
Oasis: Don’t Look Back in Anger
Dokumentarfilm
Regie: Dylan Southern und Will Lovelace
Dauer: 123 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Website: www.disney.de/filme/oasis-dont-look-back-in-anger
Facebook: facebook.com/disneyplusde
Instagram: instagram.com/disneyplusde
Kinostart: 9. September 2026
Mit „Oasis: Don’t Look Back in Anger“ startet ein spezieller Film in unseren Kinos, der dort eigentlich nur für vier Tage vorgesehen war, bevor er später in diesem Jahr exklusiv auf Disney+ veröffentlicht wird. Nun sind es auf Grund riesigen Interesses fünf geworden und vom 9. bis 13. September ist der Streifen kurz nach seiner Weltpremiere im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig am 5. September in ausgewählten IMAX®-Kinos und anderen Lichtspielhäusern zu sehen.
In Venedig posierten die Gallagher-Brüder friedfertig und gutgelaunt zusammen auf dem roten Teppich, dass sie aber dann die dazugehörige Pressekonferenz schwänzten, ist kein Indiz für neue Streitigkeiten. Diese hatten bekanntlich im August 2009 zur plötzlichen und unerwarteten Auflösung der Band gesorgt, die nicht nur im Britpop zu absoluten Heroen geworden waren, sondern generell zu einer der erfolgreichsten musikalischen Formationen der Welt. Und so startet der mit einem Drehbuch von „Peaky Blinders“-Erschaffer Steven Knight vom Duo Dylan Southern and Will Lovelace („Shut Up and Play the Hits“, „Meet Me in the Bathroom“) inszenierte Dokumentarfilm dann auch mit schnittig servierten Bildern vom Aufstieg der Combo um Songschreiber Noel Gallagher und seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Liam, der als Sänger ebenso viel Aufsehen erregte wie mit seinem schwierigen Charakter.
Im Zentrum des Film steht aber die von den Fans so ersehnte, aber nach absoluter Funkstille zwischen den Brüdern kaum noch für möglich gehaltene Renuion-Tour 2025. Die Verkündung von „Oasis Live ’25“ sorgte weltweit für Furore, die Konzerte waren trotz hoher Preise in Sekundenschnelle ausverkauft, und nun können wir die Entwicklung dieser Tour mitverfolgen. Es beginnt mit den Proben, für die eine Halle im heimischen Manchester hergerichtet wurde, und mit einem Noel, der erzählt, wie sehr er diese Übungssession liebt. Über allem schwebt aber eine deutliche Ungewissheit, denn zunächst ist Liam noch nicht mit am Start. Als er dann an einem anderen Tag – wie vereinbart – kommt, gibt es keine freudigen Umarmungen, stattdessen scheucht er die anderen Musiker von der Couch an die Instrumente, singt seinen Part herunter, wechselt kaum Worte mit Noel und verschwindet ohne jeglichen Abschiedsgruß wieder.
An dieser Stelle ist man beeindruckt davon, solche Bilder überhaupt sehen zu können, und eine große Skepsis liegt in der Luft, ob diese Reunion gut gehen kann und nicht einem Chaos enden würde, was ziemlich sicher das endgültige Aus für Oasis bedeutet hätte. Das Ganze ändert sich schlagartig, als es dann auf die Bühne geht. Schon bei der Toureröffnung im walisischen Cardiff ist eine unglaubliche Energie zu spüren, und als Liam beim Herausgehen auf die Bühne Noels Hand greift, den Arm nach oben reißt und ehrerwürdigend auf seinen großen Bruder zeigt, da scheint der Bann gebrochen.

Oasis beim Konzert in Wembley 2025 (© Simon Emmett)
Was wir dann sehen, ist ein weltweiter Triumphzug. Natürlich finden nicht alle 41 Konzerte der Tour ihren Platz, aber man begleitet Oasis nach Nord- und Süd-Amerika ebenso wie Asien, und natürlich finden sich auch die heimischen Gigs in Manchester und London in der Doku wieder. Diese besticht durch ihren umwerfenden Schnitt, wenn bei den Livemomenten Szenen aus verschiedenen aktuellen Konzerten mit denen alter Gigs vor der Auflösung zusammengeführt werden, mit dem Ton der 2025er-Tour, der besser nicht hätte eingefangen werden können. Man fühlt sich mitten im Publikum, und dieses ist nicht nur schmückendes Beiwerk. Zu verschiedenen Orten und Songs bekommen wir kleine Geschichten von Fans erzählt, die uns klar machen, was Oasis für die und ihre Leben bedeutet und wie glücklich sie nun diese Reunion macht.
Das klingt nach Potential für Kitsch, so aber wirkt es nie. Ganz authentisch sind wir mit im Geschenen, und wenn man dann sieht, welche tiefen Emotionen ausgelöst werden, bis hin zu vor Glück einfach nur noch weinenden BesucherInnen der Tour, dann lässt einen das nicht kalt. „Oasis: Don’t Look Back in Anger“ weiß zu bewegen, auch weil immer klarer wird, wie die Band im Laufe der Tour wieder ihren Frieden gefunden hat, was Interviews mit Noel und Liam bekräftigen, die nun sogar sehr hochachtungsvoll über den jeweils anderen sprechen. Wo fast so etwas wie Hass war, ist nun wieder Bruderliebe – und die Hit-gebende Zeile „Don’t Look Back in Anger“ funktioniert sogar bei einem Noel, der bekräftigt, dass Vergeben nicht zu seinen Stärken gehört.
Abwechselnd mit Backstage-Szenen und tollen Einblicken ins Bandleben sehen wir Livemitschnitte, und diese sind mit einem an der Gitarre tollen Noel und einem mental total klar und auch stimmlich in Bestform antretenden Liam absolut mitreißend und lassen keinen Zweifel daran, welchen Stellenwert die Lieder von Oasis haben. Momente wie der, wo auch Paul „Bonehead“ Arthurs (der wie Pep Guardiola als damaliger Trainer des Lieblingsclubs Manchester City sogar als lebensgroße Pappfigur mit auf der Bühne vertreten war) und seine Bedeutung für den Sound der Band oder der unerwartet verstorbene The-Stone-Roses-Bassist Gary „Mani“ Mounfield gewürdigt werden, machen klar, dass die sicherlich mit tonnenschwerem Ego ausgestatteten Brüder nicht nur Ich-fokussiert sind.
Die großen Hits von Oasis finden alle ihren Platz im Film, und sie verdeutlichen einmal mehr die Klasse dieser umwerfenden Band, was sogar mehrfach für Gänsehaut sorgt, so toll sind die Livemitschnitte und dazugehörigen Stories. „Oasis: Don’t Look Back in Anger“ zeigt mehr als nur zwei Brüder und Ausnahmemusiker, die wieder zueinander finden – ein genereller Appell an mehr Liebe lässt einen großartigen Film ausklingen, der zu begeistern weiß und ein absolutes Muss für alle Oasis-Fans ist. Und diese sind ja sowieso aktuell elektrisiert von den ersten Leaks kommender 2027-Tourdaten. Die Oasis-Story ist noch lange nicht zu Ende, hier aber wird ein sehr wichtiger Teil eindrucksvoll erzählt.
Trailer:
Bewertung: 10 von 10 Punkten

