
Etwas ganz Besonderes
Darsteller: Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Gina Henkel
Regie: Eva Trobisch
Dauer: 116 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: etwas-ganz-besonderes.pandora.film
Facebook: facebook.com/pandorafilm
Instagram: instagram.com/pandorafilmverleih
Kinostart: 9. Juli 2026
Mit „Etwas ganz Besonderes“ legt die deutsche Regisseurin und Drehbuchschreiberin Eva Trobisch ihren dritten Langfilm nach „Alles ist gut“ (2018) und „Ivo“ (2024) vor, und mit diesem nimmt sie uns mit in die ostdeutsche Provinz.
In einer Kleinstadt in Thüringen ist die 17-jährige Lea (Frida Hornemann) wenig begeistert von eigentlich allem. Wenn sie mit ihrer besten Freundin Bonny (Ida Fischer) zusammen auf Festen musiziert, blüht sie mal auf, ansonsten aber findet sie das Heranwachsen wenig prickelnd und noch weniger die zerbrochene Ehe ihrer Eltern Matze (Max Riemelt) und Rieke (Gina Henkel).
Als sich Lea mit ihrer vom neuen Lebensgefährten Arthur (Florian Lukas) – dem Direktor ihrer Schule – schwangeren Mutter massiv streitet, flüchtet die Teenagerin zum Vater, der in die oberhalb der Stadt in der Natur schön gelegene Pension seiner Eltern gezogen ist. Oma Christel (Rahel Ohm) führt das Waldhotel mit Hingabe und Elan, viele Gäste bleiben aber aus, was zu wirtschaftlichen Problemen führt, und zusätzliche bereitet die Gesundheit von Opa Friedrich (Peter René Lüdicke). Nur bei Tante Kati (Eva Löbau) spürt Lea einen Halt, die als Museumsleiterin engagiert ist, aber mit ihrem kulturhistorischen Anspruch und der teuren Sanierung mittels EU-Geldern durchaus auch aneckt.

Lea (Frida Hornemann) auf dem Weg zu einer Casting-Show
(© Adrian Campean / Trimafilm)
Plötzlich kommt ganz neuer Wind in Leas grauen Alltag, wird sie doch von einer bekannten TV-Castingshow für Gesangstalente zu den Auditions eingeladen, darf vor Jury, Zuschauern und Fernsehkameras ihr Talent unter Beweis stellen. Natürlich gehört hierzu auch eine Homestory und ein Fernsehteam besucht sie in Thüringen. Als der Redakteur Raphael (Thomas Schubert) die Kandidatin dann fragt, wer sie denn so sei und was sie ausmache, da fällt ihr erschreckend wenig ein. Leas Gedanken kreisen, während sie inmitten der anderen Show-TeilnehmerInnen abseits der Heimat aufzublühen scheint, was wiederum zu Hause nicht überall gut ankommt, wo sich die generelle Lage verschärft.
Nur zwischen Matze und Rieke scheint heimlich wieder mehr Zuneigung einzukehren, zumindest körperlich, was aber gut dazu passt, dass sich hier gleich eine ganze Familie auf Identitätssuche befindet. Es geht um Individuen mit verschiedenen Interessen und Bedürfnissen, unterschiedlichen Ideen und Antrieb, an dem es manchmal mangelt oder der an anderer Stelle auf Kritik stößt. Die Provinz spielt hierbei durchaus eine Rolle, immer weniger Tourismus und Hinterfragung von in der Kultur sinnvoll eingesetztem Geld – während Leas plötzliche TV-Präsenz eine ganz andere Art der modernen Gesellschaftskultur anschleppt, mit der nicht nur sie selbst nicht immer viel anzufangen weiß. Und doch sucht sie hier ein Glücksgefühl, welches sonst gerade ausbleibt, wenn selbst die noch als Vorbild auserwählte, doch eigentlich Stärke ausstrahlende Tante ins Straucheln gerät und es beim vermeintlichen Ruhepol Oma brodelt.
„Etwas ganz Besonderes“ ist der neue Film von Eva Trobisch vielleicht nicht und weiß als Mischung aus Coming-of-Age und Drama auch emotional nicht so richtig zu packen, lässt sich als Studie einer Familie und auch der Provinz, die plötzlich durch eine Castingshowteilnahme einen bislang unbekannten Farbtupfer erhält, aber gut anschauen. Frida Hornemann weiß in ihrer ersten Hauptrolle zu überzeugen, auch die weitere Besetzung um Max Riemelt und Eva Löbau spielt ordentlich.
Trailer:
Bewertung: 6 von 10 Punkten

