Home Film„Hamnet“ – tief berührende Shakespeare-Biografie

„Hamnet“ – tief berührende Shakespeare-Biografie

Autor: Mick

"Hamnet" Filmplakat (© Universal Pictures)

Hamnet

Darsteller: Paul Mescal, Jessie Buckley, Joe Alwin, Justine Mitchell
Regie: Chloé Zhao
Dauer: 125 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.upig.de/micro/hamnet
Facebook: facebook.com/UniversalPicturesDE
Instagram: instagram.com/universalpicturesde
Kinostart: 22. Januar 2026


Nur wenig ist überliefert vom Leben des großen englischen Dramatikers William Shakespeare. Dementsprechend bedient sich die Nordirin Maggie O’Farrell in ihrem 2020 veröffentlichten Roman „Hamnet“ auch großteils rein fiktiver Elemente, wenn sie sich eingehend mit der Entstehungsgeschichte von Shakespeares wohl berühmtestem Bühnendrama „Hamlet“ befasst. Ungeachtet dessen oder vielleicht sogar gerade deswegen erreichte ihr Werk in kurzer Zeit Bestseller-Status und machte damit natürlich auch die Kinowelt auf sich aufmerksam. Gemeinsam mit der Oscar®-Preisträgerin Chloé Zhao („Nomadland“, „Eternals“) adaptierte die Autorin dieses für die Kinoleinwand, und so kommen wir jetzt in den Genuss von Zhaos gleichnamiger, semifiktionaler Shakespeare-Biografie, die uns die Ereignisse hier aus der Perspektive von Shakespeares Frau Agnes schildert.

Die (wunderbar: Jessie Buckley) trifft Ende des 16. Jahrhunderts im kleinen Stratford-upon-Avon den jungen Lateinlehrer Will (ebenso wundervoll: Paul Mescal), der sofort vom Liebreiz der unangepassten Naturfreundin gefangen ist. Vorgezeichnet ist damit der Weg einer zarten Liebe der beiden, von der den literarisch gebildeten Will auch Agnes’ Ruf als Tochter einer Waldhexe nicht abbringen kann, und die er sich im Gegenzug bei ihr mit seiner Wiedergabe von „Orpheus und Euridike“ redlich verdient. Das präsentiert uns Zhao hier in ruhigen Einstellungen und Naturbildern so sensibel, dass wir gar nicht genug kriegen können von der Entwicklung der sinnlichen Liebesbeziehung und uns dem sympathischen Paar sofort verbunden fühlen. Bald folgt dem eine konkrete Zukunftsplanung und schließlich die Ehe trotz aller familiärer Einwände, die jedoch letztendlich den starken Gefühlen nichts anhaben können.

Doch so eitel Sonnenschein soll es bei allem Familienglück mit ihrer erstgeborenen Tochter Susanna und den folgenden Zwillingen Judith und Hamnet – daher auch der Titel – nicht bleiben, denn während William längst ambitioniert eine Theaterkarriere in London verfolgt, hält ihm Agnes in Stratford ganz allein aufopferungsvoll den Rücken frei. Keine einfache Situation für die wegen Wills häufiger Abwesenheit fast Alleinerziehende, was auch die ungebrochene Liebe kaum kaschieren kann. Sind wir nach den anfänglichen großen Gefühlen einmal im mühseligen Alltag der beiden angekommen, plätschert da der Streifen ein wenig dahin, um nur kurze Zeit später mit enormer emotionaler Wucht zurückzuschlagen.

"Hamnet" Szenenbild (Foto von: Agata Grzybowska © 2025 Focus Features LLC. All Rights Reserved.)

Jessie Buckley als Agnes und Paul Mescal als William Shakespeare
(Foto von: Agata Grzybowska © 2025 Focus Features LLC. All Rights Reserved.)

Denn wie an vielen Orten hält die Pest auch im Hause Shakespeare Einzug, aber während Judith sie mit Hilfe ihres Zwillingsbruders unbeschadet übersteht, fällt Hamnet selbst der furchtbaren Krankheit zum Opfer und reißt die gesamte Familie in den Abgrund einer finsteren Depression. Fast wie einen nicht enden wollenden Fiebertraum inszeniert Zhao dies jetzt, mischt esoterische Momente mit ein, wenn sie den Schmerz des Verlusts allgegenwärtig werden lässt, der auch die Liebe des Paars zu erdrücken droht. Agnes begegnet dem mit Pragmatismus, erhält das Familienleben in Stratford tapfer aufrecht, als sie den vorher liebevollen Vater Will komplett zu verlieren droht, der das Leid in seinem Bühnenstück „Hamlet“ zu kanalisieren sucht.

Wirklich großes Gefühlskino bietet uns die Regisseurin da, präsentiert uns jetzt einen William Shakespeare, der sich wie wahnsinnig ins Schreiben und die Theaterproben stürzt, und kann sich dabei voll auf Paul Mescal verlassen, der mit selten gesehener Hingabe enorme Intimität erzeugt. Die eigentliche Überraschung jedoch ist Jessie Buckley, die ihrer Agnes mit zurückgenommenem Spiel in jeder Nahaufnahme so eine Verletzlichkeit verleiht, dass die Trauer über den Tod des geliebten Sohnes fast mit Händen zu greifen ist.

Nach ihrem mittelprächtigen Ausflug ins Actionfach mit „Eternals“ begrüßen wir Chloé Zhao zurück im Autorenkino, wo sie nicht zuletzt seit ihrem Oscar®-prämierten „Nomadland“ deutlich besser aufgehoben scheint. Hoch emotional gelingt ihr hier nämlich ihre Shakespeare-Biografie, die sie zu einem bildgewaltigen, intensiven Essay über Liebe, Verlust und Schmerz macht. Dabei binden uns Buckley und Mescal dermaßen leidenschaftlich ein in die Trauerverarbeitung ihres Paares, dass vor allem die abschließende Uraufführung von „Hamlet“, in dem Shakespeare hier seinen Sohn Hamnet verewigt, mit ihrem versöhnlichen Ende tief berührt.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

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