Home MusikCD-Rezensionen Bonobo fusioniert weiter sehr spannend Downbeat mit verschiedenen Stilen und Instrumenten

Bonobo fusioniert weiter sehr spannend Downbeat mit verschiedenen Stilen und Instrumenten

Autor: Tobi

Bonobo "Fragments"

Bonobo

“Fragments”

(CD, Ninja Tune, 2022)

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Als Bonobo alias Simon Green im Jahr 2000 sein Debütalbum “Animal Magic” veröffentlichte, hätte er es vermutlich selbst nicht für möglich gehalten, dass er sich zu einem der angesagtesten Produzenten, Musiker und DJs des Planeten entwickeln würde. 22 Jahre später erscheint sein siebtes Album “Fragments”, und obwohl der Vorgänger “Migration” bereits fünf Jahre zurück liegt, hatte er auch zwischenzeitlich einige Erfolge zu verzeichnen.

Der damalige Longplayer erklomm nicht nur Platz 1 der Billboard Dance-Album-Charts und kletterte auch in europäischen Charts nach oben (Rang 5 in UK, Platz 11 in Deutschland), er brachte ihm auch eine Grammy-Nominierung als “Best Dance/Electronic Album” ein, und der Track “Bambro Koyo Ganda” mit Gast Innov Gnawa war als “Best Dance Recording” nominiert. Selbiges gelang Simon noch einmal 2019 mit seiner Single “Linked”, und für die pandemiebedingt verschobene Grammy-Verleihung 2022 ist er in der Kategorie sogar gleich doppelt nominiert, mit “Heartbreak”, das er mit Totally Enormous Extinct Dinosaurs erarbeitet hatte, sowie “Loom”, wo er als Feature-Gast von Olafur Arnalds fungierte.

Bonobo (© Grant Spanier)

(© Grant Spanier)

Die Art und Weise, wie Bonobo Downbeat-Elektro mit traditionellen Instrumenten verknüpft, wie er das Ganze mit Stilen wie Jazz und Weltmusik fusioniert und wie er Gastgesang einbindet, lässt ihn herausragen – und das untermauert er auf “Fragments” erneut.

Auf 52 Minuten, die in verschiedenen Vinyl-Ausgaben, digital und als CD zu haben sind, findet man zwölf abwechslungsreiche Tracks. Beeinflusst durch negative Geschehnisse wie den kalifornischen Waldbränden und der anhaltenden Pandemie formte Simon in seinem Studio in Los Angeles in den letzten beiden Jahren Ideenfragmente und Experimente immer mehr zu funktionierenden Stücken, beeinflusst auch durch Kollaborationen, durch horizonterweiternde Wanderungen in den Wüsten und der Wildnis Kaliforniens und durch den erstmaligen Einsatz von modularen Synthesizern.

Nachdem “Polyghost” mit dem Multiinstrumentualisten Miguel Atwood-Ferguson als relaxtes Intro dient, welches Ambient-Elektro mit Weltmusik und Miguels Geigenspiel verbindet, packt einen “Shadows” feat. Jordan Rakei von der ersten Sekunde an mit seinem sanften, groovigen Beat, warmen Klängen und einer guten Gesangsmelodie. Green selbst beschreibt das Stück als “Old School-, Detroit-, Moodymann- und Theo Parrish-inspiriert.”

Die Schatten werden weg geschoben und weichen der Hoffnung, und “Rosewood” knüpft wunderbar an, bevor mit “Otomo” feat. O’Flynn ein erster druckvollerer, mit härteren Beats und einem Sample des bulgarischen 100-Kaba-Gaidi-Chors versehener Track in die Hüften schießt.

Auch “Tides” mit schönem Gesang von Jamila Woods konnte man schon vorab hören, und hier geht es wieder sehr entspannt zu. Simon erklärt: “Als ich zum ersten Mal Jamilas Gesang hörte, wusste ich sofort, dass ich ein Herzstück für das Album hatte. Der Text fasst alles zusammen, worum es bei dem Projekt geht. Dieser Track war ein echter Wendepunkt im Prozess der Fertigstellung des Albums und die unglaublichen Streicherparts von Miguel Atwood-Ferguson am Ende brachten das Ganze auf eine andere Ebene.”

Etwas experimenteller, aber nicht anstrengend, klingen die Klangverschmelzungen in “Elysian”, bevor “Closer” technoid daher kommt, recht minimalistisch aufgebaut mit getragenen und gut tanzbaren Passagen. Im Vergleich hierzu wirkt das ebenfalls bewegungsfördernde “Age Of Phase” weit voller im Klang, bevor “From You” mit Joji dann das Tempo wieder herunter schraubt und auf relaxte Stimmung setzt. Hierzu erklärt Bonobo: “Ich habe mich wieder daran erinnert, wie sehr ich Menschenmengen und Bewegung und die Verbindung von Menschen untereinander liebe.”

Ähnliche Atmosphäre herrscht auch in “Counterpart” vor mit seinen Flächen und zielsicher gesetzten Sounds, bei denen einzelne Instrumentenpassagen plätschernd integriert werden und die Beats mal antreiben, mal wegbleiben. Bei “Sapien” geht es dann noch einmal druckvoller und technoider, aber auch etwas avantgardistischer spielerisch zu, bevor das Jazz-geprägte “Day By Day” mit Gesang von Kadhja Bonet die Scheibe abschließt.

“Fragments” ist ein weiteres starkes Album von Bonobo, das immer spannend bleibt und mit dem es Simon Green gelungen ist, seine Klangfusionen weiter voran zu treiben, mit einem optimistischen Unterton versehen, den wir alle gerade gut gebrauchen können.

Im April ist Bonobo live bei uns zu erleben, und im Juni dann auch noch einmal beim Maifeld Derby Festival. Hier alle Daten – Tickets gibt es z.B. hier bei Eventim (Partnerlink):

21.04.2022 Hamburg, edel-optics.de-Arena
23.04.2022 Berlin, UFO im Velodrom
24.04.2022 Köln, Palladium
25.04.2022 München, Tonhalle
26.04.2022 CH-Zürich, Xtra
10.06.2022 Mannheim, Maifeld Derby Festival

bonobomusic.com
facebook.com/bonoboofficial

Bewertung: 8 von 10 Punkten

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