Home Film„Vivaldi und ich“ – atmosphärisches Historiendrama über den italienischen Komponisten

„Vivaldi und ich“ – atmosphärisches Historiendrama über den italienischen Komponisten

Autor: Mick

"Vivaldi und ich" Filmplakat (© X Verleih)

Vivaldi und ich

Darsteller: Tecla Insolia, Michele Riondino, Stefano Accorsi, Fabrizia Sacchi
Regie: Damiano Michieletto
Dauer: 110 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.x-verleih.de/filme/vivaldi-und-ich
Facebook: facebook.com/xverleih
Instagram: instagram.com/xverleih
Kinostart: 21. Mai 2026


Die erste Assoziation zum berühmten italienischen Komponisten Antonio Vivaldi ist in der Regel sein bekanntestes Werk „Die vier Jahreszeiten“, über sein Leben jedoch wissen die meisten nicht allzu viel. Mit Recht also nähert sich der italienische Theater- und Opernregisseur Damiano Michieletto mit seinem an den semifiktionalen Roman „Stabat Mater“ angelehnten Debütfilm „Vivaldi und ich“ seinem Landsmann und schildert uns einfühlsam dessen Wirken an einem venezianischen Waisenhaus. Dabei ist sein Historiendrama keine Biografie des Musikers im eigentlichen Sinne, sondern bindet Vivaldis Schaffen klug in das fiktive Schicksal der Waise Cecilia ein.

Die junge Frau (Tecla Insolia) wurde einst von ihrer Mutter in die Babyklappe des Ospedale della Pietà gelegt und lebt im Venedig des 18. Jahrhunderts nun in dem musikorientierten Mädchen-Waisenhaus, an das schon damals anonym Kinder abgegeben werden können. Das beschert dem fortschrittlichen Heim neben zusätzlichen Ausgaben eben auch stetigen Nachwuchs für sein renommiertes Sinfonieorchester, mit dessen besonders bei reichen Gönnern beliebten Konzerten das gemeinnützige Haus einen Großteil seiner Kosten deckt. Zwar lässt das Heim seine Musikerinnen ganz in seinem Dienste maskiert auftreten, das außergewöhnliche Talent der Violinistin Cecilia jedoch bleibt auch dem kürzlich zurückgeholten, neuen Konzertmeister Antonio Vivaldi (Michele Riondino) nicht verborgen.

Nicht aber der Komponist steht im Zentrum von Michielettos Drama sondern eben Cecilia, die ganz auf der Suche nach ihrer Identität weniger mit ihrer Musikerinnenkarriere als mit ihrem Dasein hinter den Mauern des klösterlichen, von Leiterin Priora (Fabrizia Sacchi) mit harter Hand geführten Waisenhauses hadert. So groß ist die Sehnsucht nach einer Familie, dass sie täglich Briefe an ihre unbekannte Mutter schreibt. Und während regelmäßig Freundinnen von den ihren zurückgeholt werden, die sie damals für die Option auf Rücknahme unverwechselbar gekennzeichnet haben, bleibt ihr nur das verzweifelte Stöbern nach Hinweisen auf ihre Herkunft.

"Vivaldi und ich" Szenenbild (© Kimberley Ross, X Verleih)

Michele Riondino und Tecla Insolia
(© Kimberley Ross, X Verleih)

Behutsam nähert sich der ansehnlich ausgestattete Streifen dem Schicksal der von der jungen Tecla Insolia mit unschuldigem Gesicht und viel Einfühlungsvermögen gespielten Cecilia, die längst für das Heim lukrativ einem wohlhabenden Offizier versprochen ist, sich aber vielmehr nach einem selbstbestimmten Leben sehnt. Und das schließt nach dem Eintreffen Vivaldis eine Karriere als erste Geigerin im Orchester ausdrücklich mit ein, versteht sie sich mit dem smarten Komponisten doch auf Anhieb bestens und baut bei regelmäßigen Treffen bald eine enge Freundschaft zu ihrem Lehrer auf, die ihr durch den tristen, von der Außenwelt abgeschotteten Alltag hilft.

Nicht überraschend baut Opernexperte Michieletto seinen Film behutsam um die Liebe zur Musik herum, die genauso Vivaldi und Cecilia teilen wie sie für die talentierte Musikerin zunehmend zum wichtigen Instrument ihrer Emanzipation wird. Das ist sowohl musikalisch als auch bildtechnisch fein ins Szene gesetzt und bietet auch ohne „Die vier Jahreszeiten“ den einen oder anderen emotionalen Moment. Doch Unheil droht dramatisch durch die baldige Rückkehr Cecilias militärischen Freiers aus dem Krieg, die ihre eingeschlagene Karriere ebenso wie die innige Beziehung zu ihrem Ziehvater Vivaldi jäh beenden würde und dem atmosphärischen Drama zum richtigen Zeitpunkt eine spannende Wendung verleiht.

Nicht nur macht Michieletto seinen Streifen damit zum nachdrücklichen Plädoyer für die Freiheit, sondern spitzt die Handlung gleichzeitig mit Cecilias Kampf für ihre Unabhängigkeit erfrischend zu, die angesichts ihrer verhassten, bevorstehenden Hochzeit auch vor unkonventionellen Maßnahmen nicht zurückschreckt. Dass der Regisseur dabei auch den Einfluss Vivaldis auf das Leben im Waisenhaus nicht aus den Augen verliert, ist mit Blick auf dessen Lebenswerk durchaus aufschlussreich und macht seine ausgewogene Mischung aus Biopic und Historiendrama zum kurzweiligen Vergnügen, auch wenn das allzu simple Ende einige Fragen aufwirft. Und als Zugabe kommen wir immerhin zum Abspann noch in den Genuss der „vier Jahreszeiten“.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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