Home MusikKonzertberichteDas letzte HIGHFIELD FESTIVAL wurde zu einer großen sommerlichen Abschiedsparty (Großpösna, 14.-16. August 2026)

Das letzte HIGHFIELD FESTIVAL wurde zu einer großen sommerlichen Abschiedsparty (Großpösna, 14.-16. August 2026)

Autor: Tobi
Highfield 2026 (© Line Tsoj)

Highfield 2026 (© Line Tsoj)

Fast 30 Jahre lang war es so, dass Mitte August das HIGHFIELD FESTIVAL zu den letzten großen Open-Air-Festivals des Sommers und den Highlights der Saison gehörte. Nachdem es von 1998 bis 2009 am Stausee Hohenfelden nahe Erfurt ausgetragen wurde, was auch zu seiner Benennung führte, feierten Musikfans seit 2010 am Störmthaler See bei Großpösna südlich von Leipzig. Wie von den Veranstaltern FKP Scorpio und Semmel Concerts verkündet ist hiermit leider erst einmal Schluss, und so ging das beliebte Festival vom 14. bis 16. August 2026 in seine letzte Edition, die zu einer gefeierten Abschiedsparty wurde.

Ausverkaufte 35.000 BesucherInnen wie früher wurden schon länger nicht mehr verkündet, und mit gestiegenen Produktionskosten rechnet sich das Ganze wohl nicht mehr. Rund 30.000 kamen 2024 zum Festival (lies unseren Bericht hier), 28.000 waren es im letzten Jahr, und zum Finale zog es nun ebenso viele Festival- und Musik-LiebhaberInnen an den Störmthaler See.

Die Vorzeichen für eine sommerliche Party waren gut, der Wettergott servierte für die Donnerstag bereits angesetzte Warm-Up-Party sowie für Freitag und Samstag Sonne satt und mit Mitte 30 Grad Celsius schon wieder etwas zu viel Hitze. Auf den Zeltplätzen gab es in jedem Fall ebenso gute Stimmung wie am wirklich schönen Festival-Strand, der mit mehr Musik dieses Jahr zum Electric Beach wurde und wo viele BesucherInnen die Möglichkeit nutzten, für eine Abkühlung in den See zu springen – und an allen Tagen gab es am Beach nicht nur Musik bis in die Nacht, sondern auch einiges an Action. Auch die vielen Stände am Wiesenweg zum Infield boten wieder einiges, von kleinen Aktivitäten und Aktionen für gute Zwecke bis natürlich zu diversen Buden zur Verpflegung inkl. des preislich absolut anständigen Festival-Kiosks.

Highfield 2026 Strandatmosphäre (© Line Tsoj)

Highfield 2026 Strandatmosphäre (© Line Tsoj)

In den wieder gut organisierten Camping-Bereichen herrschte also beste Laune, und dies auch bei besagter Warm-Up-Party am Donnerstag, wo die Bierbabes und die Drunken Masters sogar schon das Infield und die Main Stage eröffnen durften. Bei fast schon zu herrlichem Sommerwetter und Sonne satt war die Laune auch am Freitag prächtig und die vielen, stets friedlichen BesucherInnen feierten nicht nur die Headliner BHZ mit ihren sommerlichen Klängen sowie SDP mit ihrem Genremix und viel Publikumsbespaßung, sondern natürlich auch den Folk der Giant Rooks, den mit Bäsern bereicherten Rock der Sondaschule, härtere Töne von Itchy, Hi! Spencer und Adam Angst, die Rapper von Pa69 und Levin Liams Mischung aus HipHop und Soul.

