Home Film “Retribution” – Liam Neeson im soliden US-Remake eines spanischen Thrillers

“Retribution” – Liam Neeson im soliden US-Remake eines spanischen Thrillers

Autor: Tobi

"Retribution" Filmplakat (© Studiocanal GmbH)

Retribution

Darsteller: Liam Neeson, Embeth Davidtz, Matthew Modine, Jack Champion
Regie: Nimród Antal
Dauer: 91 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.studiocanal.de/title/retribution-2023
Facebook: facebook.com/STUDIOCANAL.GERMANY
Kinostart: 14. September 2023


Wenn der Thriller “Retribution” in unseren Kinos startet (zu dem wir Freikarten verlosen – siehe unten), dann liegt hiermit ein Remake des spanischen Films “El Desconocido” (“Anrufer unbekannt”) aus dem Jahr 2015 vor. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um das erste, ließ Christian Alvart 2018 doch bereits Wotan Wilke Möhring in der deutschen Adaption “Steig. Nicht. Aus!” (lies unsere Filmkritik hier) in eine reichlich verzweifelte Lage geraten, und 2021 folgte auch noch eine südkoreanische Version namens “Hard Hit”.

Nun ist es Liam Neeson, der mal nicht als Rächer zu sehen ist, sondern vielmehr um das Wohl seiner Familie und seiner selbst fürchten muss. Es geht also um ein amerikanisches Remake, mit dem Regisseur Nimród Antal, der sich nach einigen Streifen wie “Kontroll” (2003), “Motel” (2007) und “Predators” (2010) sowie dem Konzertfilm “Metallica Through The Never” (2013) fast nur noch Episoden von TV-Serien wie “Servant” und “Stranger Things” widmete, mal wieder einen Langfilm vorlegt.

Während “El Desconocido” 2015 – damals auch bereits mit dem englischen Titel “Retribution” in einigen Ländern vermarktet – seinen Hauptdarsteller Luis Tosar durch das spanische A Coruña (früher auch La Coruña) düsen ließ, schickte Alvart seinen Protagonisten durch Berlin, und hier spielt merkwürdigerweise nun auch das US-Remake. Warum, das erschließt sich nicht und sorgt sogar für einiges Stirnrunzeln, wenn man die Originalversion sieht, denn dass hier alle bestes Englisch sprechen, ist doch äußerst realitätsfremd.

Anders ist es bei Investmentbanker Matt (Liam Neeson), der als Amerikaner mit seiner Ehefrau Heather (Embeth Davidtz) und den zwei Kindern aus beruflichen Gründen schon eine Weile in der deutschen Hauptstadt lebt. Nachdem Heather mal wieder ihren Umnut bekundet hat, dass Matt sich viel zu viel dem Job widmet, ist die Stimmung mau, und als er dann den pubertätsüblich von jeglicher Elternansprache genervten und vor allem dem vielbeschäftigten Vater wenig zugetanen Teenager Zach (Jack Champion) und die weit jüngere, als Nesthäkchen noch brave und liebe Emily (Lilly Aspell) zur Schule fahren soll, trödeln und zoffen diese. Viel stressiger hätte der Tag also kaum starten können, an dem für Matt ein wichtiger Termin ansteht, um einen finanzkräftigen Kunden nicht zu verlieren.

Diese Probleme verblassen allerdings bald, als er mit den Kindern im Auto sitzt und plötzlich ein Handy klingelt, welches keinem von ihnen gehört. Im Handschuhfach findet Matt das unbekannte Gerät, und als er den Anruf annimmt, verkündet ihm eine digital verfremdete, tiefe Stimme, dass sich eine Bombe unter seinem Sitz befinden würde, die explodieren würde, sobald er oder eines der Kinder den Platz verlassen und aussteigen würde. Denkt er zuerst noch an einen schlechten Scherz, ist Matt nach Ansicht einiger rasch gemachter Smartphone-Fotos des Bereichs unter ihm überzeugt – da befindet sich wirklich eine Bombe.

Der Anrufer lotst ihn zunächst mal zu einem guten Kumpel, der mit der gleichen Bedrohungs-Info samt Freundin in seinem Wagen sitzt und – da hier nicht brav sitzen geblieben wird – vor den Augen von Matt und den Kindern samt Fahrzeug in die Luft fliegt. Deutlicher konnte der Unbekannte die Glaubwürdigkeit seiner Bombendrohung nicht untermauern, und so hält sich der geschockte Matt an die Anweisungen, stets in der Hoffnung, wenigstens die Kinder retten oder irgendwie den Anrufer in die Irre führen zu können. Doch dieser scheint ihn dauerhaft zu beobachten.

"Retribution" Szenenbild (© Studiocanal GmbH)

(© Studiocanal GmbH)

Auch wenn man wie erwähnt nicht nachvollziehen kann, warum “Retribution” nicht in einer amerikanischen Metropole spielt, und sich nur budgetäre Gründe als denkbar erweisen, ist der Thriller solide gemacht und weiß einen stellenweise durchaus zu packen. Auch dieses Remake nimmt einen wieder gut mit in die Enge des bedrohten Wagens und lässt einen mit Matt und auch seinen Kindern mitleiden.

Im Vergleich mit “Steig. Nicht. Aus!” kommt “Retribution” in Bezug auf genutzte Technik moderner daher und wirkt durchaus glaubwürdig, was der Streifen dann allerdings nicht immer ganz halten kann, wenn für Berlin-Kenner irrwitzige Positionssprünge betrieben werden, nur um einige Sehenswürdigkeiten einzubinden, oder eine unsinnig aufgezogene Aktivisten-Demo auf den Plan tritt … und ein zwischendurch eingestreutes Lob auf die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn sorgt dann hierzulande natürlich für ungewollte Lacher, aber was soll’s.

Natürlich bezieht der Film seine Spannung aus der prekären Bedrohungssituation, in der sich Matt mit den Kids befindet, aber auch aus der Frage, was denn wohl das Ziel des unbekannten Anrufers sein mag, und als dieses deutlicher wird, ob er vielleicht doch nicht so unbekannt ist, schließlich macht so ein Investmentbanker ja im Geschäftsleben nicht jeden glücklich. Und das von den bisherigen Remakes abweichende Ende, das kann sich durchaus sehen lassen und wirkt sogar noch weit stimmiger.

Vor allem aber profitiert der Film von Liam Neeson, der wieder sehr ordentlich spielt und dem man gerne zuschaut, wie er sich in dieser verzwickten Lage schlägt, in der die innerfamiliären Probleme mal wieder zurechtgerückt werden und in die dann doch entgegen aller Weisungen des Übeltäters auch die örtliche Polizei noch mit eingreift, was nicht nur förderlich ist. Alles in allem also ein Thriller, den man sich mit seinen genau richtig portionierten eineinhalb Stunden gut anschauen kann.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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