daher kommenden Stücke. „Hang on to your IQ“ wird ebenso zu einer atmosphärisch gefangen nehmenden Nummer wie „I Know“ und „Lady of the Flowers“, bei denen Brians Gesang damals viel zu zurückgenommen abgemischt war. Die neuen Versionen sind hervorragend und heben die Songs auf ein neues Level – vielleicht sogar die beiden Highlights dieser neuen Edition.
Das damals nur mit gesprochenen Fetzen anstelle von Gesang einen sphärischen und düsteren Abschluss bildende „Swallow“ setzt nun noch weit mehr auf flächige Klänge und Effekte und ist auch hier ein würdiges Ende. Es folgen aber ja noch zwei Bonus-Tracks – bei den Vinyl-Varianten als zusätzliche 7″ beigelegt, bei der Doppel-CD auf dem ersten Silberling enthalten.
Das instrumentale, im Midtempo ruhiger angerichtete „Hong Kong Farewell“ war damals ein siebeneinhalb Minuten langer Hidden Track, wurde in der CD-Variante der 10th Anniversary Edition dann als „HK Farewell“ normal gelistet. Nun findet man das Stück auf fünf Minuten gekürzt ganz am Ende, nach „Drowning by Numbers“. Die einstige B-Seite der Single „Come Home“ entwickelte sich zu einem Fanfavoriten, wurde auch live immer wieder mal gespielt. Nun findet man eine voluminöser abgemischte Version, die gut zum Gesamtbild der Scheibe passt.
„Placebo Re:Created“ ist mehr als nur Fanservice, weiß diese neue Abmischung des Debüts doch bestens zu gefallen und bietet schon immer starke Songs in zeitgemäßem, packendem Klanggewand.
Zusätzlich zur uns vorliegenden Vinyl- bzw. CD-1-Variante mit insgesamt zwölf Tracks gibt es auch Editionen wie die Doppel-LP mit fünf zusätzlichen Remixen von „Bionic“, „Bruise Pristine“, „Swallow“, „I Know“ und „Lady of the Flowers“, und die Doppel-CD bietet auf der zweiten Disc 1997er-Livemitschnitte von „Teenage Angst“, „Nancy Boy“, „Bruise Pristine“ und „Lady of the Flowers“, dazu Demo-Versionen von „Teenage Angst“, „36 Degrees“, „Nancy Boy“, „Bruise Pristine“ und „Swallow“.
Placebo feiern auch live
Im Rahmen der „Placebo 30th Anniversary Tour“ mit dem vielsagenden Untertitel „Playing songs from Placebo & Without You I’m Nothing“ – endlich könnte also auch der lange nicht gespielte Hit „Every You Every Me“ mal wieder in die Setlist rutschen – wird die Band im Herbst 2026 auch für Konzerte nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz kommen:
12.10. Leipzig – Quarterback Immobilien Arena (ausverkauft)
26.10. Hamburg – Barclays Arena
29.10. Frankfurt – Festhalle
02.11. Köln – Lanxess Arena
04.11. CH-Zürich – Hallenstadion
09.11. München – Olympiahalle
10.11. A-Wien – Stadthalle
16.11. Berlin – Uber Arena (ausverkauft)
21.11. Stuttgart – Hans-Martin-Schleyer-Halle
Tickets gibt es z.B. hier bei Eventim (Partnerlink).
www.placeboworld.co.uk
facebook.com/officialplacebo
instagram.com/placeboworld
Bewertung: 9 von 10 Punkten
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