Mit 36 Grad Celsius erneut sehr heiß und reichlich Sonne schlauchend – und auf Grund der Trockenheit bei viel Bewegung vor der Bühne auch mächtig staubig – präsentierte sich auch der Samstag, und in puncto Musik noch packender. Die mit ihren vielen Bläsern für mächtig Stimmung sorgenden Querbeat überzeugten ebenso wie der tolle Folk-Punk der Dropkick Murphys, die als Band aus Boston der einzige nicht-deutsche Act waren. ZSK, Raum27 und Ritter Lean sorgten für ganz unterschiedliche Töne – und generell war es immer gut, dass die Main Stage und die kleinere Club Stage stets abwechselnd bespielt wurden, es so weder Pausen noch Überschneidungen gab. Das Lumpenpack untermauerte später seine Metamorphose vom Comedy-Pop-Duo zur mächtig abrockenden Combo, die immernoch humorvoll ist, aber nun auch ernstere Themen behandelt – nur den Riesenrad-Brand-Gag hätten sie sich sparen können, gab es hier schließlich vor zwei Jahren schockierende Szenen, in denen Menschen um ihr Leben fürchteten. Zum Indie-Pop von Zartmann wurde es vor der Main Stage gut voll, mehr noch zum poppigen Dance-HipHop von 01099. So richtig eng wurde es dann aber einzig bei Kraftklub, die mit ihrem mitreißenden Rock wieder für einen umjubelten Abriss sorgten, einmal mehr zu begeistern wussten – inkl. Momenten inmitten des Publikums.

Highfield 2026 - Kraftklub (© Line Tsoj)

Highfield 2026 – Kraftklub (© Line Tsoj)

Am Sonntagmorgen gab es mal zwei Stunden Regen, dann aber wurde es wieder trocken und bei weit angenehmeren 26 Grad und einem gut genießbaren Mix aus Sonne und Wolken ging das Highfield in sein Finale, bei dem entgegen einiger Vorhersagen weiterer Niederschlag komplett erspart blieb.

Abwechslungsreiche Acts wie $oho Bani, Dilla, Montreal, Deine Cousine und Nura standen auf dem Programm, nicht unerwartet aber sorgten die drei größten Namen auf der Main Stage für die Highlights des Tages. Der schmissige, mit Trompete bereicherte Punkrock von Feine Sahne Fischfilet setzte das erste Ausrufezeichen, am Ende mit Marteria als Gast, der sich mit Sänger Monchi zu „Komplett im Arsch“ mit in den Moshpit begab. Marteria selbst gab dann ein gewohnt mitreißendes Konzert mit seinem Rap, der auch mal mit elektronischen Elementen daher kommt, und die begeisterte Masse ging wieder bestens mit und wurde zu La Familia. Apropos, sein Sohn Louis, der als Luzey inzwischen selbst rappt, kam nicht nur zum ihm gewidmeten „Platz für uns beide“ aus Marterias aktuellem Album mit auf die Bühne, zusammen brachten beide auch die am  kommenden Freitag erscheinende, gute Duett-Single „Endlich normale Träume“. Mit „Jungs“ spendierte Marteria einen weiteren neuen Song, dazu natürlich viele bekannte – ein toller Gig. Mit einem solchen, auch mächtig umjubelt, knipsten schließlich die Beatsteaks das Highfield-Licht aus – die vormittags mit ihrem mehrere Songs umfassenden Soundcheck bereits das Frühstück klanglich versüßt hatten. Mal groovig, mal aber auch bretthart rissen die Berliner die Menge ein letztes Mal mit ihrem abwechslungsreichen Rock mit.

Um Mitternacht war dann Schluss und ein sehr schönes, wieder gut organisiertes HIGHFIELD FESTIVAL 2026 ging mit einem leicht verspäteten, kleinen Feuerwerk zu Ende. Wie schade, dass es das letzte war – viele der Acts bekündeten ihre Trauer hierüber und teilten Erinnerungen an diverse Auftritte hier, bedankten sich bei allen Helfern und den Veranstaltern. Am Ende des Tages sind dann aber „nur“ 28.000 verkaufte Tickets bei gestiegenen Kosten verständlicherweise leider zu wenig. Es wäre schön, wenn hier in dieser feinen Location am See irgendwann wieder etwas entstehen würde, wo es doch so viele Menschen gibt, die zusammen friedlich feiern wollen. HIGHFIELD, wir werden dich vermissen.

Highfield 2026 - Feuerwerk bei 01099 (© Julia Schwendner)

Highfield 2026 – Feuerwerk bei 01099 (© Julia Schwendner)

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