Home MusikCD-Rezensionen Metronomy bieten ein solides siebtes Album, das aber nicht ihr aufregendstes ist

Metronomy bieten ein solides siebtes Album, das aber nicht ihr aufregendstes ist

Autor: Tobi

Metronomy "Small World"

Metronomy

“Small World”

(CD, Because Music, 2022)

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Nachdem Metronomy auch mit ihrem sechsten Album “Metronomy Forever” (lies unsere Rezension hier) und ihrer typischen Gradwanderung zwischen Elektro, Pop und Rock wieder zu überzeugen wussten, gingen die Briten zuletzt mit der digital und als Cassette angebotenen “Posse EP Vol. 1” im September 2021 mal ganz andere Wege und boten fünf Tracks, die sie komplett als Kollaborationen aufgenommen hatten, was interessante stilistische Fusionen ermöglichte (lies unsere Rezension hier).

Gleichzeitig kündigte Mastermind Joseph Mount ein neues Album an, und mit “Small World” liegt dieses nun vor. Auch wenn Metronomy mit Features bislang äußerst sparsam waren und lediglich auf ihrem 2016er-Longplayer “Summer 08” mal einen Song mit Robyn boten, findet man hier nun ebenfalls einen Song mit Gästen, und zwar das feine, beschwingte Liebeslied “Hold Me tonight”, das sie mit der britischen Indie-Formation Porridge Radio aufgenommen haben.

Metronomy (© Alex Lambert)

(© Alex Lambert)

Insgesamt bieten Metronomy auf den 35 Minuten von “Small World” neun neue Stücke, und diese werden vom nachdenklichen “Life And Death” eröffnet, das ruhig und eher minimalistisch instrumentiert eines der Kernthemen des Albums direkt vorstellt – die Vergänglichkeit. Hierzu passt auch das Coverfoto, das Josephs Mutter Kate Mount in den 90er-Jahren in einem reizvollen Garten in der Nähe seines Heimatortes Totnes im Südwesten Englands aufgenommen hat – und Joe stellt fest: “Diese Gärten sehen nicht mehr so aus. Sie schauen jetzt irgendwie scheiße aus”.

Das klingt wenig hoffnungsvoll, es geht aber ja auch ganz anders, wie schon die zweite Vorab-Single zeigte, die folgt. Die gemütlich poppige Wohlfühl-Hymne “Things Will Be Fine” beschäftigt sich mit der Nutzung von hoffnungsvollem, sonnigem Optimismus im Angesicht schwieriger Situationen, um Positivität ins Leben zu rufen, sei es zu unserer eigenen Beruhigung oder zur Beruhigung unserer Kinder oder geliebten Menschen – auch wenn wir selbst keine Ahnung haben, ob die Dinge wirklich gut laufen werden.

Das Video zur Single ist ein Lobgesang auf die Teenager-Nostalgie und wird von Mount als “eine Art Pseudo-Rollenspiel-Therapie-Sitzung beschrieben, in der wir alle unser Teenager-Selbst wiedersehen. Jeder hat am Ende mehr Narben davongetragen als vor den Dreharbeiten… abgesehen von Michael und seinen verdammten Meerschweinchen”.

Natürlich fehlt auch das im Oktober 2021 voraus geschickte “It’s Good To Be Back” nicht, eine synthielastig beschwingte, groovy fröhliche und auch als Pandemie-Ausklangs-Hymne funktionierende Nummer. Das dazugehörige Video des Regie-Duos Dreamjob zeigt alle Metronomy-Bandmitglieder in einem unheimlichen Truman-Show-esken Universum, in dem jeder von ihnen versucht, eine chaotische Art von Freude zu bewahren, während er in einem Murmeltiertag-Szenario lebt, in dem er stirbt und dann immer wieder das Gleiche erlebt.

Mount erklärt: “‘It’s Good To Be Back’ heißt so, weil ein Teil von mir dachte: ‘Was ist die lahmste Plattitüde, die die Leute nach den letzten zwei Jahren sagen werden?’, aber gleichzeitig dachte ich daran, wie wahr es ist und wie es sich anfühlen könnte, Dinge wieder zu tun. Ich habe mich daran erinnert, wie es als Kind war, als ich auf dem Rücksitz des Autos meiner Eltern saß und sie ihre Musik spielten und ich dachte ‘das ist schrecklich’, aber es gab ein oder zwei Songs, die ich mochte. Ich dachte, es würde Spaß machen, so ein Album zu machen, und das ist der Song, den die Kids mögen könnten. Das ist der ‘coole’ Song.”

Zusammen mit Oscar Cash, Olugbenga Adelekan, Anna Prior und Michael Lovett, der seit 2019 nach fünf Jahren im Live-Line-Up als fünftes festes Mitglied der Band fungiert, hat Mount aber auch noch weitere Stücke erschaffen, die weniger gutgelaunt daher kommen. Die trockener angerichtete Midtempo-Nummer “Loneliness On The Run” zum Beispiel, die mit verhaltenem Optimismus aber auch ein “Loneliness is almost done” statuiert, das gitarrenpoppig vor sich hin schleichende “I Lost My Mind” oder das die Scheibe traurig und leicht frustriert abschließende, sanfte “I Have Seen Enough” mit Zeilen wie “We can watch the flowerbeds rising each year our children grow. I will sit with you in silence as we watch our favourite show, but I have seen enough.” oder “I have seen enough, but I just can’t look away.”.

Gut, dass es da aber auch noch weitere positivere Songs zu hören gibt, wie die melodische, warme, aber stellenweise von verzerrter Gitarre etwas aufgeraute Midtempo-Nummer “Love Factory” – “Each day’s her little victory, she knows how to win a fight, and watching the deserters leave I’ve got to make it right. Her love is like a factory and every day she’s making me.” Ja, die Liebe spielt auch auf diesem Album wieder eine wichtige Rolle, und das groovy mit sanften Gitarrentönen, sphärischen Keyboardflächen und einigen blubbernden Elektro-Klängen, dazu etwas 70er-Disco-Funk-Charme daher kommende “Right On Time” hält die Laune hier ebenfalls höher, denn “Well you’ve caught me right on time so for now let’s enjoy the sunshine”.

Insgesamt lässt sich “Small World” wieder gut durchhören und bietet viele feine Songs, die von Metronomy so oft schon entfachte Begeisterung vermag die Scheibe im ersten Moment aber nicht zu verströmen, da gab es durchaus schon aufregendere Alben dieser Ausnahmeband. Hier liegt die Messlatte aber natürlich äußerst hoch, und so freuen wir uns doch einfach über einen trotzdem nicht wirklich enttäuschenden Longplayer, der die großartige Liveband auch wieder in unsere Hallen führt.

Im März 2022 sind die in ihren Konzerten immer begeisternden Metronomy bereits wieder live in der Schweiz und Österreich zu erleben, die Daten in Deutschland wurden hingegen auf den August verschoben – Tickets gibt es z.B. hier bei Eventim (Partnerlink).

08. März 2022 – CH-Lausanne, Les Docks
10. März 2022 – CH-Zürich, Kaufleuten
11. März 2022 – CH-Fribourg, Fri-Son
14. März 2022 – A-Wien, Gasometer
01. August 2022 – Hamburg, Mojo
02. August 2022 – Dresden, Reithalle Strasse E
04. August 2022 – Berlin, Columbiahalle
05. August 2022 – Köln, Carlswerk Victoria
09. August 2022 – München, Neue Theaterfabrik
10. August 2022 – Heidelberg, halle02

www.metronomy.co.uk
facebook.com/metronomy

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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