2025 war das legendäre Festival „Rock am Ring“ zu seinem 40-jährigen Jubiläum (lies unseren Bericht hier) mit 90.000 Musikbegeisterten endlich mal wieder ausverkauft. Nach zwei Jahren Pandemie-bedingter Pause und danach vielen Diskussionen über die Headliner-Auswahl sowie das sich immer mehr auch anderen Musikstilen wie Rap öffnende Line-Up blieb das Gefühl, das Mega-Event sei wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt, in der Auslastung sowieso, aber auch in puncto Zufriedenheit bei den vielen BesucherInnen. Natürlich gibt es immer mal kritische Stimmen über dies und das, aber die Tatsache, dass die Veranstalter hier und beim Zwillingsfestival „Rock im Park“ am Zeppelinfeld in Nürnberg, wo parallel stets die gleichen Acts zu erleben sind, seit 2024 (hier geht es zu unserem Bericht) wieder weit mehr Fokus auf die namensgebende Rockmusik legen, kommt gut an.
Dies und auch, dass seit dem letzten Jahr auch die Technik vor den beiden großen Bühnen optimiert wurde mit stattlichen Video-Hochformat-Quadern über dem Publikumsbereich anstatt sichtraubender Leinwände, verbesserter, endlich auch weiter hinten zum Bild synchroner Tonqualität und zudem aus diesen Säulen bei den bekannteren Acts gerne genutztem Flammenwurf in den Himmel, kommt als Konzept gut an – genauso wie eine sinnvolle, übersichtliche Einlassabwicklung in die vorderen Zuschauerbereiche, bargeldloses Zahlen über den aufladbaren Armband-Chip, Initiativen zur Müllreduzierung oder variantenreichere Camping-Möglichkeiten. Da war es dann kein Wunder, dass auch „Rock am Ring“ 2026 wieder ausverkauft vermelden konnte – und das so früh wie noch nie in der Geschichte des Festivals schon Anfang Oktober 2025. Und auch für den Park waren beim größten innerstädtischen Festival Deutschlands alle Tickets vergriffen.
Statt wie im Jubiläumsjahr mit vier Bühnen ging es nun mit dreien wieder zum üblichen Set-Up, wobei der Bereich jenseits des Haupteingangs nun als „Atmos Area“ verblieb, mit zusätzliche Verkaufsständen, Ess- und Sitzmöglichkeiten. Reichlich Optionen zum Verzehr hatte man natürlich auch auf dem Rest des Geländes, wo man leckere Speisen und diverse Getränke ebenso wieder fand wie Signierstunden, Mitspielmöglichkeiten, Aktionsstände oder Festival- sowie Bandmerchandise. Nur das Riesenrad vermisste man irgendwie, welches traditionell ja eigentlich zum Weitblick gehörte.

Linkin Park bei „Rock am Ring“ 2026 (© Thomas Rabsch)
Tolle Acts begeisterten und zeigten sich begeistert
In puncto Bands und KünstlerInnen war wieder eine bunte Mischung am Start, wobei man diesmal das Gefühl hatte, dass bei den Headlinern etwas mehr auf alte Haudegen gesetzt wurde. Am Freitag waren von diesen Papa Roach am Start und rockten auf der großen Utopia Stage nicht nur beim Ohrwurm „Last Resort“ ordentlich ab, bevor die mit Sängerin Emily Armstrong anstelle des 2017 leider verstorbenen Chester Bennington reformierten und so erneut sehr erfolgreichen Linkin Park den für letztes Jahr schon erhofften Gig absolvierten. Hierbei wussten sie zu überzeugen, wobei man bei den älteren Songs Chester durchaus sehr vermisst, während Emilys gute Stimme einem ja bei den Songs des neuesten Albums „From Zero“ bestens vertraut ist.
