Home Film “Knock at the Cabin” – M. Night Shyamalan erzeugt Spannung und Stirnrunzeln

“Knock at the Cabin” – M. Night Shyamalan erzeugt Spannung und Stirnrunzeln

Autor: Tobi

"Knock at the Cabin" Filmplakat (© Universal Pictures)

Knock at the Cabin

Darsteller: Dave Bautista, Jonathan Groff, Ben Aldridge, Nikki Amuka-Bird
Regie: M. Night Shyamalan
Dauer: 100 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: www.upig.de/micro/knock-at-the-cabin
Facebook: facebook.com/UniversalPicturesDE


Nachdem Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan 2019 zuletzt seine mit “Unbreakable – Unzerbrechlich” (2000) einst eingeleitete und mit “Split” (2016) weit später fortgesetzte Trilogie in “Glass” (2019) mit etwas zu viel Fokus auf die übernatürlichen Kräfte seiner Figuren abschloss und mit “Old” (2021) dann einen auf sehr geteiltes Echo stoßenden Mystery-Thriller vorlegte, beschert er nun mit “Knock at the Cabin” einen Streifen, der einen zwar zu packen weiß, aber mächtig Stirnrunzeln erzeugt.

Der Film nimmt uns mit in eine nahe eines Sees idyllisch, aber auch einsam im Wald gelegene Holzhütte, die das glückliche Paar Eric (Ben Aldridge) und Andrew (Jonathan Groff) mit seiner im Grundschulalter steckenden Adoptivtochter Wen (Kristen Cui) für einen Urlaub angemietet hat. Als diese gerade Grashüpfer einfängt, kommt ein muskelbepackter, tätowierter, aber anscheinend sanftmütiger Hüne (Dave Bautista) daher und spricht sie an. Mit Fremden soll Wen natürlich eigentlich nicht reden, dieser präsentiert sich aber sehr freundlich und erklärt, er habe früher auch immer gerne Grashüpfer gefangen, sei Leonard und ein Freund. Dass dem nicht so ist, scheint klar, als drei weitere Gestalten auftauchen, und so rennt Wen zum Häuschen und informiert ihre Väter. Diese sind natürlich beunruhigt über die nahenden Bedroher, die ausgestattet mit mysteriösen Waffen bald an ihre Tür klopfen und – ebenso höflich wie nachdrücklich – um Einlass bitten. Der angedrohte Notruf kann auf Grund gekappter Leitung und im Wald fehlendem Mobilnetz nicht abgesetzt werden, also was tun?

Während Eric und Andrew die Türen verbarrikadieren, werden die ungebetenen Gäste aufgeregter und deutlicher, und sie erklären, dass ihnen keine andere Wahl bleiben würde, als gewaltsam ins Haus einzudringen, denn man müsse reden. Gesagt, getan – bald sitzen Eric und Andrew nach erfolgloser Gegenwehr gefesselt auf Stühlen und die Eindringlinge stellen sich und ihr Anliegen vor. Adriane (Nikki Amuka-Bird), Sabrina (Abby Quinn) und Redmond (Rupert Grint), die allesamt sehr viel nervöser wirken als Leonard, hatten mit diesem – wie sich in einem Internetforum heraus stellen sollte – alle die gleiche Vision eines bevorstehenden Weltuntergangs, in der ihnen auch klar wurde, dass sie die nun mitgeführten Waffen basteln müssten und nur eine Chance hätten, die Menschheit zu retten: Sie müssen zu genau dieser Holzhütte gehen und die Bewohner überzeugen, dass einer von ihnen freiwillig geopfert werden und sein Leben verlieren muss, damit nicht alle anderen Menschen ausgelöscht werden.

Dass die krude Theorie natürlich komplett irre klingt, ist den Vieren durchaus klar, und doch glauben sie fest daran und schildern den Überrumpelten, die natürlich keinen aus ihrer glücklichen Mitte reißen wollen, was genau passieren wird, wenn sie sich weigern. Um klar zu machen, dass sie auch selbst bereit wären, für die Sache zu sterben, gibt es bald ein erstes Opfer in eigenen Reihen – und im Fernsehen den ersten Beleg dafür, dass die stufenweise hereinbrechende Apokalypse nicht ersponnen war.

"Knock at the Cabin" Szenenbild (© 2023 Universal Studios. All Rights Reserved.)

(© 2023 Universal Studios. All Rights Reserved.)

Basierend auf dem Bestseller “The Cabin at the End of the World” von Paul Tremblay hat Regisseur M. Night Shyamalan zusammen mit Steve Desmond und Michael Sherman ein Drehbuch geschrieben, das vom Original gegen Ende hin abweicht und dadurch die Kernaussage nicht nur verändert, sondern sie eigentlich ausradiert hat.

Dies ist sehr schade, denn Shyamalan bietet über lange Strecken seinen packendsten und spannendsten Film seit langem, der durch sehr eindringliche Stimmung und Atmosphäre zu fesseln weiß. Voll auf die bald in der Hütte versammelten sieben Charaktere fokussiert sehen wir Leonard, Adriane, Sabrina und Redmond als unfreiwillige, nun aber von der Not getriebene Überbringer schlechtester Nachrichten, und die Verunsicherung spiegelt sich in all ihren Gesichtern, die wir immer wieder in Close-Ups serviert bekommen. Hierbei wissen die AkteurInnen durchweg zu überzeugen, man nimmt ihnen die Gefühlsregungen, Anspannung und Verzweiflung komplett ab. Abgesehen vom Dilemma erfahren wir in Rückblicken auch einiges über die Geschichte des super sympathischen schwulen Paares, wobei Andrew alleine schon daher nicht an das Offenbarte glaubt, weil er in Redmond den homophoben Rory O’Bannon wiederzuerkennen meint, der die beiden einst in einer Bar angriff.

Zentrales Thema ist aber, wie weit man gehen würde, um die Welt zu retten, und wie viel Überzeugung es benötigt, um hierbei von völlig verständlicher Ablehnung in resignierende Einwilligung zu wechseln. Und selbst dann – wie schafft man es, sich zu überwinden? Das Szenario wirkt zwar unwirklich und man will sich eigentlich nicht darauf einlassen, wenn aber die Überbringer der Botschaft selbst bis ans Äußerste gehen und bei ihnen die freundliche Bitte und der Verweis auf Alternativlosigkeit mit vollstem Verständnis für die unglaubliche Schwere einer Opfer-Entscheidung im Vordergrund stehen, gepaart mit in den Nachrichten aufkommenden, vohergesagten Katastrophen-Meldungen – wie lange können Zweifel aufrecht erhalten werden?

Hoffentlich lange, aber das im Buch gebotene Finale bekommen wir hier unverständlicherweise nicht serviert, wo der für seine Twists bekannte Shyamalan auf ganz besondere Art und Weise überrascht – oder eben auch nicht. Das macht noch weit nachdenklicher als alles vorher und ist so schade, da M. Night Shyamalan, dessen Motiv man gerade in Zeiten von diversen Verschwörungstheorien und Fanatikern hier nicht versteht, einen lange nicht mehr so gefesselt hat. Aber selbst dies gepaart mit dem Fakt, dass Dave Bautista noch nie so gut gespielt hat, reicht nicht mehr aus – wie schade, dass “Knock at the Cabin” hier so viel Potenzial vergeudet.

Trailer:

Bewertung: 6 von 10 Punkten

 

Related Articles