Home Film “Töchter” – die Mischung aus Roadmovie und tragikomischem Drama fährt sich im Mittelmaß fest

“Töchter” – die Mischung aus Roadmovie und tragikomischem Drama fährt sich im Mittelmaß fest

Autor: Tobi

"Töchter" Filmplakat (© Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)

Töchter

Darsteller: Alexandra Maria Lara, Birgit Minichmayr, Josef Bierbichler, Giorgio Colangeli
Regie: Nana Neul
Dauer: 122 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.warnerbros.de/de-de/filme/toechter
Facebook: facebook.com/WarnerBrosDE


Wenn sich mit Alexandra Maria Lara und der momentan sehr angesagten Birgit Minichmayr zwei der besten Schauspielerinnen des deutschsprachigen Raums auf einen Roadtrip begeben und Josef Bierbichler als alter Grantler mit am Start ist, dann klingt das ja eigentlich sehr reizvoll. “Töchter” birgt dann auch durchaus einige Reize, die Verfilmung des Bestsellers von Lucy Fricke, die gemeinsam mit Regisseurin Nana Neul auch das Drehbuch schrieb, fährt sich trotzdem im Mittelmaß fest.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen die langjährigen Freundinnen Betty (Birgit Minichmayr) und Martha (Alexandra Maria Lara). Letztere möchte ihrem todkranken Vater Kurt (Josef Bierbichler), zu dem sie ein gestörtes, kaum noch existentes Verhältnis hat, weil er sich zuletzt als Eigenbrödler eigentlich nur noch dem Alkohol hingegeben hat und auch vorher wenig warme Worte für sie oder ihr Leben übrig hatte, bei seiner letzten Reise helfen. Diese soll ins Jenseits führen, und da Sterbehilfe in Deutschland ja verboten ist, hat er einen Termin in der Schweiz vereinbart.

Da Martha ahnt, dass die Fahrt sie bei aller gelebten Distanz zu ihrem Vater emotional wie auch diskussionstechnisch vor große Aufgaben stellen könnte, und auch weil sie seit einem traumatisierenden Unfall vor einigen Jahren nicht mehr am Steuer saß, bittet sie die sich gerade in Rom aufhaltende Betty, nach Deutschland zu kommen und die beiden zu begleiten und zu fahren. Als Betty eintrifft, machen die Freundinnen sich auf von Berlin nach Dortmund, holen Kurt ab, reaktivieren seinen verstaubten, länger nicht genutzten Golf, und ab geht es. Schnell wird dann klar, dass der mit mehreren Bierdosen ausgerüstete Todkranke auf der Rückbank auch in seinen finalen Tagen nicht auf Schmusekurs ist, sondern die Nerven der Damen mit Macho-Sprüchen, Sturheiten und zynischen Weisheiten zu strapazieren weiß, wenn er nicht gerade mal wieder eine Raucherpause massiv einfordert – denn wofür soll er seine Gesundheit jetzt noch schonen.

"Töchter" Szenenbild (© Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)

(© Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.)

Dann kommt es anders als gedacht, und das nicht nur, weil das für die Übernachtung gebuchte Hotel am Bodensee sich mitten in einer massiven Renovierung befindet. Kurt möchte so gerne noch einmal nach Italien an den Lago Maggiore fahren, wo er einst seine große Liebe Francesca an einen Italiener verlor. Es stellt sich heraus, dass Francesca ihn eingeladen hatte und der Termin zum Ableben nur fingiert war, um sie sehen zu können. Martha ist außer sich, entscheidet sich dann aber, ihm den neuen Wunsch zu erfüllen, denn mit seiner Feststellung “Zum Sterben fährst du mich, aber zum Lieben hättest du mich nie gefahren” hat der Vater natürlich nicht Unrecht.

Nachdem Kurt bei Francesca bleiben möchte, entscheiden sich Martha und Betty, weiter zu fahren, denn Letzere wollte im italienischen Dorf Olevano sowieso auf die Suche nach eigener Vergangenheit gehen und das Grab ihres schon vor Jahren verstorbenen Stiefvaters Ernesto besuchen, auch um vielleicht zu verstehen, warum er ihre Mutter einst verlassen hatte, als Betty noch ein Kind war.

Die deutsch-italienisch-griechische Produktion “Töchter” funktioniert als Roadtrip gut, da sie hierbei von der Schönheit der angesteuerten Orte in der Schweiz, Italien und dann sogar noch Griechenland profitiert. Die Handlung kommt ansonsten aber nicht immer glaubhaft daher und der Film ist mit seinen über zwei Stunden auch viel zu lang geraten, auch wenn es interessant anzuschauen ist, wie die im Leben selbst festgefahrene Betty weit mehr Sympathie für Kurt zu entwickeln weiß als seine eigene Tochter. Auch der Humor funktioniert beim tragikomisch angelegten Streifen aber nicht immer.

Vor allem aber ist es schade, dass Alexandra Maria Lara und Birgit Minichmayr zwar solide spielen, sich aber keine besondere Chemie zwischen ihnen entwickelt, so dass es den Situationen, in denen sie als Freundinnen über ihre Vergangenheit und das Leben philosophieren oder auch mal zusammen einen trinken, an Charme mangelt. So ist es dann Josef Bierbichler, der hier schauspielerisch Akzente setzt und in seiner Rolle zu glänzen weiß, so wie später dann auch Giorgio Colangeli als in Griechenland gestrandeter Italiener, der nicht weniger Eigenbrödler ist.

Trailer:

Bewertung: 5 von 10 Punkten

 

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