Den Highlight-Gig des Abends legten dann aber Limp Bizkit auf der Mandora Stage hin, die in den Song-Pausen im Stile einer Retro-Radiostation alte Hits vom Band kurz einspielten, um dann mit den größten ihrer eigenen die Masse zum Hüpfen, Tanzen und Mitsingen zu bringen – dank eingeblendeter Texte für alle gut machbar. Brecher wie „My Generation“, „Rollin'“, „My Way“ oder „Nookie“, die Ballade „Behind Blue Eyes“ und gleich zweimal „Break Stuff“ (am Ende mit den Jungs von Slay Squad als Bühnengästen) – mitreißender wurde es an diesem Abend nicht, auch weil Fred Durst der coolste Frontmann unserer Tage ist und bleibt, wenn er absolut lässig über die Bühne schreitet und dann mit kleinsten Bewegungen und seiner Stimme eine Energieexplosion auslösen kann. Dazu DJ Lethal als Derwisch an den Turntables und der mit toller Maskierung aufspielende Wes Borland an der Gitarre – ein toller Gig, in dem die Jungs auch an den 2025 verstorbenen Bassisten Sam Rivers erinnerten, den hier Richie Buxton vertrat, sonst bei Ecca Vandal spielend.
Neben den Headlinern überzeugten am Freitag auch die Architects, The Hives und Bush, Trivium und Within Temptation – und natürlich wie immer die japanischen Babymetal mit ihrer irrwitzigen Fusion aus Girliepop und brachialem Metal.

Papa Roach bei „Rock am Ring“ 2026 (© Demian Pleuler)
Am Samstag war es im Vergleich zum Freitag mit 18 Grad und mehr Sonne wettertechnisch angenehmer, Regen blieb aber leider später nicht aus. Die Stimmung war aber natürlich trotzdem gut, und einige erinnerten sich bestimmt noch an die fiesen 12 Grad Höchsttemperatur bei kalten Böen am zweiten und dritten Tag im letzten Jahr.
Gegen Nässe rockten die sympathischen Dänen von Volbeat auf der Utopia Stage mit ihrem melodischen Metal gewohnt gut an, die als Headliner hier ebenso aufgeboten waren wie Electric Callboy. Diese spielten nun zum dritten Mal in Folge am Ring (in 2025 ja als Überraschungsgast zum Jubiläum) und boten mit ihren Tracks zwischen Pop, Schlager und hartem Metal sowie Kleidungswechseln wieder eine ausgelassene Party, während Bad Omens als dritter Headliner dann später in der Dunkelheit auf der Mandora Stage mit ihren abwechslungsreichen Stücken und guter Show für besondere Stimmung sorgten.

Bad Omens bei „Rock am Ring“ 2026 (© Jan Heesen)
Weitere bekannte Acts des Tages waren Landmvrks, Ice Nine Kills und die erneut starken Three Days Grace. Zwei weitere Gigs brannten sich positiv ins Gedächtnis – nachmittags bei angenehmem Wetter Super-Gitarrist Tom Morello, der vor allem als Mitglied von Rage Against The Machine Berühmtheit erlangte und auch einige ihrer Stücke zum besten gab, mal im Medley, mal aber auch komplett wie die Alltime-Hymne „Killing In The Name“, die er instrumental den Fans zum Mitsingen überließ – ein Gänsehautmoment. Dazu „Like A Stone“ von Audioslave – einfach klasse, dieser Gig. Und das galt weit später auf der Mandora Stage dann auch für Marteria, der mit seinen Shows immer wieder mitzureißen weiß – und dass er als Rapper sich auch bei den Rockfans ein akkurates Standing erspielt hat, das zeigte die große Masse vor der Bühne, in die er am Ende dann auch kurz eintauchte.
