
La Scala – Die Macht des Schicksals
Dokumentarfilm
Regie: Anissa Bonnefont
Dauer: 92 Minuten
FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website: www.neuevisionen.de/de/filme/la-scala-die-macht-des-schicksals-173
Facebook: facebook.com/neuevisionenfilmverleihgmbh
Instagram: instagram.com/neue_visionen
Kinostart: 18. Dezember 2025
Nachdem uns die französische Regisseurin Anissa Bonnefont in ihrer Literaturverfilmung „La Maison – Haus der Lust“ 2022 eine Journalistin präsentierte, die für ein Buch über die Welt der Sexarbeiterinnen in einem Berliner Bordell anheuert, kehrt sie nun in die Welt der Dokumentarfilme zurück, wo sie mit „Wonder Boy“ (2019) über einen Modehaus-Chefdesigner im Spagat zwischen seiner glamourösen Starwelt und der Suche nach seiner Herkunft sowie „Nadia“ (2021) über ein afghanisches, im Sport Erfolge feierndes Flüchtlingsmädchen ihre Karriere startete.
„La Scala – Die Macht des Schicksals“ heißt ihre neue Doku, und diese nimmt uns mit nach Mailand ins 1778 eröffnete Opernhaus Teatro alla Scala, einem der bekanntesten und bedeutendsten der Welt. Jede Inszenierung wird hier sicher detailliert und aufwändig gestaltet, am meisten steigt der Puls aber wohl bei den feierlichen Eröffnungen der Spielzeiten, die stets am 7. Dezember stattfinden und dank Live-Übertragung in alle Welt von Millionen OpernliebhaberInnen gesehen werden.
Wir werden Zeuge, wie 2024 in großer Runde hierfür Giuseppe Verdis „Die Macht des Schicksals“ ausgewählt wird, und der erfahrene Regisseur Leo Muscato legt seine Vision dar, den Irrsinn des Krieges zu vermitteln, indem in den vier Akten der Oper jeweils ein im Krieg spielender Moment dargestellt wird, aus vier verschiedenen Zeitepochen.

Opernregisseur Leo Muscato (© Neue Visionen Filmverleih GmbH)
Herunter zählend mit einem 80-tägigen Countdown nimmt uns Bonnefont dann mit und zeigt nicht nur den engagierten, auch bestimmten, aber immer netten und optimistischen Muscato bei seinen umfangreichen Arbeiten am Stück, sondern auch Dirigent Riccardo Chailly mit seinen Musikern, die DarstellerInnen und mehr als 900 Menschen, die hinter den Kulissen mit jeder Menge Fleiß daran arbeiten, dass ein fulminantes Werk auf die Beine gestellt wird.
Bonnefont verzichtet auf einen Kommentar aus dem Off und lässt die eingefangenen Momente für sich sprechen, und trotz minimalistischer Zusatzinformation erschließt sich uns als BetrachterInnen dann doch, was wir sehr dynamisch geschnitten miterleben. Die Auswahl der TänzerInnen und die Arbeit mit den HauptdarstellerInnen wie der russischen Sopranistin Anna Netrebko und US-Tenor Brian Jagde wird gezeigt, die Proben des Orchesters und der Choreografien, aber auch die immense Arbeit, die Kostümdesignerin Silvia Aymonino in die passende Bekleidung oder Setdesignerin Federica Parolini in ein tolles Bühnenbild stecken.
Es sind so viele kleine Rädchen, die hier ineinander greifen müssen, damit am Ende unter größter Nervosität die Premiere gefeiert werden kann, die sich alle erhofft haben. Und der Weg ist nicht immer ein geradliniger, wenn z.B. im Vorfeld die katholische Kirche gegen eine geplante Geburtsszene aufbegehrt oder sich andere unerwartete Probleme ergeben. Und doch wird die Premiere am Ende prunkvoll abgehalten – ob man hierfür nun „Dolce Vita“ als Musik hätte einspielen müssen, was wie ein Bruch wirkt, obwohl sich auch sonst schon wabernder Elektrosound neben Opernklänge gesellte, das sei mal dahingestellt. Dies ist aber nur eine kleine Kritik an der ansonsten stets interessanten Doku „La Scala – Die Macht des Schicksals“, bei der man sich vielleicht noch etwas mehr Einblicke in die Technik und Logistik des Opernhauses Scala gewünscht hätte, wobei der Fokus auf die MacherInnen und den Schaffensprozess auch immens viel inhaltlichen Stoff liefert.
Trailer:
Bewertung: 6 von 10 Punkten


