Home Film “Rehragout-Rendezvous” – wo Eberhofer draufsteht, ist auch Eberhofer drin

“Rehragout-Rendezvous” – wo Eberhofer draufsteht, ist auch Eberhofer drin

Autor: Mick

"Rehragout Rendezvous" Filmplakat (© Constantin Film Verleih)

Rehragout-Rendezvous

Darsteller: Sebastian Bezzel, Eisi Gulp, Lisa Maria Potthoff, Eva Mattes
Regie: Ed Herzog
Dauer: 97 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: constantin.film/kino/rehragout-rendezvous
Facebook: facebook.com/RehragoutRendezvous


Und wieder Niederkaltenkirchen. In „Rehragout-Rendezvous“ ist das fiktive niederbayerische Kaff jetzt schon zum neunten Mal Handlungsschauplatz einer Verfilmung von Rita Falks Provinzkrimis um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer, die sich auch als Buch immer noch ungemeiner Beliebtheit erfreuen und sich damit sogar eine recht ansehnliche Fangemeinde erarbeitet haben. Von den Eberhofer-Romanen hat die Bestseller-Autorin inzwischen ganze zwölf veröffentlicht, und die Ideen scheinen ihr noch lange nicht auszugehen. Genügend Potenzial für weitere Leinwandadaptionen ist also vorhanden, und solange Regisseur Ed Herzog, der bisher alle Filme der Reihe verantwortete, nicht die Lust verliert, können wir uns weiterhin auf regelmäßig erscheinende, neue Eberhofer-Fälle freuen, die auch im Kino längst Kultstatus erreicht haben.

Diesmal jedenfalls wird es wirklich ernst im Hause Eberhofer: Oma (Enzi Fuchs) hat endgültig die Schnauze voll, auf dem Hof den gesamten Haushalt zu schmeißen und eröffnet der beim namensgebenden Wildgericht einträchtig versammelten Familie pünktlich zum beschaulichen Weihnachtsfest, dass sie unverzüglich in die Hippie-WG der im gesamten Dorf als Hexe verschrienen Feministin Liesl Mooshammer (sprich: Mooshammer Liesl, Eva Mattes) zieht. Neun Monate später herrscht wie erwartet das reinste Chaos auf dem Eberhofer-Hof, niemand fühlt sich für irgendwas verantwortlich, der Abwasch stapelt sich und sowieso ist zumeist Schmalhans Küchenmeister. Unhaltbare Zustände also, die das Stresslevel von Polizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) merklich erhöhen und seine Laune so nicht unbedingt verbessern.

Doch das soll noch nicht alles sein, wird seiner Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) doch kurze Zeit später die Ehre zuteil, den Bürgermeister während dessen Abwesenheit vertreten zu dürfen. Dadurch ganz und gar nicht nach Franz‘ Geschmack zu seiner direkten Vorgesetzten geworden, nutzt die die äußerst willkommene Gelegenheit und setzt seine Stelle kurzerhand auf halbtags. Schon lange hat sie den Eindruck, dass sich Franz hinter seinem angeblich so stressigen Job versteckt, und die Versorgung ihres Sohnes Pauli so fast ausschließlich ihr überlässt. Jetzt gibt es für ihn also keine Ausreden mehr, dafür hat die unbefriedigende Gesamtsituation, vornehmlich aber wohl eher die Beschneidung seiner männlichen Ernährer-Rolle auch für Susi unangenehme Auswirkungen auf ihr Sexualleben.

"Rehragout Rendezvous" Szenenbild (© Constantin Film Verleih / Bernd Schuller)

Ein abgetrenntes Ohr beschert Franz und Rudi einen verzwickten Mordfall. Sehr zum Leidwesen der frischgebackenen Interims-Bürgermeisterin Susi.
(V.l.n.r.: Lisa Maria Potthoff, Simon Schwarz, Sebastian Bezzel, Michael Ostrowski)
(© Constantin Film Verleih / Bernd Schuller)

Ed Herzog setzt uns mal wieder mitten im Familienleben der Eberhofers ab, bei dem gerade beileibe genug los ist und erinnert uns fast beiläufig daran, dass es da für Franz auch noch einen Kriminalfall zu bearbeiten gibt. Ja, es wird tatsächlich der Vater eines Bauern vermisst, und bald schleppt eine Krähe ein menschliches Ohr an, das Zusammenhänge mit dem Verschwinden nahelegt. Die folgenden Ermittlungen Eberhofers, in die er wieder seinen Kumpel Rudi (Simon Schwarz) involviert, fördern noch weitere Körperteile zutage und machen aus dem routinemäßigen Vermissten- urplötzlich einen spektakulären Mordfall. Das jedoch ist allenfalls interessantes Beiwerk in einem Film, der eindeutig wieder die Turbulenzen in der Dorfgemeinschaft und vor allem in der Familie Eberhofer in den Vordergrund rückt, deren Mitglieder einem trotz ihrer Macken echt ans Herz gewachsen sind.

Wieder einmal gehen alle voll in ihren schon seit Jahren bestens ausgefüllten Rollen auf und verbreiten in bayerischer Mundart eine schroffe Herzlichkeit, die mit allerhand Dialogwitz ein ums andere Mal wirklich belustigt. Sofort glaubt man den fast vom gesamten Ensemble unisono getätigten Aussagen, dass das Set wieder eher einem Klassentreffen glich als einem Arbeitsplatz, was die ungemeine Spielfreude in jeder Szene bestätigt. Nicht nur Sebastian Bezzel, der schon fast mit Franz Eberhofer verschmolzen ist, auch alle anderen legen ihre Figuren derart authentisch an, dass man sich beinahe als Familienmitglied fühlt. Und allein der Auftritt Eisi Gulps, der als Hippie-Papa Eberhofer die Filialleiterin eines Tiermarkts mit feinster niederbayerischer Schimpftirade zur Sau macht, ist eigentlich schon das Eintrittsgeld wert.

Auch wenn die Dramaturgie bisweilen etwas durchhängt, und die Themen doch eher oberflächlicher Natur sind, ist auch der neunte Eberhofer-Krimi wieder gewohnt solide inszeniertes Wohlfühlkino, das mit dem Humor seiner Dialoge bestens unterhält.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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