Home Film„Dreams – Gefährliches Verlangen“ – fein beobachtetes Gesellschaftsdrama mit enormem Tiefgang

„Dreams – Gefährliches Verlangen“ – fein beobachtetes Gesellschaftsdrama mit enormem Tiefgang

Autor: Mick

"Dreams – Gefährliches Verlangen" Filmplakat (© Weltkino Filmverleih)

Dreams – Gefährliches Verlangen

Darsteller: Jessica Chastain, Isaac Hernández, Rupert Friend, Marshall Bell
Regie: Michel Franco
Dauer: 98 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Website: weltkino.de/filme/dreams-gefaehrliches-verlangen
Facebook: facebook.com/WeltkinoFilmverleih
Instagram: instagram.com/weltkinofilmverleih
Kinostart: 23. Juli 2026


Seichte Stoffe sind die Sache des Mexikaners Michel Franco nicht. Beeindruckend nimmt er sich wahlweise wie zuletzt in „Memory“ (2023) der Traumata gesellschaftlich gestrandeter Menschen an, oder er beobachtet wie in „Sundown – Geheimnisse in Acapulco“ (2021) äußerst genau den Umgang mit schwierigen Familienverhältnissen. Was aber eigentlich alle seine Filme eint, ist die feinfühlige Annäherung des Regisseurs an seine Hauptfiguren, die uns das Nachempfinden ihrer individuellen Schicksale immer wieder besonders einfach macht.

Hier läuft es einfach perfekt für die Upper-Class-Lady Jennifer (Jessica Chastain), so schön hat sich die attraktive Tochter eines Firmenbesitzers eingerichtet in ihrem privilegierten Leben in San Francisco. Bestens ausgebildet leitet sie nun für die soziale Stiftung ihres Vaters von Kalifornien aus ein Projekt für benachteiligte Nachwuchstänzer in Mexiko und geht in ihrer Rolle als Philanthropin voll auf. Obendrein verbindet sie bei ihren regelmäßigen Besuchen jenseits der Grenze auch gleich das Nützliche mit dem Angenehmen und gönnt sich ganz emanzipiert nebenbei eine leidenschaftliche Sexbeziehung mit dem ebenso talentierten wie knackigen Balletttänzer Fernando (Isaac Hernández).

Wieder einmal führt uns Regisseur Franco einfühlsam an seine Geschichte heran und stellt Jennifers komfortable Situation in der Blase ihrer Superreichen-Familie gekonnt ins Schaufenster, in der ihre größte Sorge noch die nicht immer gefühlte Würdigung der gehobenen Gesellschaft für ihr soziales Engagement ist. Genauso aber fühlen wir auch mit Fernando, der Jessica voller Dankbarkeit für seine Chance wirklich liebt, vielleicht lediglich unterbewusst in ihr die Gelegenheit sieht, seiner mexikanischen Perspektivlosigkeit zu entfliehen und dabei auch die Warnungen seiner Mutter vor der ungleichen Beziehung völlig ausblendet.

"Dreams – Gefährliches Verlangen" Szenenbild (© Teorema 2025)

Fernando (Isaac Hernández) und Jennifer (Jessica Chastain)
(© Teorema 2025)

Den Kleber für diese aber liefert Franco mit seiner erotischen Inszenierung eines ersten heimlichen Treffens der beiden gleich mit, in der seine beiden Darsteller:innen das alles überlagernde sexuelle Verlangen ihrer Figuren so anschaulich übermitteln, dass uns die wilde Leidenschaft fast aus der Leinwand entgegenspringt. Doch während sich Jennifer mit ihrer unverbindlichen, intensiven Fernbeziehung zu ihrem jungen Toyboy prima arrangiert hat, will sich Fernando mit den gelegentlichen Treffen irgendwann nicht mehr abfinden und steht nach einer gefährlichen Schleusung plötzlich als „Illegaler“ in der Wohnung der Stiftungsleiterin. Aber trotz aller Freude über den jetzt schnell verfügbaren Sex hätte Jennifer doch gern die alten Verhältnisse zurück, wo alles, allem voran Fernando, so schön an seinem angestammten Platz war. Nun aber bleibt wenig überraschend ihrer Familie gegenüber ihr Bekenntnis zu dem Migranten aus, und Fernando verfolgt daraufhin schwer gekränkt seine vielversprechende Tanzkarriere auf eigene Faust weiter.

Unvermittelt hat Franco dadurch in sein anfangs einfühlsames Erotikdrama mit den Tabus der gutsituierten amerikanischen Gesellschaft schon eine Ebene eingezogen, die zum Nachdenken anregt und seinem Streifen schon deshalb enormen Tiefgang verleiht. Denn Ablehnung scheint Jennifer nicht zu kennen, und mit Fernandos plötzlichem Ghosting offenbaren sich schnell völlig neue Abhängigkeitsverhältnisse, kommt der an der Tanzakademie doch überraschenderweise ganz alleine klar, und wird ihr Verlangen nach ihm bald unerträglich. Umstände, die ihr verständlicherweise gar nicht passen, die selbstverständlich auch Fernando bei ihrer erneuten Kontaktaufnahme nicht verborgen bleiben und die er geschickt für sich zu nutzen weiß.

Es sind Wendungen wie diese, mit denen Francos kluges Drehbuch seinen Film so vielschichtig macht. Der begnügt sich keinesfalls mit der Darstellung persönlicher Eitelkeiten sondern stellt bald subtil kritische Fragen über den Umgang neokolonialistischer, westlicher Gesellschaften mit Geflüchteten und sich ändernden Machtverhältnissen. Das ist von seinem wunderbar harmonierenden Duo Jessica Chastain und dem mexikanischen Balletttänzer Isaac Hernández auch in den leidenschaftlichen Erotikszenen dermaßen glaubwürdig gespielt, dass uns hier wieder einmal ein Einfühlen in die Situation nicht schwer fällt, die uns mit Blick auf uns selbst auch weit nach dem bewegenden Drama noch grübeln lässt.

Trailer:

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

Related Articles