Der Sonntag brachte dann noch mehr Sonne und vor allem Trockenheit, was sich in puncto Wetter ganz hervorragend anfühlte und jede vielleicht schon aufkommende Müdigkeit vergessen ließ. Die T-Shirts der BesucherInnen ließen keinen Zweifel – für den Abend standen die Metal-Ikonen von Iron Maiden auf dem Programm, die im Rahmen ihrer weltweit gefeierten „Run For Your Lives“-Tour nach über zehn Jahren mal wieder hier abrockten. In mehr als zwei Stunden boten sie auf der Utopia Stage den Fans ihre ganze Vielfalt, mit einem energetischen, gutgelaunten Bruce Dickinson als Frontmann-Wirbler, mit Monster-Maskottchen Eddie als Bühnengast (erstmals beim dritten Song „Killers“) und ihren Klassikern wie „The Number Of The Beast“, „Run To The Hills“ oder „The Trooper“. Die alten Herren haben es immer noch drauf, was hier auch für die Punkrocker von The Offspring vorher galt, die eine umjubelte Show hinlegten, oder die schwedische Power-Combo Sabaton, die als dritter Headliner des Abends im Anschluss an Iron Maiden angesetzt auf der Mandora Stage das Licht kraftvoll ausknipste.
Hier waren vorher schon Social Distortion, Alter Bridge und – während des Maiden-Gigs leider etwas spärlich besucht, aber mit ihren getragenen, optisch gut in die hereinbrechende Nacht passenden Rocknummern nicht minder eindrucksvoll – A Perfect Circle zu erleben. Nicht zu vergessen seien Hollywood Undead, die nachmittags schon auf der großen Utopia Stage zu überzeugen wussten, während über den Techno-Rap von Finch danach die Meinungen etwas auseinander gingen.
Auf der kleinen Orbit Stage in der Rennstreckenkurve waren im Laufe des Wochenendes natürlich auch viele Acts zu erleben, und bei Formationen wie Danko Jones, The Funeral Portrait, Basement, Palaye Royal, H-Blockx oder Set It Off wurde es auch hier ordentlich voll, wo Sondaschule dann am Sonntagabend das Festival beenden durften.
The Offspring waren übrigens nicht die einzigen, die sich absolut begeistert zeigten vom Ambiente bei Rock am Ring und vom sicherlich umwerfenden Blick von der Bühne auf die Massen vor der Eifellandschaft – die sie mal rasch auf eine etwas hoch gegriffene Zahl von 1.350.000 schätzten.
Kurzes Fazit
Das ausverkaufte „Rock am Ring“ 2026 hat auch ohne Jubiläum wieder viel Spaß gemacht, mit jeder Menge toller Bands, im Vergleich zum Vorjahr besserem Wetter und sehr guter Stimmung unter den friedlichen Massen, die einfach Lust auf gemeinsames Feiern und tolle Livemusik zu haben schienen. Die Auswahl an Acts passte, die generelle Organisation funktioniert gut, und die technischen Verbesserungen aus dem letzten Jahr wurden zum Glück auch ohne Jubiläum beibehalten – so kann es weitergehen, und wird es ja auch, denn…
Der Ausblick – „Rock am Ring“ 2027 mit blink-182

Die Verkündung von blink-182 als erstem Headliner für 2027
(© Nicolai Semrau)
Unter großem Jubel und mit kleinem Feuerwerk garniert wurden am Freitagabend blink-182 als erster Headliner für „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ 2027 verkündet. Da die US-amerikanische Rock-Band mit Sänger/Bassist Mark Hoppus, Sänger/Gitarrist Tom DeLonge und Drummer Travis Barker bereits 1992 gegründet wurde, kann man es kaum glauben, aber die Jungs werden zum allerersten Mal in ihrer Karriere bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ spielen.
Vom 4. bis 6. Juni finden die Festivals in 2027 statt. Der Ticketverkauf beginnt am Dienstag, 9. Juni 2026, um 12 Uhr – und die Weekend Tickets bei „Rock am Ring“ gibt es dann vmtl. wieder in einer limitierten Early-Bird-Preisstufe, die sicher wieder schnell ausverkauft sein wird.
Tickets für die Festivals gibt es auf unter rock-am-ring.com/tickets und rock-im-park.com/tickets.
Mehr Informationen zu ROCK AM RING findet man auf www.rock-am-ring.com.
