Home Film„Spaziergang nach Syrakus“ – unterhaltsame DDR-Flucht-Geschichte mit Charly Hübner

„Spaziergang nach Syrakus“ – unterhaltsame DDR-Flucht-Geschichte mit Charly Hübner

Autor: Tobi

"Spaziergang nach Syrakus" Filmplakat (© Pandora Film)

Spaziergang nach Syrakus

Darsteller: Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten, Bruno Di Chiar
Regie: Lars Jessen
Dauer: 116 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.pandorafilm.de/filme/spaziergang-nach-syrakus.html
Facebook: facebook.com/pandorafilm
Instagram: instagram.com/pandorafilmverleih
Kinostart: 20. August 2026


1988 war es, als der 1941 in Dresden geborene, aber auf Hiddensee als Kellner arbeitende Klaus Müller mit einem Segelboot von der Insel aus der DDR floh – um inspiriert von Johann Gottfried Seumes Reisebericht „Der Spaziergang nach Syrakus“ Italien kennenzulernen und dann nach acht Monaten wieder freiwillig in die DDR zurückzukehren. Friedrich Christian Delius verarbeitete diese Geschichte in seinem 1995 erschienenen Buch „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“, und Müller selbst veröffentlichte 2014 die autobiografische Schilderung „Gehen, um zu bleiben: Aus der DDR nach Italien – und zurück“. Nun kommt die Story mit Abwandlungen, im Kern aber klar an die wahren Begebenheiten angelehnt, als „Spaziergang nach Syrakus“ ins Kino, inszeniert von Lars Jessen („Am Tag als Bobby Ewing starb“, „Dorfpunks“, „Mittagsstunde“).

Statt Klaus Müller heißt unser Protagonist wie bei Delius Paul Gompitz, gespielt von Charly Hübner. Eine Reise nach Sizilien wäre sein größter Wunsch, auf den Spuren des Dichters Seume, der 1801/1802 Tausende von Kilometern nach Syrakus wanderte. Leider aber lebt Paul 1982 in der DDR und seine Bitte um eine offizielle Ausreisegenehmigung zu Studienzwecken wird telefonisch mit dem sehr bestimmt übermittelten Hinweis abgebügelt, er solle solche Anfragen zu seinem Besten lieber unterlassen. Auch eine Besuchsreise zu seiner Cousine in Bochum darf er nicht antreten, und so bleibt Paul in seinem Fernweh nichts anderes übrig, als über eine Flucht nachzudenken.

Hierbei ist ihm klar, dass er gar nicht mal dauerhaft bleiben, sondern wieder nach Rostock heimkehren möchte, fühlt er sich doch an für sich gut in der DDR und an der Ostsee, wo er eine prima funktionierende Ehe mit seiner Frau Anne (Lina Beckmann) führt und sie zusammen entspannt in der gemeinsamen Datsche sitzen. Diese kennt zwar seine Sehnsucht, nicht aber seine sich konkretisierenden Pläne, will er sie doch schützen. Schon länger spart der als Kellner jobbende Paul Westgeld an, lernt im Bodden beim zufällig getroffenen Günter (Thorsten Merten) Segeln und informiert sich über Militär- und Radartechnik, wobei auch dies nicht einfach ist, werden Bücher hierzu doch aus Sicherheitsgründen nicht an die Normalbürger verkauft.

"Spaziergang nach Syrakus" Szenenbild (© Sammy Hart / Pandora Film)

Anne (Lina Beckmann) ahnt nichts von Pauls (Charly Hübner) heimlichen Plänen
(© Sammy Hart / Pandora Film)

Lange Jahre vergehen, bis Paul alles detailliert durchgeplant hat, 1988 dann auf Hiddensee endlich die optimalen Voraussetzungen vorfindet und in sein kleines erworbenes Boot steigt. Diese Phase nimmt auch den Großteil des Films ein, der damit beginnt, wie Paul 2006 einem Kellner in Italien seine Geschichte erzählt, als Rahmenhandlung.

Aus dem Off berichtet folgen wir also seiner Idee vom eigenen „Spaziergang nach Syrakus“, und das tut man gerne, ist die Geschichte doch schlichtweg nett und lebt von der Darstellung Pauls und seiner Beziehung zu Anne weit mehr als von Flucht-Spannung. Diese kommt dann im letzten Drittel mal auf, aber da wir ja aus der Rahmenhandlung wissen, dass es Paul im neuen Jahrtausend gut geht, stellt sich eher die Frage, ob er denn in die DDR zurückkehren kann, was für Folgen seine Flucht für Anne hat, was der Mauerfall ein Jahr später bewirkt und was dies alles für die Beziehung zu seiner Frau bedeutet.

Getragen wird der Film zudem von einem einmal mehr überzeugend spielenden Charly Hübner, den Jessen ja bereits für die Hauptrolle in „Mittagsstunde“ (2022) gewinnen konnte und der zuletzt in der unterhaltsamen Wohlfühl-Komödie „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ (2025) erst eine DDR-Flucht-Geschichte anführte. Neben Hübner weiß aber auch Lina Beckmann ausdrucksstark zu gefallen, die beiden harmonieren bestens.

Auch wenn die ausgiebige Fluchtplanung über die fast zwei Stunden hier und da mal ein paar Längen mit sich bringt, lässt sich „Spaziergang nach Syrakus“ gut anschauen und ist auch sehr ordentlich inszeniert, mit einigen eingebundenen, gut gemachten Postkartenmotiven als Auflockerung. Und im Kern geht es weit weniger um die Flucht selbst als um Pauls Sehnsucht nach Freiheit trotz Verbundenheit zur Heimat und die Frage, ob man eine gut funktionierende Ehe hierfür auf’s Spiel setzen sollte.

Trailer:

Bewertung: 7 von 10 Punkten

 

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